Wallfahrtswoche in St. Wendel: Vom Loslassen und dem Handyklingeln

Wallfahrtswoche in St. Wendel : Vom Loslassen und dem Handyklingeln

Meditative Pilgerwanderung und Gottesdienst mit Tholeyer Abt waren Teile der Wallfahrtswoche in St. Wendel.

Eine Kerze brannte, ein Teelicht flackerte und daneben lagen eine Jakobsmuschel und gebastelte Armbänder für die Teilnehmerinnen der meditativen Pilgerwanderung auf dem Boden im Altarraum der Wendelinus-Basilika. „Durch das Anlegen der Armbänder sind wir alle auf dem Pilgerweg verbunden“, sagte Anne Kessler, die gemeinsam mit Anne Geiger den Pilgergang zur Wendelinus-Wallfahrtswoche am Samstag organisiert hatte. Zunächst erteilte Pastor Klaus Leist der weiblichen Gruppe vor der 13 Kilometer langen Tour über den Wendelinus-Pilgerweg  den Segen. „Unterwegs setzen wir Impulse um das Thema ‚Gemeinschaft macht stark’, denn wir sind eine Wegegemeinschaft“, erklärte Anne Geiger.Wer pilgere, gehe heraus und verlasse die Pflichten und Zwänge des Alltags, öffne seine Sinne und konzentriere sich auf das Wesentliche.

Erste Station für die 15 Fußwallfahrerinnen war die St. Wendeler Wendelskapelle unweit des Missionshauses, wo Kessler über das Leben des Einsiedlers Wendelin berichtete. Anne Geiger zitierte Papst Johannes XXIII. (1881 bis 1963), dem die Verfassung der „Zehn Gebote der Gelassenheit“ zugeschrieben werden. „Nur heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben, ohne alle meine Probleme auf einmal lösen zu können“, trug Geiger den Leitsatz „Leben“ vor. Trotz des tristen Wetters sangen die Frauen gemeinsam „Danke für diesen guten Morgen“. Der weitere Weg führte sie vorbei an der Missionshauskirche, dem Wendelinushof und über Urweiler wieder zurück nach St. Wendel.

In der Basilika zelebrierte am Sonntag der Tholeyer Abt Mauritius Choriol, ein Nachfolger des heiligen Wendelin, vor den 250 Gläubigen das Pontifikalamt. Der Legende nach hätten Mönche den Stadtheiligen wegen seiner Frömmigkeit zum Abt des Klosters in Tholey gewählt, ohne dass er je Priester gewesen wäre. „Der Heilige Wendelin ist das Bindeglied zwischen St. Wendel und der Abtei Tholey“, stellte der Abt in seiner Predigt fest. Im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts sei das Interesse an der Wallfahrt gering gewesen. „Allerdings hat sich das in zurückliegenden Jahren geändert“, freute er sich. Kurz sprach Mauritius Choriol die schnelllebige Zeit mit den modernen und allgegenwärtigen Medien an, wo die Menschen Angst haben, dass sie was verpassen. „Es fällt den Menschen schwer, sich zu konzentrieren, weil sie auf jeden Klingelton des Smartphones sofort reagieren“, sagt der Abt. Wendelin habe sich dagegen Dingen in besonderer Weise intensiv zugewandt. „Die Suche und die Sehnsucht nach Gott hat sein Leben bestimmt“, so Mauritius Choriol. So berühre Wendelin die Herzen und den Glauben bei den Menschen. „Inspiriert durch ihn lassen sich die Menschen während der Wallfahrt auf Gottes Spuren führen“, betonte der Abt.

Am Schrein des heiligen Wendelin  sind  Abt Mauritius Choriol (vorne) und Pastor Klaus Leist zu sehen. Foto: B&K/Bonenberger/

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