Weihnachtsmarkt in St. Wendel : Elfe wandelt durchs funkelnde Lichtermeer

Ob trocken oder nass – gelungener Auftakt des St. Wendeler Weihnachtsmarktes am Wochenende. Es steckt viel Feuer drin

Glitzernde Stände, mystisch funkelnder Lichterschmuck in den Abendstunden. Zum perfekten Wintermärchen haben am Samstag nur noch die freudig vom Himmel herab tanzenden Schneeflocken gefehlt. „Ab dem Nachmittag war richtig was los“, meint die städtische Marktchefin Leonie Paqué am Sonntag. 38 Reisebusse haben am Vortag Besucher in der Kreis-
stadt abgesetzt. „Unser normaler Schnitt“, so Paqué. Der Weihnachts- und Mittelaltermarkt ist bereit, noch bis einschließlich 15. Dezember als Traumfänger seine vielen internationalen Gäste in einen besonderen vorweihnachtlichen Gemütszustand zu versetzen. „Das Ambiente und die Shows sind einfach genial“, sagt Besucherin Kerstin Jung aus Püttlingen, in ihrer retro-futuristischen Aufmachung als vorweihnachtlicher Steampunk. Tatsächlich gibt es Weihnachtsmärkte schon seit dem 14. Jahrhundert. Ob damals auch in St. Wendel, ist nicht bekannt.

Zurückversetzt in die Zeit zwischen Ende Antike und dem Beginn der Neuzeit werden tausende Besucher im ehemaligen Burgdorf St. Wendel auf einem mittelalterlichen Marktplatz auf der Mott. Inmitten von Speis und Trank wird Handwerkskunst zelebriert und Spielleute und Gaukler versuchen, den Gästen die Münzen aus der Tasche zu ziehen. Wie Kalibo, ein Wegelaberer, Zauberer und Seelenverkäufer im orangefarbenen Gewand, der mehrfach pro Tag dem Volke seine magischen Kunststücke präsentiert. „St. Wendel ist immer ein Abstecher wert. Denn ich bin froh, so tun zu können, als könnte ich zaubern“, gesteht Kalibo, im sechsten Jahr das wortgewaltige Maskottchen des Marktes.

Die Berliner Showgruppe Eventpuppets erzählt, spielt und tanzt drei Bilder aus der Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“ von Charles Dickens mit Feuer, Nebel und Licht. Zwischendrin rückt das vergnügliche, Feuer spuckende Drachenduo Argon und Nea aus. Dermaßen schräge Figuren wie das Trio Grande haben sich früher immer außerhalb der Stadtmauern aufhalten müssen. Für die Aufführung der italienischen Opera buffa darf das Komiktrio ausnahmsweise zur Belustigung des Volkes die Bühne betreten.

Zeitensprung. Raus aus dem Mittelalter, rein in den aktuellen, weltlichen Teil des Marktes am total verregneten Sonntag. „Wir haben keinen Programmpunkt absagen müssen“, teilt die Marktchefin erleichtert mit. Trotz des miesen Wetters sind viele Menschen mit aufgespannten Regenschirmen auf der musikalisch berieselten Marktmeile unterwegs. 170 Holzhäuschen oder Verkaufsstände bilden vom Schlossplatz bis in die Oberstadt ein Budendorf mit vielfältigem Angebot und schnuckeligem Charakter. „Teils neu, teils sind es Stammgäste“, beschreibt Paqué die Händlerschar.

Einfach märchenhaft. Nicht zu übersehen ist die leuchtende Schnee-Elfe Sorgenfrei begleitet vom Weihnachts-Troll. Bis einschließlich Donnerstag wird der verträumte Naturgeist noch Seifenblasen zaubern und sie durch die Gassen schweben lassen.

In der Miniaturwelt des Zwergenwaldes ist die Stimmung bestens. „Das sind alles witterungsfeste Kerlchen, denen macht der Regen nichts aus“, weiß Hanna Schmitt vom Urweiler Zwergenwaldteam. Am Abend werde nochmal alles dichtgemacht, so Schmitt, damit sich die mehr als 300 Wichtel für den nächsten Tag erholen könnten. Immerhin haben die Zwerge schon zwei Tage vor Beginn des Weihnachtsmarktes ihren Dienst angetreten. „Anfangs waren viele Kinder da“, was Schmitt freut.

Auf dem Parkplatz hinter dem Neuen Rathaus kann auch bei Plusgraden auf echtem Alpenschnee gerodelt werden. Zudem stellt eine Eismaschine zusätzlich künstlichen Nachschub der weißen Pracht her. Laut Paqué soll am Montag eine vom Regen aufgeweichte Fläche auf der Mott mit neuem Material befestigt werden. Auf Wunsch der Eventpuppets sollen für die artistische Weihnachtsfeuershow Sitzbänke vor der dort platzierten Bühne aufgestellt werden.

Nicht nur die Gäste waren am Wochenende international, sondern auch die Uniformierten: US-amerikanische Militärpolizisten (MP) aus Baumholder und Sicherheitspolizisten (SP) aus Kaiserslautern haben die St. Wendeler Ordnungshüter bei ihren Streifengängen begleitet.

Schnee-Elfe Sorgenfrei zaubert Seifenblasen und lässt diese durch die Gassen schweben. Foto: B&K/Bonenberger/
Uniformen-Vielfalt: Am Samstag waren Sicherheits- und Militär-Polizisten der US-Streikräfte zusammen mit den St. Wendeler Beamten auf Streifengang. Foto: B&K/Bonenberger/
Heiß her geht es täglich bei der Feuershow mit der Formation Lux Aeterna am Kugelbrunnen. Foto: B&K/Bonenberger/

Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes: Montag bis Donnerstag jeweils von 11 bis 20 Uhr, Freitag bis Sonntag von 11 bis 21 Uhr.