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Tankstellen-Panne: Unbemerkt Wasser statt Benzin verkauft

Tankstellen-Panne : Unbemerkt Wasser statt Benzin verkauft

Die Shell-Tankstelle in St. Wendel bot am Freitag verunreinigten Treibstoff an. Unbewusst. Sechs Kunden blieben mit ihren Fahrzeugen stehen.

Jana Schmitt (Name geändert) hat den Freitag fast überstanden. Sie ist auf dem Heimweg vom Vorstellungsgespräch. Nur wenige Kilometer trennen sie von Zuhause und dem Wochenende. In St. Wendel legt die 23-Jährige noch schnell einen Stopp an ihrer Stammtankstelle ein, der Shell-Station in der Linxweilerstraße. Sie füllt Benzin für 65 Euro in den Tank ihres Audi A3 und setzt die Fahrt fort. Doch Schmitt kommt nicht weit. Gut drei Kilometer später blinkt die Motorkontrollleuchte auf. Am Ortsausgang von Urweiler versagt ihr Wagen komplett. „Lenkung, Motor, nichts ging mehr“, erzählt sie.     Schmitt bleibt mitten auf der Hauptstraße stehen. Anwohner helfen ihr, das Auto zur Seite zu schieben.

Die junge Frau ruft beim Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) an. „Wegen des Unwetters habe ich dort zunächst niemanden erreicht“, berichtet sie. Es dauert drei Stunden, bis der Abschleppdienst da ist. „Ich dachte, ich habe unbewusst Diesel getankt. Anders konnte ich mir das nicht erklären. Mein Auto ist gerade mal acht Monate alt und am Morgen bin ich damit noch über 100 Kilometer gefahren.“ Der ADAC-Mitarbeiter bezweifelt diese Theorie. Wie    Schmitt am darauffolgenden Tag erfährt, hat er am Freitagabend noch vier weitere Fahrzeuge im Umkreis von St. Wendel abgeschleppt. Das Merkwürdige: Alle Fahrer gaben an, vorher bei Shell getankt zu haben. In der Werkstatt stellt sich heraus, dass Wasser den Motor wortwörtlich zum Absaufen gebracht hat. „Mir wurde gesagt, dass mein Benzin nur zu fünf Prozent aus Treibstoff und zu 95 Prozent aus Wasser bestand“, sagt die 23-Jährige.

Shell-Deutschland bestätigt auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung, „dass sich am Freitag Kunden an der Station in St. Wendel gemeldet haben, deren Fahrzeug nach der Betankung liegen geblieben ist“. Als Grund hätten die Betroffenen eine Verunreinigung des Kraftstoffes angegeben. Insgesamt würden derzeit zwischen fünf und sechs derartiger Beschwerden vorliegen. „Wir haben am Freitag daraufhin unmittelbar die Zapfsäulen für Shell FuelSave 95 und Shell FuelSave Diesel geschlossen“, sagt Shell-Sprecherin Cornelia Wolber. Die Bodentanks seien auf freies Wasser geprüft und entwässert worden. Wie es zu der Verunreinigung kommen konnte, werde derzeit untersucht. „Ein Zusammenhang mit dem Unwetter und Starkregen liegt nahe“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Fälle, in denen Wasser statt Treibstoff in den Tank gerät, sind laut Angaben des ADAC äußerst selten – und nicht ungefährlich. Da sich die beiden Flüssigkeiten nicht vermischen und noch ein gewisser Rest Benzin/Diesel in der Einspritzanlage ist, springe der Motor eventuell noch kurz an. Weit fahren könnten Betroffene damit allerdings nicht. „Das Wasser sinkt im Tank zu Boden und wird daher zuerst durch die Pumpe angesaugt“, erklärt ein ADAC-Sprecher. Das könne zu erheblichen Schäden führen. Die gesamte Treibstoffanlage müsse gereinigt und Filter ausgetauscht werden. „Die Einspritzanlage und Hochdruckpumpe können ebenfalls beschädigt worden sein“, sagt der ADAC-Sprecher. Die Reparatur koste im glimpflichen Fall 100 Euro, aber auch 5000 Euro und mehr seien möglich.

Wie hoch der Schaden an ihrem Audi ist, weiß Schmitt noch nicht. „Mir wurde gesagt, dass zuerst alles trocknen muss.“ Erst dann stelle sich heraus, ob der Motor noch funktioniere. Shell-Sprecherin Wolber verspricht derweil: „Betroffenen Kunden, die am Freitag bei uns getankt haben und die einen Zusammenhang zwischen dem verunreinigten Kraftstoff und dem Schaden an ihrem Auto belegen können, werden wir die entstandenen Kosten selbstverständlich erstatten.“

 Laut Shell liegen bisher zwischen fünf und sechs Beschwerden von Kunden vor. Sie gaben an, dass ihr Auto nach dem Tanken liegen geblieben ist.
Laut Shell liegen bisher zwischen fünf und sechs Beschwerden von Kunden vor. Sie gaben an, dass ihr Auto nach dem Tanken liegen geblieben ist. Foto: dpa/Oliver Berg

Doch das reicht Schmitt nicht. Sie ärgert sich weniger über die Tankpanne, sondern viel mehr über die Art und Weise, in der das Unternehmen damit umgeht. „Ich wurde sehr unfreundlich behandelt und habe keinerlei Infos bekommen, wie es jetzt weitergeht. Es heißt immer nur, die Versicherung würde sich melden“, sagt Schmitt, die mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet hat. Für sie stehe fest: Nie wieder Shell und nie wieder solch ein Freitag.