Übung mit Knalleffekten

Spektakuläre Großübung der Feuerwehr am Samstagabend in der Kreisstadt St. Wendel. 150 Feuerwehrleute und Rettungskräfte probten den Ernstfall auf einem leer stehenden Lagergelände (ehemals Firma Alsfasser) in der Jahnstraße. Durchgespielt wurde die Brandbekämpfung bei Explosionsgefahr inklusive Personenrettung.

Es ist Samstagabend 20.15 Uhr. Ein Feuerwehrmann feiert den Geburtstag seiner Oma, andere haben sich auf einen gemütlichen Abend mit der Freundin eingerichtet oder vor ihnen rollt der Fußball auf dem Bildschirm. Währenddessen beobachtet ein Passant in der St. Wendeler Jahnstraße, dass aus ungeklärten Gründen Rauch aus einem abgestellten grünen Ford Escort auf einem Lagergelände emporsteigt. Er setzt den Notruf ab. Die Einsatzleitstelle informiert die Feuerwehren in St. Wendel . Aus dem freien Samstagabend für die Brandschützer wird nichts, ihr "Piepser" meldet einen Einsatz.

"Es sind nur die Organisatoren über die Übung informiert, die Wehren müssen von einem Ernstfall ausgehen", sagt Feuerwehr-Pressesprecher Dirk Schäfer. Es ist eine fiktive Übung mit realistischem Bezug, beschreibt Schäfer die Dramaturgie des Szenarios.

Pyrotechnik im Einsatz

 Ein Dummy mimte das Opfer, das hier versorgt wurde. Fotos: Faber
Ein Dummy mimte das Opfer, das hier versorgt wurde. Fotos: Faber
 Die Wehrleute löschten auch von der Drehleiter aus.
Die Wehrleute löschten auch von der Drehleiter aus.
 Rund um das Übungsgelände erschwerte Rauch die Sicht.
Rund um das Übungsgelände erschwerte Rauch die Sicht.

Als die Einheit der Kernstadt eintrifft, beginnt das Spektakel mit einem ohrenbetäubenden Knall. Der Ford Escort explodiert und geht in Flammen auf. Es heißt Wasser marsch, um den Brand auf die nebenstehenden Lagerhallen einzugrenzen. "Da alles sehr authentisch wirken soll, wird zur Darstellung der Übungsabschnitte Pyrotechnik eingesetzt", teilt Schäfer mit.

Der Brand greift auf die Lagerhallen über, Lackfässer explodieren. Gegen 20.40 Uhr wird die Einsatzleitung aufgebaut. Dort laufen die Drähte heiß. Es werden Informationen gesammelt, Gefahrenpotenziale eingeschätzt, konkrete Maßnahmen festgelegt und nachalarmiert. Neben den 13 St. Wendeler Wehren rückt der Löschbezirk Oberthal-Gronig aus und besetzt zur Sicherheit die Rettungswache am St. Floriansweg. "Wir wollen ein Großschadensereignis simulieren, es ist deshalb die größte Übung, die wir in derartigem Ausmaß durchführen", ergänzt der Feuerwehrsprecher. Für den Durchgangsverkehr ist die Jahnstraße längst gesperrt, Rund 30 Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge säumen die Straße, Rauchwolken steigen in den Himmel, dutzende Helfer wuseln hektisch umher. "Die Schwierigkeit ist nun die Koordination der Einsatzkräfte und die Löschwasserbeschaffung sicherzustellen", sagt Schäfer. Dazu wird eine Schlauchleitung zur Blies verlegt.

Nächste Schwierigkeit: Der Brand greift rasch um sich. Wasser marsch aus allen Richtungen und vom Korb der Drehleiter aus. Der angeforderte Gerätewagen Atemschutz des Löschbezirks Hasborn-Dautweiler rückt an, die Atemschutzsammelstelle ist eingerichtet. Mittlerweile haben die Brandschützer die Flammen im Griff, doch das Verwaltungsgelände ist von einer Rauchglocke umschlossen. "Im Gebäude befindet sich noch eine Person", meldet die Einsatzleitung über Funk. Sofort läuft an der Unglücksstelle die Suche nach dem Vermissten an, Atemschutzträger tasten sich im völlig vernebelten Gebäude vor. Aufatmen bei den Helfern. "Person in der Toilette aufgespürt", meldet der Atemschutztrupp.

Das Rote Kreuz kann kurz darauf den Geretteten in Empfang nehmen und medizinisch versorgen. Bei dem Opfer handelt es sich um einen Dummy (lebensgroße Puppe).

21.25 Uhr: Die Feuerwehr hat die Lage vollständig im Griff. "Schwerpunkt der Übung war das Zusammenspiel der Hilfsorganisationen. Wenn 150 Helfer im Einsatz sind, muss das exakt koordiniert werden", meint Schäfer.

Um 21.45 Uhr ist Feierabend. "Teil zwei der Übung ist die Nachbearbeitung, damit die richtigen Rückschlüsse gezogen werden können. Die Erfahrungen fließen in die Alarm- und Einsatzpläne ein", erklärt er. Die Gesamtleitung während der Großübung hatte die Wehrführung der Kreisstadt St. Wendel . Zur Videoaufzeichnung der Feuerwehr-Großübung wurde eine Drohne eingesetzt. Kurz vor Beendigung der Übung ging dem kleinen unbemannten Flugkörper der Sprit aus, der Akku war leer und die Drohne musste zur Notlandung auf einem Vordach des Verwaltungsgebäudes ansetzen. So kam die Drehleiter der Feuerwehr zum Einsatz. Der Korb wurde ausgefahren und die Drohne von einem Wehrmann eingesammelt.