Tierheim-Vertrag soll auch Linxweilerhof vor Pleite retten

Tierheime : Tierheim-Vertrag soll auch Linxweilerhof vor Pleite retten

22 Gemeinden sowie die Landkreise St. Wendel, Neunkirchen und der Saarpfalz-Kreis machen an die 140 000 Euro pro Jahr für Tierheime locker.

Der Hilferuf war dramatisch. Die Verantwortlichen des Tierheims Linxbachhof befürchteten das Schlimmste: die Insolvenz. Demnach wurde mehr ausgegeben als eingenommen. Sparpotenzial sah die Leitung auf Grund der Pflichtaufgaben nicht mehr. Wenn das Aus der Einrichtung verhindert werden soll, müsse die Politik einspringen, lautete eine Forderung Mitte 2016.

Dem sind die Landkreise St. Wendel, Neunkirchen, der Saarpfalz-Kreis und mit ihnen die dortigen 22 Städte und Gemeinden jetzt nachgekommen. Mit einem Gemeinschaftsvertrag wollen sie in einem gemeinsamem Kraftakt die beiden Tierheime im Einzugsgebiet - in Homburg und im St. Wendeler Stadtteil Niederlinxweler - retten. Darüber informierten die drei Landräte am Mittwoch.

Die Details: Jeder Landkreis gibt freiwillig jeweils 10 000 Euro pro Jahr. Die Kommunen stellen gleichzeitig bis zu 30 Cent pro Einwohner bereit. Das bedeutet: Bei rund 367 900 Einwohnern kommen an die 110 000 Euro zusammen. Summa summarum läppert sich das auf 140 000 Euro zusammen, die den Tierheimen für den Unterhalt bereitgestellt werden sollen.

Das sei indes noch nicht alles: Das saarländische Innenministerium denke darüber nach, ebenfalls einen Obolus, eine so genannte Bedarfszuweisung, locker zu machen. Über deren Höhe wurde aber noch nichts bekannt.

Die jetzt getroffene Übereinkunft soll dieses Jahr greifen. Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) kündigte unterdessen an, dass unter seiner Gesprächsleitung mit den jetzt schon beteiligten Gremien auf Kommunal- und Kreisebene fürs kommende Jahr ein Finanzierungsanschluss folgen wird.

Im Juni 2016 hatte Dirk Walter für den Linxbachhof ein düsteres Bild gezeichnet. Der Vorsitzende des Neunkircher Tierschutzvereins, für das finanziell angeschlagene Tierheim in Niederlinxweiler verantwortlich, sprach damals von einem jährlichen Defizit von bis zu 50 000 Euro bei einem Jahresbudget von bis zu 130 000 Euro. Walter dazu: "Wir leben von der Substanz."

Ähnlich dramatisch klang es 2016 beim Homburger Tierheim. Dort klaffte laut Betreiber zwischen Einnahmen und Ausgaben eine Lücker von 40 000 Euro bei einem Jahreshaushalt von 260 000 Euro. Der Insolvenzantrag wurde schon vorbereitet. Im September wurde dieses Szenario abgewendet. Homburg, Bexbach und weitere Kommunen retteten das Tierheim in Trägerschaft des Homburger Tierschutzvereins mit Einmalspenden.

Die Gemeinden sind im Übrigen dafür zuständig, herrenlose Tiere unterzubringen. Es handelt sich dabei nicht um eine Aufgabe der Landkreise. Dennoch beteiligen sich St. Wendel, Neunkirchen und Saarpfalz (Homburg) an dem Projekt. Als Vorbild gilt der sogenannte Konsortialvertrag, wie ihn die Landkreise Saarlouis und Merzig-Wadern mit dem Dillinger Tierheim eingegangen sind. Hier schießen die Gemeinden 90 Cent pro Einwohner bei. Offen ist zurzeit noch, ob es im Regionalverband Saarbrücken für das Bertha-Bruch-Tierheim zu einer ähnlichen Lösung kommt. An den aktuellen Verhandlungen waren auch der Landestierschutzbeauftragte Hans-Friedrich Willimzik und der Vorstand des Deutschen Tierschutzbundes Saar beteiligt.

Erwartungsgemäß zeigten sich die Landräte aus St. Wendel, Neunkirchen und Homburg von der jüngsten Vereinbarung überzeugt. Von einem "richtungsweisenden Modell praktizierter interkommunaler Zusammenarbeit zwischen Kreisen, Kommunen und weiterer Einrichtungen" sprach Homburgs Landratsamtschef Theophil Gallo (SPD). Insbesondere hob er "die übergreifende koordinierende Rolle der Kreise deutlich sichtbar" hervor. Sein St. Wendeler Kollege Udo Recktenwald (CDU) ergänzte, wie es in einer Pressemitteilung heißt: "Diese wichtige Vereinbarung ist (. . .) ein eindeutiges Bekenntnis für den Erhalt der beiden Tierheime." Neunkirchens Chef der Kreisverwaltung Sören Meng (SPD), der die Verhandlungen geführt hat, bekräftigte, dass damit die kommunale Seite die Arbeit der Tierheime würdige. Mit dem Vertrag "bekennt sie sich zum Tierschutz".

Von einem "ersten Schritt zur Existenzsicherung der Tierheime in Homburg und Niederlinxweiler" sprach die Ottweiler Landtagsabgeordnete Pia Döring (SPD). Sie ging in einer schriftlichen Stellungnahme davon aus, dass damit die Kosten "zumindest teilweise gedeckt werden". Doch um auf Dauer die Heime zu erhalten, bedürfe es mehr, als "nur erste Finanzlücken zu füllen". Diese Einigung müsse steigerungsfähig sein.

Zurzeit sind die beiden Tierheime für 88 900 Einwohner im Landkreis St. Wendel (acht Kommunen), für 134 000 Menschen im Landkreis Neunkirchen (sieben Kommunen) sowie für 145 000 Bewohner saarpfälzischen Städte und Gemeinden zuständig.

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