Sterneküche macht Schule: TV-Koch und Schüler rocken die Küche

Sterneküche macht Schule : TV-Koch und Schüler rocken die Küche

Gesundes Essen und Spaß in der Küche – dafür setzt sich Sternekoch Stefan Marquard ein. Jetzt war er einen Tag am Cusanus-Gymnasium zu Gast.

 Laurenz Riedschy steckt bis zu den Ellbogen in den Kartoffeln. Unzählige Knollen hat er an diesem Morgen schon geschält und geschnibbelt. „Wir müssen Eimer benutzen, weil wir keine Töpfe haben, die groß genug sind“, erzählt der Siebtklässler stolz. Er ist dem Salat-Team zugeteilt. Ebenso wie Evelin Medvedev und Inês Moreira. Die beiden Schülerinnen sind für die Soße verantwortlich. Vorsichtig schütten sie ein paar Tropfen Essig in eine riesige Schüssel. „Kommt traut euch, haut alles rein“, ertönt die Stimme des Küchenchefs. Der große Mann mit Jeans, schwarzer Kochjacke und Stirnband greift nach der Flasche und kippt sie mit einem Mal in das Behältnis. Evelin und Inês schauen ihren Mentor ungläubig an. „Wer für 100 Personen kochen will, braucht eben große Mengen“, erklärt der Sterne- und TV-Koch Stefan Marquard.

Er hat heute das Kommando in der Küche des Cusanus-Gymnasiums in St. Wendel übernommen. Sein Ziel ist es, gemeinsam mit den Schülern ein leckeres, gesundes und frisches Essen zuzubereiten. Auf der Speisekarte stehen: Tomatenrisotto mit Hühnerfrikassee und Rosenkohl, Kartoffel-Endiviensalat mit Speck und gebratenem Tintenfisch sowie Griesflammerie mit Pflaumenkompott. „Viele Schulen bekommen ihr Essen von einem Caterer. Mit unserer Aktion wollen wir erreichen, dass sie öfter selbst kochen“, sagt Marquard. Wichtig ist dem 53-Jährigen dabei vor allem, die Kinder mit einzubeziehen. „Es wäre schön, eine Generation großzuziehen, die wieder kochen kann.“ Damit das gelingt, hat Marquard ein Geheimrezept, bestehend aus zwei Zutaten: Spaß und Verantwortung. „Man muss die Kleinen möglichst viel selbst in der Küche machen lassen. Die schaffen das schon.“

Inês und Evelin haben ihre Soße fast fertig gemixt. „Es kommt auf die vier Elemente an. Süß, sauer, salzig, scharf. Wenn man all das rausschmecken kann, ist die Soße perfekt“, erklärt Inês. Zufrieden präsentieren sie dem Küchenchef ihr Werk. Der schnappt sich einen Löffel, probiert und verzieht das Gesicht. „Die ist viel zu sauer“, kommentiert er das Ergebnis und rät: „Gebt noch etwas Zucker dazu.“

Bisher haben der TV-Koch und sein Team schon an mehr als 15 Lehranstalten Station gemacht. „Sterneküche macht Schule“ nennen sie das Projekt in Zusammenarbeit mit der Krankenkasse Knappschaft. „Die Kinder sind meist motiviert bis unter die Haarspitzen“, berichtet Marquard von seinen Erfahrungen. Doch was die Küchenausstattung angeht, gebe es große Unterschiede. „Manchmal fehlt es an dem passenden Geschirr, einige Schulen haben nicht mal die Standard-Gewürze vorrätig.“ Die Küche des Cusanus-Gymnasiums sei klein, aber fein. Glücklich ist Marquard vor allem darüber, dass noch kein Schüler mit einer Maggi-Flasche vor ihm stand. Denn der hat in seinen Gerichten nichts verloren. „Aber ich mag das Geräusch, wenn Maggi aus der Flasche tröpfelt“, gibt Marquard zu und lacht.

Um kurz vor 12 Uhr wird es dann noch einmal stressig. Zwölf Kinder wirbeln umher. Die einen räumen das dreckige Geschirr zur Seite, die anderen suchen verzweifelt nach einem Schneebesen und das Salat-Team ist in den letzten Zügen. Inês und Evelin schütten ihre Soße in den Eimer mit den Kartoffeln. Laurenz mischt einmal kräftig durch. Dann der Test. „Ganz ehrlich, es gibt Köche, die bekommen nach zehn Jahren keinen so guten Kartoffel-Endiviensalat hin“, lobt Marquardt. Und auch Schulleiter Martin Wagner ist begeistert. „Uns ist es wichtig, dass gesund gekocht wird. Und den Kindern hat die Arbeit in der Küche großen Spaß gemacht“, sagt er. In Zukunft möchte er dafür sorgen, dass in seiner Schule vermehrt frische Gerichte auf den Tisch kommen. „Wir haben heute einiges dazu gelernt“, resümiert Wagner.