Umfrage zum Aktionstag : Viele Menschen auch ohne Auto mobil

Das zeigt eine Umfrage der SZ im St. Wendeler Land anlässlich eines Aktionstages, den es seit 1981 gibt.

Wer am Sonntag mit dem Auto unterwegs gewesen ist, könnte sich gefragt haben, warum manche Land- und Bundesstraße für Autos gesperrt und mit Radfahrern überfüllt war. Grund dafür könnte der Mobil-ohne-Auto-Tag gewesen sein, der jährlich am dritten Sonntag im Juni bundesweit stattfindet.

Doch wie viel Aufmerksamkeit bekommt der deutschlandweit größte verkehrspolitische Aktionstag im ländlich geprägten St. Wendeler Land überhaupt? Wir haben in einer nicht repräsentativen Umfrage genachgehakt, ob und wie der Aktionstag  wahrgenommen wird.

Mit dem Mobil-ohne-Auto-Tag können viele der Befragten zunächst nichts anfangen. Klaus Müller, 48 Jahre, aus Bosen hat jedoch schon einmal von dem Aktionstag gehört. Dass dieser jedes Jahr stattfindet und es Sonntag wieder so weit war, habe aber auch er nicht gewusst. Obwohl er gerade selbst auf dem Rad unterwegs ist, glaubt er nicht daran, dass der Tag etwas bezwecken kann: „Es bringt nichts, weil die Leute zu bequem sind. Da muss man die Realität sehen. Sie fahren sogar die 300 Meter zum Sportplatz mit dem Auto und die Kinder werden in die Schule gebracht, statt den Bus zu nutzen. Nur wenige können dadurch wachgerüttelt werden“, sagt Müller.

Auch der Hobbytrödler Joachim Haab, 56 Jahre, aus Hofeld-Mauschbach fragt sich, was die Aktion bewirken soll. „Es ist vielleicht ein Tag, an dem die Leute das Auto stehen lassen. Und viele sind auch gar nicht in der Lage, die Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zu bewältigen. Der öffentliche Nahverkehr ist über den Aktionstag hinaus zu teuer“, gibt er zu bedenken. Dabei hätten die beiden eine gute Busanbindung, berichtet seine Frau Ute Haab. Generell käme es bei dem Ehepaar öfter vor, dass sie auf das Auto verzichten. Doch gerade am Mobil-ohne-Auto-Tag müssten sie Ware zum Flohmarkt an den Bostalsee bringen, was ohne Wagen nicht zu bewerkstelligen wäre.

Dass generell zu wenige daran teilnehmen würden, weil der Aktionstag nicht bekannt gemacht werde, kritisieren der 20-jährige Nicolas Bard aus Überroth und die 18-jährige Alisa Jakobs aus Alsweiler. „Es gibt immer mehr junge Leute, die Auto fahren, aber von der Aktion nichts erfahren, weil es nirgends steht“, bemängelt die 18-Jährige.

Dabei sei es gerade die junge Generation, die die Aktion mit Sicherheit über den Tag hinaus annehmen würde, glaubt Alexandra Hoff aus Bosen. „Die Diskussion um den Umweltschutz kommt bei den Jüngeren eher an als bei den älteren Leuten. Erstere machen sich mehr Gedanken darüber“, findet die 45-Jährige. Stolz erzählt sie, dass sie am Mobil-ohne-Auto-Tag sogar zu Fuß zur Arbeite gehe. Das sei aber nicht immer möglich. Wäre der Aktionstag an einem Werktag, könnte sie nur teilnehmen, wenn sie Urlaub habe. „Auf dem Land ist es schwierig, da müsste die Busverbindung verbessert werden. In Eppelborn gibt’s den Eppelbus. So etwas sollte es öfter geben“, schlägt Hoff vor.

Der 29-jährige Christopher Kuhn aus Türkismühle kann sich hingegen gut vorstellen, auch während der Woche das Auto stehen zu lassen. „Wenn ich ohne Kind unterwegs bin, mache ich das. Auf der Arbeit soll eventuell auch das Job-Bike kommen. Auf meiner Strecke von Türkismühle nach St.Wendel kann ich das gut nutzen“, erklärt Kuhn. Nachhaltig für den Umweltschutz bringt ein Tag im Jahr ohne Auto seiner Meinung nach nichts. Dafür gäbe es auch zu viele andere negative Umwelteinflüsse, wie Kreuzfahrtschiffe.

Der 65-jährige Wolfgang Echternach aus Kastel hat einen Aktionstag gar nicht nötig. „Ich mache das auch ohne Aktion“, erzählt er. „Wir haben uns kürzlich E-Bikes gekauft und damit fahre ich jetzt immer nach Primstal zum Bäcker. Wenn ich das Auto nutze, versuche ich immer mehrere Wege miteinander zu verbinden, wie zum Beispiel zum Glascontainer zu fahren.“ Für ihn ist eines aber ganz klar: „Ich denke schon, dass der Aktionstag etwas bewirkt, weil einem so bewusst wird, dass es auch ohne Auto geht.“

Christopher Kuhn, 29 Jahre, aus Türkismühle. Foto: Marie Barra
Wolfgang Echternach, 65 Jahre, aus Kastel. Foto: Marie Barra
Hobbytrödler Ute und Joachim Haab diskutieren mit Walter Schug (Mitte) über den Mobil-ohne-Auto-Tag. Foto: Marie Barra

Im nächsten Jahr wird Mobil-ohne-Auto-Tag am 21. Juni stattfinden. Wer schon vorher bei einer autofreien Aktion mitmachen möchte, kann den morgigen autofreien Hochschultag, 19. Juni, und den Autofreien Tag am 22. September nutzen, oder wie Wolfgang Echternach ohne Anlass auf das Auto verzichten.

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