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Volleyball-Zweitligist TV Bliesen unterliegt Spitzenreiter Karlsruhe 1:3

Ärger um Schiedsrichter-Entscheidungen : Doppelter Frust bei Bliesens Volleyballern

Die Zweitliga-Volleyballer des TV Bliesen haben trotz furiosen Beginns ihr Heimspiel gegen den neuen Spitzenreiter Karlsruhe mit 1:3 verloren. Umstrittene Schiri-Entscheidungen sowie die corona-bedingte Gesamtlage lassen Ärger hochkochen.

Der Frust war groß: Nach der 1:3-Heimniederlage gegen die Baden-Volleys SSC Karlsruhe saßen die Volleyballer des TV Bliesen am Samstag mit gesenkten Köpfen auf der Auswechselbank oder direkt dem Boden. Aufmunternden Applaus vom Publikum gab es keinen – denn es waren ja keine Zuschauer erlaubt. Und so sah das Sportzentrum St. Wendel, wo der TV seine Heimspiele austrägt, etwas anders aus als gewohnt: Die ausziehbare Tribüne war nicht ausgefahren worden, da dort eh niemand sitzen durfte. Stattdessen waren dort, wo sonst die Fans sitzen, Werbebanner platziert – damit sie für die Fans sichtbar waren, die die Partie zu Hause im Live-Stream verfolgten.

Richtig angefressen war nach dem Spiel vor allem Bliesens Trainer Burkhard Disch – und das nicht nur wegen der Niederlage, sondern auch wegen der corona-bedingten Gesamtsituation. Mit der Einstufung der semi-professionellen 2. Liga als Profi-Liga (nur deshalb darf der Club aktuell spielen), kann der Verein immer schlechter leben: „Wir können hier nicht von Profisport reden, auch wenn wir sehr ambitioniert sind“, sagte der Übungsleiter.

Ein Auszug aus der langen Liste der Probleme: „Wir mussten heute auf Maurice van Landeghem verzichten, weil er gerade in Quarantäne ist. Johannes Klotz kam gerade aus der Quarantäne und konnte vor der Partie nur einmal trainieren“, berichtet Disch. „Sandy Schuhmacher hatte die Woche nur eine Trainingseinheit, weil er bei der Polizei Doppelschichten fahren muss. Zudem fehlt Max Jungmann.“ Der Leistungsträger entschied sich dazu, während des Lockdowns zu pausieren.

Einen fairen Wettbewerb sieht Bliesens Trainer nicht mehr. „Wir haben gegen den neuen Tabellenführer den ersten Satz mit 25:17 gewonnen. Daran sieht man, was möglich wäre, wenn wir mal komplett wären – und wir das Publikum im Rücken hätten.“

Die vom Übungsleiter angesprochenen Probleme traten nach dem Gewinn des ersten Satzes zutage. Der 50-Jährige hatte den Gegner mit personellen Rochaden überrascht. Unter anderem spielten zwei Außenangreifer auf neuen Positionen: Phil Freere wurde zum Libero umfunktioniert, Steve Weber agierte in der Annahme. Das funktionierte zunächst prächtig. Zudem gelangen Bliesen, vor allem am Satzende, immer wieder spektakuläre Blockpunkte. „Das Konzept ist da voll aufgegangen“, freute sich Disch.

Doch als Karlsruhe sich im zweiten Satz besser darauf einstellte, konnte Bliesen darauf nicht mehr reagieren. „Da fehlen die Optionen“, erklärt Disch. „In der Annahme hatten wir gar keine Möglichkeit, um zu wechseln.“ Dort war mit Aaron Neumann (Migräne) zu den schon erwähnten Ausfällen ein weiterer Akteur nicht einsatzbereit. Die Folge: Die Gäste sicherten sich den Satz mit 25:18.

Danach kämpfte der TV verbissen, um wieder ins Spiel zurück zu finden. Und das wäre sogar fast gelungen, doch gegen Ende des Satzes gab es einige umstrittene Entscheidungen – wie beim letzten Ballwechsel. Als Bliesens Zuspieler Philipp Sigmund, der dieses Mal wieder den Vorzug vor dem Isländer Máni Matthíasson erhalten hatte, einen Ball von Karlsruhes Johannes Mahl zum 20:24 nicht abwehren konnte, zupfte der TV-Akteur frustriert kurz am Netz.

Die Unparteiischen werteten dies als unsportliches Verhalten und zeigten Sigmund die Rote Karte. „Für so etwas habe ich auch noch nie Rot bekommen“, meinte der 27-Jährige kopfschüttelnd. Eine Rote Karte bedeutet im Volleyball, dass der Gegner einen zusätzlichen Punkt erhält – und der brachte den Gästen in diesem Fall den Gewinn des dritten Satzes.

„Wenn du in der Situation, wo es total eng ist, vier Fehlentscheidungen gegen dich bekommst, wirft dich das total aus der Bahn“, ärgerte sich Disch. Das war auch am Samstag so: Im vierten Satz gewann Karlsruhe nach engem Beginn (10:11) mehr und mehr die Oberhand und setzte sich nach einer guten Aufschlagserie von Lukas Jaeger, der zum „Mann des Spiels“ gewählt wurde, entscheidend ab. Kurze Zeit danach verwandelte der ebenfalls starke Jens Sandmeier den ersten Matchball zum 25:16 für das Team aus Baden.

Bliesen steckt nach der Niederlage weiter tief im Tabellenkeller. Was bleibt, ist die Hoffnung auf bessere Zeiten – sowohl sportlich wie bezüglich der Rahmenbedingungen. „Als Karlsruhe vor ein paar Jahren aufgestiegen ist, lief das bei denen ähnlich. Sie hatten auch in der ersten Saisonhälfte Probleme, haben dann aber doch noch den Ligaverbleib geschafft“, macht Sigmund Mut.

Disch blieb trotz allem Frust zumindest die Erkenntnis, dass sein Team ungeachtet widriger Umstände gegen den Spitzenreiter mithalten kann – und dass sich sein Team nicht unterkriegen lässt. „Das war nämlich unser bislang bestes Saisonspiel“, fand der Trainer.