Tolle Plattform für Jazz-Musiker

Tolle Plattform für Jazz-Musiker

Eine abgespeckte Big-Band, lyrische Geschichtenerzähler und ein Quartett mit experimentellen Gratwandlern: Drei völlig unterschiedliche Formationen gastierten während des 29. Weihnachtsjazzkonzerts im voll besetzten Alsfassener Kulturzentrum.

Jazzmusiker fühlen sich seit fast drei Jahrzehnten am zweiten Weihnachtstag in St. Wendel wohl. Der Jazzförderkreis (JFK) schafft in jedem Jahr bei seinen Weihnachtskonzerten im Kulturzentrum Alsfassen eine einzigartige Atmosphäre, die mitunter den Besucher in einen Jazzclub versetzt. "Das liegt an den Musikern", entgegnet der JFK-Vorsitzende "Ernesto" Urmetzer. Die Veranstaltung sei ein Selbstläufer geworden. Das rührt her von der Liebe zum Jazz, die der JFK und die aufspielenden Musiker leben.

Das Kai-Sommer-Trio und Gäste präsentieren Swing der 1940/50er-Jahre. In einer abgespeckten Big-Band-Formation frönen Sommer und Co. der Musik des swingenden Pianisten Count Basie, arrangiert für drei Bläser und modern interpretiert. "Da sind Up-Tempo-Nummern und Balladen dabei", sagt Sommer. Bei "Lady be good" spielt das Flügelhorn von Helmut Becker die Hauptrolle, mit der Basies-Erkennungsmelodie "One o'clock jump" beenden die Musiker ihre Verneigung vor dem großen Big-Band-Leader.

Ausschließlich eigene Kompositionen mit Einflüssen aus dem modernen amerikanischen Swing und Jazz bilden mit komplexen Rhythmen das Programm des Duchow-Ohlmann-Newtetts. "Es ist schon lyrisch, mit etwas Rock und Pop, wir wollen auch niemanden kopieren", sagt der Tholeyer Pianist Pascal Ohlmann. Ihre Interpretationen sind meist sehr verspielt, ruhig mit dem Hang zur liedhaften Melancholie. Im Werk "Seven P.M." erzählt das Quartett eine Geschichte, die von einem Teil des Aufwachens handelt. "Das Stück atmet, es hat schon etwas Persönliches", so Ohlmann.

Der aus Münchwies stammende Schlagzeuger Daniel Weber hat einst in der Landesschüler-Big-Band und beim Big-Band-Projekt Urknall musiziert. Seine aktuelle Band Weber's Hebel wurde in Bern gegründet. "Wir werden die Zuhörer schon ein bisschen wach rütteln", kündigt er vor dem Auftritt an. "Wir sind schon von Steve Coleman beeinflusst", lässt der Bandleader durchblicken. Inspiriert von Erlebtem erzählen Weber's Hebel mit Eigenkompositionen wie "Mister Wright" Geschichten, in denen jedes Instrument viel zu sagen hat. "Das Weihnachtskonzert ist eine tolle Plattform, um etwas Neues auszuprobieren", lobt Weber die Veranstaltung.

Hinweis: Am Donnerstag, 28. Januar um 20 Uhr, spielt die Formation Echoes of Swing im Kurhaus Harschberg.

wndjazz.de

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