Vortrag des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in St. Wendel

Vortrag samt Diskussion : St. Wendel soll fahrradfreundlicher werden

Saar-Fahrrad-Club gibt in einem Vortrag Tipps, wie das erreicht werden kann. Auch soll in der Kreisstadt eine Ortsgruppe gegründet werden.

Viel Diskussionsbedarf gab es am Mittwochabend bei einem Vortrag des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Saar im Unternehmer- und Technologiezentrum (UTZ). ADFC-Landessprecher Thomas Fläschner befasste sich mit möglichen Verbesserungen für Fahrradfahrer in der Innenstadt von St. Wendel. Der Vortrag kam auf Wunsch von Mitgliedern des Clubs zustande, die in der Kreisstadt noch Optimierungsbedarf sahen. Viele der etwa 30 Zuhörer konnten persönliche Erlebnisse oder ergänzende Ideen zur Sache mit einbringen.

Fläschner, dem es nach eigener Aussage vor allem um den Alltagsradverkehr und nicht nur um den Tourismus geht, machte zahlreiche Vorschläge, um das Radfahren in St. Wendel attraktiver zu gestalten. So regte er an, unter bestimmten Voraussetzungen Gehwege und Einbahnstraßen für Radler zu öffnen. Aber auch ausgewiesene Parallelrouten zu viel befahrenen Straßen oder spezielle Fahrradstraßen, auf denen der Autofahrer dann Rücksicht nehmen müsse, wurden thematisiert.

Aus dem Publikum kamen viele Anregungen. Ein Teilnehmer schlug vor, in der gesamten Innenstadt Tempo 30 einzuführen, um die Situation zwischen Auto- und Radfahrern zu entspannen. Ein anderer forderte dazu auf, die Bahnhofstraße nur noch einspurig für den Kraftverkehr freizugeben, sodass dann Platz für eine großzügige Radspur sei. Insgesamt bemängelten sowohl der Dozent als auch die fahrradbegeisterten Zuhörer, dass es bei der Stadt St. Wendel an einem Gesamtkonzept in Sachen Fahrradfreundlichkeit mangele. Udo Ritter, der als Vertreter der Stadtverwaltung anwesend war, verwahrte sich gegen die teils rüden Anschuldigungen in Richtung seiner Behörde: „Ich bin selbst Radfahrer, sehe mich hier aber mit vielen Vorurteilen in Bezug auf die Stadt St. Wendel und ihre Bediensteten konfrontiert. Um allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden, ist ein Interessenausgleich nötig.“ Davon abgesehen äußerte er Bedenken: „Viele der Vorschläge bedürfen einer langfristigen Planung durch Spezialisten oder sind so in der Praxis gar nicht durchführbar.“ Er fügte allerdings hinzu, dass die Stadtverwaltung gesprächsbereit sei.

Auch Uwe Luther vom Dezernat Bildung, Infrastruktur und Sicherheit des Landkreises St. Wendel begrüßte die Anregungen des ADFC und stellte Veränderungen in Aussicht. Er berichtete, dass der Landkreis sehr daran interessiert sei, mehr Menschen zum Fahrradfahren zu bewegen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sei man in dieser Hinsicht schon aktiv geworden, indem man verschiedene Projekte an Schulen realisiere.

Thomas Fläschner schloss seinen Vortrag mit der Aussicht, in naher Zukunft eine ADFC-Ortsgruppe in St. Wendel gründen zu können: „Wir sind kein eingetragener Verein, es wird also nicht über Dinge wie die Vereinssatzung diskutiert. Wir freuen uns dennoch über neue Mitglieder, aber auch andere Interessierte dürfen gerne mitarbeiten.“ Michael Müller stellte sich als Ansprechpartner für dieses Anliegen zur Verfügung und regte ein weiteres Treffen Anfang kommenden Jahres an. Auf Initiative von Astrid Johann, Fachjournalistin im Fahrradbereich, entschieden die Teilnehmer jedoch, bereits Ende November einen neuen Termin anzusetzen. Johann: „So etwas sollte man zeitnah machen, sonst tritt es doch wieder in den Hintergrund. Ich erhoffe mir von einer solchen Initiative mehr Durchsetzungskraft, man wird einfach stärker wahrgenommen als eine Einzelperson.“ Astrid Johann signalisierte schon ihre Bereitschaft, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Gruppe übernehmen zu wollen.

Thomas Fläschner vom saarländischen Fahrrad-Club während seines Vortrags in St. Wendel. Foto: Jennifer Fell

Termin: Die nächste Zusammenkunft für Fahrradbegeisterte soll am Donnerstag, 28. November, um 19 Uhr stattfinden. Der Veranstaltungsort steht noch nicht fest.

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