Von Benachteiligungen und Chancen

Von Benachteiligungen und Chancen

Die Gemeinschaftsschulen in Freisen und in Theley sollen in der gymnasialen Oberstufe mit anderen Schulen zusammenarbeiten, die schon eine eigene Oberstufe haben. Für dieses Modell der kooperierenden Oberstufen hat sich der Kreistag mit großer Mehrheit ausgesprochen. Eine eigene Oberstufe nur für Freisen und nicht auch für Theley lehnte der Kreistag ab.

Die Schulkonferenzen der Gemeinschaftsschulen in Freisen und Theley haben Anträge gestellt, eigenständige gymnasiale Oberstufen einzurichten. Diese Anträge habe der Landkreis an das Bildungsministerium weitergeleitet mit dem Hinweis, dass man dies unterstütze. Daran erinnerte Landrat Udo Recktenwald , CDU , in der Kreistagssitzung am Montag. Dabei sei es um die Gleichbehandlung der Gemeinschaftsschulen gegangen, denn an zwei Gemeinschaftsschulen in Marpingen und Türkismühle können die Schüler das Abitur machen, in Freisen und Theley aber nicht.

In einem Brief habe Bildungsminister Ulrich Commerçon Freisen die Oberstufe zugebilligt, diese für Theley aber wegen einer zu geringen Schülerzahl abgelehnt. "Das Argument einer zu geringen Schülerzahl ist für uns nicht nachvollziehbar", sagte Recktenwald. Theley habe so viele Schüler wie das Cusanus-Gymnasium in St. Wendel . Eine eigene Oberstufe in Theley sei eine Chance. Recktenwald: "Aus meiner Sicht verschärft der Vorschlag des Ministers die Ungleichbehandlung und bedeutet den schleichenden Tod für Theley." Und weiter: "Unser Anliegen bleibt die Gleichbehandlung . Wenn es keine eigenen Oberstufen an beiden Schulen gibt, dann nun Oberstufenverbünde."

"Wir stimmen mit der Analyse des Landrates eins zu eins überein", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Spaniol. Die Prämisse der CDU sei die Gleichbehandlung der Schulen. Diese werde durch den Vorschlag des Ministers ausgehebelt. Spaniol: "Wir wollen keine weiteren Verwerfungen." Er sei verwundert, wenn der Minister schreibe, aufgrund zu geringer Schülerzahlen komme eine eigenständige Oberstufe in Theley nicht in Frage. Es sei keine Zahl bekannt, welche Schülerzahl man für eine Oberstufe brauche. Auch fehle die Prognose für die Zukunft, wie sich die Schülerströme entwickeln würden, wenn die Oberstufe in Theley eingerichtet würde. Jetzt führe der Weg über Oberstufenverbünde, so der CDU-Politiker.

Vom "Tag der Wahrheit" sprach SPD-Fraktionsvorsitzender Magnus Jung . Jetzt zeige sich, was das Wort wert sei, das man in der Vergangenheit gegeben habe. Die Position der SPD : Freisen erhält eine vollständige Oberstufe, Theley kooperiert. Mit dieser Entscheidung habe man es sich nicht leicht gemacht. Die SPD-Fraktion habe vor Jahren noch gewarnt, überall Oberstufen einzurichten. Doch hätten sich die Sachverhalte geändert. In Freisen hätten sich die Schülerzahlen so entwickelt, dass es eine eigene Oberstufe geben könne, in Theley sei das nicht der Fall. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Frage der Gleichbehandlung das alles Bedeutende sei. Jung: "Schulentwicklungsplanung muss sich an den Fakten orientieren, nicht an dem, was wünschenswert ist."

Lars Schlaup (Grüne) erinnerte an die Gespräche, die die SPD bei der Gemeinschaftsschule Primstal geführt habe. Damals habe man davon gesprochen, dass man der Schule eine Chance geben müsse. Wenn dies nun nicht für Theley gelte, "ist dies eine Benachteiligung, die ich nicht nachvollziehen kann." Schlaup: "Ich habe ein Problem, wenn Theley nicht gleichgestellt wird." Als ein Elternsprecher der Theleyer Schule fühle er sich befangen, deshalb werde er sich bei der Abstimmung enthalten.

"Es darf kein Nachteil für eine Schule geben", sagte Christof Falkenhorst (Linke). Wie viele Kinder aus der Gemeinde Tholey fahren nach Marpingen?, fragte er. Dort können diese das Abitur vor Ort machen.

Der Vergleich der Gemeinschaftsschule Theley mit dem Cusanus-Gymnasium sei so, als ob man Äpfel mit Birnen vergleiche, sagte in der Debatte Magnus Jung . Das Gymnasium sei eine Schule, bei der alle das Abitur machen wollten.

Es gebe wenig Konkurrenz zwischen Freisen und Theley, so ein weiteres Argument von Jung. Er könne nicht einsehen, warum sich die Entwicklung in Freisen auf Theley negativ auswirken würde. Es stecke wohl eher die Auffassung dahinter, "wenn Theley die Oberstufe nicht kriegt, dann kriegt sie Freisen auch nicht", behauptete der SPD-Politiker.

Dem widersprach der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Spaniol. Es gebe schon eine Wettbewerbssituation, beide Schulen würden um Schüler aus Namborn und Oberthal werben, wo es keine weiterführende Schule mehr gibt.

Den SPD-Antrag lehnte der Kreistag nach einstündiger Diskussion mit 16 Stimmen von CDU und Linkem gegen acht der SPD ab. Lars Schlaup enthielt sich wie angekündigt. Der CDU-Antrag zu kooperierenden Oberstufen wurde dann mit 16 zu acht Stimmen bei einer Enthaltung angenommen.

Die Schule in Freisen muss erweitert und modernisiert werden. Auch wenn es keine eigenständige Oberstufe gibt. Foto: Schneider. Foto: Schneider

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HintergrundKooperierende Oberstufen: Das bedeutet, dass die Schüler in der Klassenstufe 11 noch an der jeweiligen Gemeinschaftsschule unterrichtet werden. In den Klassenstufen 12 und 13 arbeitet die Schule mit einer anderen zusammen, die schon eine eigene Oberstufe hat. Das könnte für Theley und Freisen das berufliche Oberstufengymnasium in St. Wendel sein, muss es aber nicht. Einzelne Kurse in 12 und 13 könnten auch an der "alten" Schule gehalten werden. Bei einer eigenständigen Oberstufe hingegen bleiben die Schüler in den Klassenstufen 11 bis 13 an ihrer bisherigen Schule und legen dort das Abitur ab. Möglich ist dies zurzeit im St. Wendeler Land an den beiden Gemeinschaftsschulen in Marpingen und Türkismühle.Investitionen: Die Gemeinschaftsschule Freisen ist zu klein. Für die Erweiterung und Sanierung der Schule rechnet der Landkreis mit einem Investitionsbedarf von zwei Millionen Euro. Würde eine eigene Oberstufe eingerichtet, so müsse man weitere 3,5 Millionen Euro in den Ausbau der Schule investieren, sagte Landrat Udo Recktenwald während der Kreistagssitzung. vf