Tenor Volker Bengl gastierte in der Stadtkirche in St. Wendel

Rezension : Langer Atem, gepaart mit Dynamik

Tenor Volker Bengl gastierte am Sonntag in der Stadtkirche in St. Wendel.

Sehr viele Freunde des klassischen Liedgesangs hatten sich in der evangelischen Kirche St. Wendel eingefunden, um Volker Bengl (München) mit Franz Schuberts „Winterreise“ zu hören. Sie wurden nicht enttäuscht: Sein farbenreicher Tenor gefiel ebenso durch heldische Kraft wie durch wärmste Lyrik. Frank Oidtmann (Stuttgart) war ihm ein ebenbürtiger Klavierbegleiter.

„Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum“ gilt als repräsentatives Lied der deutschen Romantik, ohne dass dessen lebensgefährdende Melancholie immer wahrgenommen wurde. Wohl aber machten die beiden Interpreten die Ambivalenz solcher Musik deutlich, da sie über hervorragende technische Grundlagen verfügten: Bengl durch einen langen Atem und vielfältige Dynamik, Oidtmann durch hohe Anschlagskunst und sensiblen Umgang mit den musikalischen Motiven. Dadurch waren für die Zuhörer auch die weniger bekannten Teile des Zyklus lohnende Entdeckungen. Hinzu kam eine genaue Beachtung der Weisungen des Komponisten, etwa der sehr leise Beginn des ersten Liedes „Fremd bin ich eingezogen“.

Obwohl Bengl das Mögliche zur Textverständlichkeit beitrug, wäre man für ausgedruckte Texte dankbar gewesen – es ist bei solchen Darbietungen üblich und hätte der angesagten mildtätigen Verwendung der Spenden sicher nicht nennenswert geschadet.

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