Tobias Blum startet beim Globus-Marathon in St. Wendel

Olympia-Hoffnung Tobias Blum am Start : Beim St. Wendeler Marathon will er gewinnen

Die saarländische Olympia-Hoffnung Tobias Blum startet beim Lauf in der Kreisstadt. Die Strecke hat er sich schon angesehen.

Als Kind hält sich sein Ehrgeiz in Grenzen. Beim Fußballspielen steht Tobias Blum im Tor, um sich nicht bewegen zu müssen. Die Lauferei auf dem Feld ist nicht so sein Ding. Das Schwimmtraining schwänzt er gerne mal. Der Junge geht’s lieber gemütlich an. Im Wasser Bahnen zu ziehen, ist ihm zu anstrengend. „Ich war echt faul“, gibt der 24-Jährige heute zu.

Blum ein Bewegungsmuffel? Schwer vorstellbar. Immerhin zählt der Saarbrücker inzwischen zu den Top-Langstreckenläufern in Europa. Er absolviert 18 Trainingseinheiten pro Woche, legt dabei weit mehr als 150 Kilometer zurück und gönnt sich auch an den Wochenenden keine Pause. An seinen letzten freien Tag, gesteht Blum, könne er sich schon gar nicht mehr erinnern.

Vom Couch-Potato zum Profisportler – wie kann das gehen? „In der vierten Klasse musste ich an den Saarländischen Schullaufmeisterschaften teilnehmen“, erzählt der Athlet vom Beginn seiner Karriere. Dabei sei er unerwartet Vierter geworden und habe seinen Trainer Franz-Josef Reinhard kennengelernt. Der überzeugte ihn, Mitglied bei der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal zu werden. Da der Schüler aber immer noch keine Lust aufs Laufen hatte, fing er mit Zehnkampf an, ehe er zum Mehrkampf wechselte. Reinhard habe ihm zunächst die Grundlagen der Leichtathletik beibringen wollen.

Das Konzept des Trainers ging auf: Mit 16 Jahren qualifizierte sich Blum für die Deutsche Meisterschaft (DM) im Mehrkampf. Er landete auf dem elften, ein Jahr später auf dem 13. Platz. „Das war nicht schlecht. Aber ich habe es auch nicht geschafft, ganz vorne mitzumischen“, räumt der Sportler ein. Sein Trainer wusste, woran das lag. Er stellte fest, dass seinem Schüler für die kurzen Strecken die Schnelligkeit fehlte. Für die langen Distanzen aber verfügte Blum über genug Kraft-Ausdauer. Schritt für Schritt offenbarte sich nun sein Talent auf der Langstrecke. Mit 17 Jahren packte ihn endgültig das Lauffieber. Infiziert hatte er sich bei einem Wettkampf im Saarland, bei dem er gezwungenermaßen über die Zehn-Kilometer-Distanz starten musste. „Ich wollte damals fünf Kilometer laufen, hatte aber meinen Chip verloren“, erinnert sich Blum. Nachmeldungen über diese Strecke seien nicht mehr möglich gewesen. Also absolvierte er die 10 000-Meter – in 48 Minuten. „Ich habe gelitten, aber es hat mir auch viel Spaß gemacht“, berichtet der Top-Athlet.

Mit 21 Jahren lief er seinen ersten Halbmarathon. In Bad Liebenzell (Schwarzwald) gewann er die U23-DM in einer Zeit von 1:05:35 Stunden. 2017 belegte er den ersten Platz bei der Cross-DM. Im selben Jahr endete die Deutsche Meisterschaft über 10 000 Meter auf der Bahn für Blum mit einem zweiten Platz und einer neuen Bestzeit von 29:32 Minuten. Bei der U23-Europameisterschaft im polnischen Bydgoszcz erkämpfte er sich den sechsten Rang in einer Zeit von 29:54 Minuten. Zudem ergatterte er einen Platz im Bundeskader. „Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass der Traum von Olympia gar nicht so unrealistisch ist“, sagt Blum.

Er wechselte zum LC Rehlingen, zog um ins Haus der Athleten an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken und setzte sich ein neues Ziel: Tokio 2020. Obwohl sein Trainingspensum seitdem noch höher ist, mache ihn jede Einheit glücklich. „Man schnürt seine Schuhe, geht raus in die Natur und lässt die Sorgen zu Hause“, beschreibt der 24-Jährige seine Faszination fürs Laufen. Und diese Begeisterung wirkt sich auch auf seine Leistung aus.

2018 gewann er auf Anhieb den renommierten Köln-Marathon in einer Zeit von 2:16:55 Stunden. Obwohl er zuvor noch nie einen Wettkampf über diese Distanz bestritten hatte. Seitdem steht für ihn fest: „Über diese Strecke kann ich es zu den Olympischen Spielen schaffen.“ Er traue es sich zu, die noch nicht feststehende Quali-Zeit (2:14:00 Stunden waren es für Rio) zu schaffen. Bevor Blum die in Angriff nehmen wird, will er allerdings noch die EM-Norm auf der 10 000-Meter-Strecke knacken. Neben diversen Trainingslagern dient dazu auch der 13. internationale Globus-Marathon in St. Wendel zur Vorbereitung. „Ich freue mich unglaublich darauf, dort meinen ersten Marathon im Saarland laufen zu können“, sagt Blum. Denn in der Kreisstadt habe er schon viele tolle sportliche Erfahrungen gesammelt. „Ich bin dort mal Süddeutscher Meister im Dreisprung geworden“, erinnert er sich.

Auch beim Marathon möchte er ganz oben auf dem Treppchen stehen. „Ich will gewinnen“, stellt der Sportler klar. Doch er gibt auch zu, dass das nicht einfach wird. Sein größter Konkurrent sei Vorjahres-Sieger Alexander Bock. „Wir trainieren täglich zusammen und er ist richtig gut drauf“, weiß Blum. Während sein Fokus derzeit noch auf der 10 000-Meter-Distanz liege, bereite sich Bock explizit auf den Lauf in St. Wendel vor. „Das wird ein interessanter Wettkampf. Ab Kilometer 35 wird es für mich wohl schwieriger als für Alex. Da muss ich mich anstrengen“, gesteht Blum.

Die Strecke habe er sich schon angesehen und dabei das Stück an der Felsenmühle als schwierigsten Abschnitt ausgemacht. „Da laufen wir die Trasse runter und die Strecke macht so einen Schlenker. Da muss man ein bisschen aufpassen“, erklärt er. Ansonsten würde die abwechslungsreiche Streckenführung beste Voraussetzungen für ihn und das restliche Läuferfeld bieten. Der Top-Athlet ist auch gespannt, wie sich die Hobbysportler bei dem Event schlagen werden. „Vor ihnen habe ich großen Respekt“, sagt er. Berufstätig zu sein und nebenbei noch für einen Marathon zu trainieren, sei eine beachtliche Leistung.

Apropos Leistung. In welcher Zeit will Blum denn in der Kreisstadt die Ziellinie überqueren? „Ich habe mir da kein Limit gesetzt. Ich werde so laufen, dass es sich gut anfühlt“, erklärt der Saarbrücker. Der will den Marathon in St. Wendel genießen. Denn die Läufe, die danach anstehen, werden ihm alles abverlangen. Dann gehe es schließlich um die Olympia-Qualifikation.

42,19 Kilometer unter 2:14:00 Stunden zu laufen, das ist Blums Ziel für Tokio – für den Höhepunkt seiner Karriere. Denn: „Danach ist mit dem Laufen Schluss“, hat er sich fest vorgenommen. Irgendwann müsse man den Absprung schaffen und etwas Neues beginnen. „Ich habe mein Studium fast fertig und freue mich jetzt schon darauf, ins Berufsleben einzusteigen“, sagt der angehende Wirtschaftsingenieur. Und damit sich dann nicht wieder die Faulheit aus Kindertagen einschleicht, hat Blum auch schon einen Plan: „Nach der Laufkarriere werde ich mit Triathlon anfangen.“ Wie sein großes Vorbild Jan Frodeno.

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