Wendelinus-Wallfahrt: Wenn Anderssein keine Rolle spielt

Wendelinus-Wallfahrt : Wenn Anderssein keine Rolle spielt

Am Tag der Menschen mit Behinderung bitten Lebenshilfe-Bewohner Wendelin um Beistand.

Vor vier Jahren hat der St. Wendeler Pastor Klaus Leist den Tag der Menschen mit Behinderung ins Programm der Wendelinus-Wallfahrt eingebaut. Die Menschen der Lebenshilfe in der Kreisstadt sollten einen festen Platz innerhalb der Wallfahrtswoche bekommen, so Leist damals. Am Donnerstag haben Bewohner aus verschiedenen Einrichtungen der Selbsthilfeorganisation den Wortgottesdienst in der Wendelinus-Basilika mitgestaltet. „Dieser Tag ist für uns ein besonderes Bedürfnis einmal danke zu sagen für die hervorragende Zusammenarbeit. Garant dafür ist Pastor Leist, dem die Menschen der Lebenshilfe ans Herz gewachsen sind“, sagte Lebenshilfe-Geschäftsführer Hermann Scharf. Eine Wendelinus-Statue in Händen haltend war er gemeinsam mit einer Bewohnergruppe feierlich ins Kirchenschiff einmarschiert.

„Freunde der Lebenshilfe, ich freue mich, dass ihr wieder so zahlreich gekommen seid“, begrüßte Pastor Leist die Kirchgänger. Darunter befand sich noch eine Gruppe aus der Tagespflege der Stiftung Hospital und mehr als 20 Touristen aus Magdeburg, Berlin und Thüringen, die rein zufällig die Basilika besuchen wollten. „Danke für diesen guten Morgen“, sangen alle Besucher ein schwungvolles Lied zum Einstieg in die Messe. Doch die Menschen mit Handicap waren im Jubiläumsjahr auch erschienen, um dem Heiligen Wendelin all ihre Anliegen, Sorgen und Nöte vorzutragen. „Wendelin, steh’ uns zur Seite, wenn es uns einmal nicht gut geht und wenn wir traurig sind“, erbat sich eine Lebenshilfe-Bewohnerin die Hilfe und Fürsprache vom Schutzpatron. Geschäftsführer Scharf ergänzte stellvertretend: „Wir sind manchmal anders. Deshalb soll Wendelin den Menschen Kraft, Mut und Lebensfreude geben, die um uns sind“.

Anschließend versammelte Dagma Thomaser den Lebenshilfe-Chor vor dem Altar. Flügelartig bewegte die Gesangsgruppe ihre Arme und intonierte dazu die lettische Volksweise „Fliege, weiße Taube“. Pastor Leist stellte Wendelin in einer Geschichte als ein Freund von Jesus und Ratgeber vor und erteilte den Gottesdienstbesuchern den Segen, ehe die Schutzpatron-Hymne „Wendelin, du guter Hirte“ erklang. „Dieser Tag ist für mich immer eine emotional berührende Begegnung“, meinte Leist. Mit den jüngsten Pilgern, dem Nachwuchs aus dem integrativen Lebenshilfe-Kindergarten an der Spitze, stellten sich alle Kirchgänger zu einer Prozession auf, die zur offenen Lade mit den Gebeinen des Volksheiligen führte. Passend dazu präsentierten Keyboarder Hans-Norbert Gerhart und Sängerin Julia Wagner den Hit „I will follow you“ aus dem Film „Sister Act — Eine himmlische Karriere“. Die hat Wendelin mit Sicherheit hingelegt.

Fußwallfahrerinnen auf dem Weg von der Abtei in Tholey nach St. Wendel. Foto: B&K/Bonenberger/

Gleichzeitig mit dem Tag der Menschen mit Behinderung wurde gestern der Tag der Frauengemeinschaften gefeiert. 50 Fußwallfahrerinnen hatten sich am Morgen von der Tholeyer Benediktinerabtei auf den Weg zum Pilgeramt in die Basilika nach St. Wendel gemacht.