Von Erdferkeln und Hochgefühlen

Eine Gruppe übers Feld eilende Rehe, eine Schar schwarzer Raben, den weißen Rauch der Dillinger Hütte , die Windräder des Schaumbergs und einen Polterabend : Aus dem Korb eines Heißluftballons entdeckt man so manches, auch in sich selbst.Zugegeben, es kribbelt etwas im Bauch, als nichts als heiße Luft den Ballon vom Boden abheben lässt. Walter, der Fahrer, lässt den Brenner röhren, unten winken die Helfer und Angehörigen, als es nun Meter für Meter nach oben geht, höher, immer höher.

"Dort oben duzen sich alle", hatte Ballonfahrer Walter Nemesmeier gesagt. Wenige Minuten vor der Abfahrt war das gewesen auf einem Parkplatz in Eppelborn, an einem sonnigen August-abend. Es sind die letzten Vorbereitungen der ersten Ballonfahrt von Sabine Wilkens aus Bubach, Andreas Schneider aus Merzig und dem Autor dieser Zeilen. "Derzeit gibt es Böen bis zu zehn Knoten", erklärt Walter. Der ausgebildete Ballonfahrer hat sich beim Wetterdienst informiert, bei acht Knoten können wir starten. "Die Spannung steigt", sagt Andreas. Genau wie Sabine hat er die Fahrt zum Geburtstag geschenkt bekommen. "Jetzt muss ich ja mal", sagt Sabine und lacht.

Dann geht alles sehr schnell. Auf einer Karte wird der Startpunkt gezeigt, von einer Wiese in Büschfeld-Bardenbach soll es losgehen. Drei Mal schon haben Walter und Frau Gabi, mit der der Eppelborner das Ballonfahrtunternehmen betreibt, heute den Startpunkt verschoben. Sie wollen kein Risiko eingehen. An Ort und Stelle holen Walter, Gabi und Helfer Dieter den Ballonkorb aus dem Transporter, der Ballon wird ausgefaltet. Mit einem Ventilator lässt Walter heiße Luft in den Ballon strömen. Der Brenner wärmt die Luft weiter an, der Ballon steht. Sabine und Dieter werden unsere Fahrt von unten verfolgen, später am Landepunkt abholen, "Erdferkel" nennen die Ballonfahrer das scherzhaft. Walter gibt eine kurze Sicherheitseinweisung, dann geht's los.

"Ich hab jetzt schon ein bisschen Angst", gesteht Sabine, während der Korb nach oben steigt. Doch dieses mulmige Gefühl lässt schnell nach, als der Ballon seine größte Höhe von etwa 200 Metern über der Erde erreicht hat.

Walter erklärt, was es zu sehen gibt: das nahe Wadern, die Windräder des Schaumbergs, den weißen Rauch der Dillinger Hütte . Der Fahrer wechselt die Gasflasche und während er immerfort Anekdoten vom Ballonfahren erzählt, beruhigen sich die Nerven. Der Blick schweift. "Ich fühle mich schwerelos", sagt Sabine jetzt. "Das hat etwas sehr Entspannendes", meint Andreas und macht auf zwei Rehe aufmerksam, die aufgeschreckt in Richtung Waldrand eilen.

In einem Garten wird Porzellan zerschlagen. "Stellt schon mal das Bier kalt", ruft Walter den Teilnehmern des Polterabends entgegen. "Machen wir", schallt es zurück. Die Zeit vergeht. Ein Schwarm Raben fliegt vorbei. Unten ziehen Pferde vorüber, Kühe, eine Autobahn, Städte, Dörfer. Der Brenner röhrt. Grüne Wiesen und Hügel soweit das Auge reicht, durchkreuzt von blauen Rinnsalen. Wie schön ist sie doch, die saarländische Heimat!

"Readymix Verfolger, bitte hören", der kuriose Funkspruch reißt die Mitfahrer aus den Tagträumen. Walter gibt den "Erdferkeln" den voraussichtlichen Landeort durch, eine Wiese am Schaumberg. Wenig später steigt der Ballon hinab, misstrauisch beäugt von einer Herde aufdringlicher Kühe. Walter zieht es vor, eine Hecke zu überspringen, dann kommt der Ballon endgültig zum Stehen. Dann geht es ans Luftablassen und das gemeinsame Wegräumen der Ballonhaut.

Bevor jetzt jemand noch auf die Idee käme, wehmütig zu werden, wird mit einem Bier auf die gemeinsame Fahrt angestoßen. Die drei Ballonpioniere werden jetzt noch, ebenfalls mit Bier , getauft. Gabi hat sich für jeden einen originellen Namen ausgedacht und auf eine Urkunde geschrieben, aus Sabine wird eine Baroness, aus Andreas ein Prinz. Das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, stellt sich ein. Elf Kilometer weit ist die Gruppe heute über die Erde geschwebt - mit einem Ballon voll heißer Luft, wie schon die Pioniere im Jahre 1783.

heissluftballon-team-saar.de

Produktion dieser Seite:

Elke Jacobi

Matthias Zimmermann