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Was sollen diese blauen Reflektoren?

Was sollen diese blauen Reflektoren?

Unfälle mit Tieren, die Straßen überqueren, sind ein häufiges Problem. Mit einem simplen Trick soll die Zahl solcher Unglücke minimiert werden. Blaulichtreflektoren gelten bei Fachleuten als preiswerte Lösung zur Vermeidung von Wildunfällen.

Tieraugen funkeln im Scheinwerferlicht. Schrecksekunde für Fahrer und Wild. Zumeist hilft auch kein heftiger Tritt mehr auf die Bremse. Der Fahrer erwischt ein Reh, das soeben die Landstraße von einem Teil des Waldes in den anderen queren wollte. Das Tier erliegt seinen Verletzungen, das Auto ist demoliert.

Ein Szenario, wie es sich immer wieder zeigt. Das Risiko, Opfer eines Wildunfalls zu werden, ist hoch. So ereignen sich solche Zusammenstöße allein auf der L 133 und L 134 bei Bliesen bis zu 15 Mal im Jahr, berichtet Jagdvorsteher Günter Rodenbüsch. Pro Fall kommen Kosten von bis zu 2000 Euro auf Versicherungen zu. Mal ganz abgesehen davon, dass solch ein Aufprall auch Verletzte fordern kann.

Um diesen Unglücken entgegenzuwirken, stellten Jäger unter anderem in dem St. Wendeler Stadtteil einen "Lichtzaun" auf, wie sie es nennen. Sie installierten an weißen Warnbarken entlang der beiden Landstraßen Blaulichtreflektoren.

Was sie bewirken sollen? Rehe abschrecken, sagt Rodenbüsch. Da die Farbe Blau als Licht in dieser Intensität in der Natur nicht vorkommt, werde dies "vom Wild sofort als gefährlich empfunden". Deshalb laufen sie in der Regel wieder zurück in den Wald, meiden die Fahrbahn. In Bliesen seien zudem Halbkreisreflektoren installiert worden. Diese verstärkten beim Wild den Eindruck, dass sich durch unterschiedlichen Einstrahlwinkel der Autoscheinwerfer etwas vor ihnen bewegt. Ein zusätzliches Warnsignal also. Darum wiederholt der Jagdpächter die Beschreibung eines "optischen blauen Lichtzauns".

Gute Erfahrungen in Bayern

Im November ließen er und seine Kollegen in seinem Beritt die Reflektoren anbringen. Auf eigene Kosten. Macht laut Rodenbüsch pro Kilometer an die 300 Euro. Die Jagdgenossenschaft stellte 300 Euro bereit. Den Rest übernahmen demzufolge die Jäger auf eigene Kappe. Erfahrungen, ob die Aktion vor Ort schon was brachte, stehen noch aus. Jedenfalls ließen sich die hiesigen Jagdpächter von den Erfolgen in anderen Regionen inspirieren. In Bayern beispielsweise seien die Reflektoren bereits seit Jahren angebracht. Und aus Statistiken anderer Länder berichtet Rodenbüsch: "Die Auswertungen von Fragebögen aus Revieren, in denen die Reflektoren länger als ein Jahr montiert sind, hat einen Rückgang nächtlicher Wildunfälle um 73 Prozent ergeben." Dennoch hielten sich die Versicherer zurück, in die preiswertere Variante Prävention zu investieren, kritisiert er.

Trotzdem gebe es zunehmend mehr gefährdete Passagen im Landkreis St. Wendel, die ausstaffiert werden. Rodenbüsch nennt unter anderem die Strecke zwischen Hasborn und Scheuern. Trotz dieser Vorkehrungen: "Wildunfälle lassen sich nicht zu 100 Prozent vermeiden". Der Bliesener Jagdvorsteher erklärt: Bei Geschwindigkeiten bis zu 90 Stundenkilometern wirkten die Reflektoren. Aber darüber hinaus seien sich wirkungslos. Außerdem schützten die Blaulichtreflektoren nicht vor Wildschweinen. Rodenbüsch: "Die registrieren das Licht nicht als Gefahr."