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Wahlausgang noch lange nicht geklärt

Wahlausgang noch lange nicht geklärt

Am 15. März entscheiden die St. Wendeler, wer neuer Chef im Rathaus werden sollen. Die beiden Kandidaten Peter Klär (CDU) und Torsten Lang (SPD) stellten sich jetzt der SZ-SR-Podiumsdiskussion.

Die beiden Moderatoren der Podiumsdiskussion: SZ-Redakteur Matthias Zimmermann (links) und Thomas Gerber vom Saarländischen Rundfunk.
Patrick Wendels aus Oberlinxweiler wollte wissen, was das neue Rathaus mit der Aufwertung der Stadt für junge Leute zu tun hat.
Am Podium (von links): Torsten Lang (SPD), Matthias Zimmermann (SZ), Thomas Gerber (SR) und Peter Klär (CDU).
Holger Meuler aus Dörrenbach wollte wissen, ob auch das Dorfgemeinschaftshaus in Dörrenbach an das Nahwärmenetz angeschlossen wird.
Peter Leist aus Marth spricht bei der Podiumsdiskussion den Zustand der Leichenhallen in den St. Wendeler Stadtteilen an.

Mit 700 Besuchern war der Saalbau am Donnerstagabend proppenvoll. Im Vorfeld der gemeinsamen Podiumsdiskussion von Saarbrücker Zeitung (SZ) und Saarländischem Rundfunk (SR) anlässlich der Bürgermeisterwahl in St. Wendel hat es kleinere Reibereien zwischen den beiden großen Parteien gegeben. Würde der dekorierte städtische Wagen der Jungen Union beim St. Wendeler Fastnachtsumzug erneut für Zündstoff sorgen?

Diejenigen unter den Gästen, die eine spannungsgeladene, hitzige, gar kämpferische Diskussion erwartet hatten, gingen wohl eher enttäuscht nach Hause. Torsten Lang (SPD ) und Peter Klär (CDU ) forderten sich gegenseitig nicht heraus. Überließen das Nachbohren bei kritischen Themen den Moderatoren Matthias Zimmermann (SZ) und Thomas Gerber (SR). Das Stimmungsbarometer zu Beginn der Diskussion - gemessen am Applaus der Besucher für die Kandidaten - schlug zugunsten Langs aus. Doch diesen Vorsprung konnte er über die 90 Minuten nicht halten, obwohl er versuchte, jede unpopuläre Antwort Klärs zu nutzen, um sich selbst zu profilieren. Der CDU-Kandidat wirkte während des kompletten Abends äußert ruhig, gelassen, fast souverän. Ließ aber eben auch Emotion vermissen. Die gab es dafür beim Publikum, dass Applaus spendete oder auch mal Puhhh-Rufe aufbranden ließ - beispielsweise beim Thema Fastnachtsumzug. Schon immer habe jeder, der einen Wagen vom städtischen Bauhof wollte, auch einen bekommen, erklärte Klär. Nur dieses Mal habe es deswegen Aufregung gegeben. Der Erste Beigeordnete wusste, wie der Wagen der Jungen Union aussah, dass er für ihn Werbung machte. "Was auf den Wagen steht, unterliegt nicht meiner Zensur", so Klär. An Fastnacht müsse man Spaß verstehen. Das tat ein Teil des Publikums bei diesem Thema nicht. Lang forderte derweil klare Regelungen für die Vergabe von städtischen Fahrzeugen beim Umzug. "Dass Parteien die Wagen benutzen, wird es unter mir als Bürgermeister nicht geben" - so die klare Position des Sozialdemokraten.

Während im Vorfeld der Diskussion viele Leser-Fragen bei der St. Wendeler SZ-Redaktion eingingen, waren die 700 Gäste im Saalbau recht zurückhaltend. Einer, der sich traute, war Peter Leist aus Marth (SPD ). Er monierte, dass die Ortsräte zu spät über Entwicklungen in ihren eigenen Dörfern informiert würden und prangerte den Verfall der Leichenhallen in den Stadtteilen an. Eine Steilvorlage für Torsten Lang. Denn er forderte mehr Wertschätzung für die Ortsräte. Diesen würde er gerne ein Budget zur Verfügung stellen. Fünf Euro pro Einwohner sollten es sein. 150 000 Euro im Jahr müsste die Stadt dafür investieren. "Mit diesem Geld könnte man viel machen", so Lang. Sein Kontrahent ließ von dem tosenden Beifall angesichts dieses Vorschlags nicht aus der Ruhe bringen. Das Budgetrecht liege beim Stadtrat, bemerkte er unbeeindruckt. Der müsse entscheiden, wieviel er davon abgeben möchte. "Die Vorlage dazu macht dann Herr Klär", warf Moderator Gerber ein. "Die müsste dann Herr Lang machen", antwortete Klär.

Was den Zerfall der Leichenhallen betrifft, so versprach der SPD-Kandidat, alle städtischen Gebäude abzufahren, sollte er Bürgermeister werden. Klär gab zu, dass ein erstelltes Friedhofskonzept zugunsten anderer Projekte zurückgestellt worden sei. "Nicht in allen Stadtteilen können Hallen sein", macht Klär deutlich.

In Schreiben an die Redaktion haben Leser häufig den Wunsch nach konkreten Ideen für Problemfelder geäußert. So wollte Rebecca Linnenberger wissen, was in Sachen Bahnhofsumfeld verbessert werden kann. Klär verwies darauf, dass die Stadt bereits für Sauberkeit und Sicherheit sorge. Auch würde er gerne auf die Unterführung verzichten. Aber dann seien nicht alle Gleise erreichbar, weil es im Bahnhofsgebäude keinen Aufzug gebe. Den zu installieren wäre Aufgabe der Deutschen Bahn als Gebäudeeigentümer. Das Gelände hinter dem Bahnhof sprach Lang an. Hier warf er der Verwaltung vor, nicht engagiert genug mit den Eigentümern verhandelt zu haben. Konkrete Ideen ließen die Kandidaten hier und da vermissen. Auch in Bezug auf Klärs - wie er selbst sagt - "Lieblingsprojekt" Mott. Der Platz solle die Schlüsselstelle der Stadt werden. Aber wie? Einigkeit herrschte bei den Kandidaten bei dem Wunsch, Globus besser an die Innenstadt anzubinden. Aber wie?

Reibungspunkte zwischen den Kontrahenten gab es beim neuen Rathaus und den städtischen Veranstaltungen. Während Klär stolz auf den zwölf Millionen teueren Verwaltungssitz und St. Wendels Eventreigen ist, stellt Lang beides in Frage. Für ihn ist das Rathaus zu teuer, und einige kostenspielige Veranstaltungen wie beispielsweise "Donner über St. Wendel - Franz von Sickingen und seine Erben" würde er streichen. Lang versuchte in die Rolle des Veränderers zu schlüpfen, während Klär auf Kontinuität setzt. Was besser ankam, zeigt sich am 15. März. Zum Abschluss der Diskussion animierten die Moderatoren die Kandidaten, einen Blick in die Zukunft zu wagen: "Wie sieht St. Wendel 2024 aus" ... Wenn Peter Klär Bürgermeister wird: "Wir sind eine Sportstadt - das müssen wir pflegen. Auch bleibt St. Wendel die schönste Stadt des Saarlandes. Es gibt 15 500 Arbeitsplätze, und das gut ausgestattete Gewerbegebiet gilt es zu pflegen." Wenn Torsten Lang Bürgermeister ist, ist "St. Wendel die familienfreundlichste Stadt weit und breit. Es gibt attraktive Arbeitsplätze, und die Stadtteile sind lebendige Dörfer." Nun bleibt es an den Wählern zu entscheiden, was sie wollen ...