SZ-Serie zu Museen im Saarland: Missionsmuseum in St. Wendel

Kostenpflichtiger Inhalt: Missionsmuseum in St. Wendel : Mitbringsel der Missionare

Zwei Etagen zeugen im Missionsmuseum in St. Wendel von den Stationen der Steyler Pater – eine Reise durch die Kulturen der Völker.

Ein Fischernetz, das an der Decke hängt, grazil gearbeitete Tierfiguren, Masken, die böse Geister vertreiben sollen – auf zwei Etagen verteilen sich im Missionsmuseum in St. Wendel Mitbringsel aus Teilen von Asien, Afrika und Südamerika. Steyler Missionare haben sie vor Jahrzehnten von ihren Arbeitsreisen in aller Welt mitgebracht. Liebevoll sind die Erinnerungsstücke an das Leben mit den unterschiedlichsten Völkern in Vitrinen dekoriert oder an Wänden und Decken drapiert.

Pater Ernst Ziegler öffnet die Tür zum Museum. „Ich selbst war nie auf Mission“, sagt er und rückt sich die Brille zurecht. Er sei meist hier im Internat und in der Schule tätig gewesen. „Die habe ich übrigens früher selbst besucht“, fügt der weißhaarige Pater lächelnd an. Er übernimmt zurzeit die Führungen im Museum. „Mein Vorgänger führt jetzt durch die Katakomben in Rom“, verrät er. Auch nicht schlecht.

Bei Kindern beliebt: Ein präparierter Königstiger erlegt einen Hirschen. Foto: Evelyn Schneider

Zielstrebig steuert Pater Ziegler auf ein langgezogenes, mit Ornamenten geschmücktes Holzstück zu, das in der Mitte ausgehöhlt ist. Er greift zu einem Stock und erklärt schmunzelnd: „Das ist ein Handy von Neuguinea.“ Tatsächlich wurde die Baumtrommel auf der zweitgrößten Insel der Welt genutzt, um Nachrichten zu übermitteln. 1896 kamen die ersten Steyler Missionare auf die Insel. „Damals steckte Neuguinea quasi noch in der Steinzeit“, sagt Pater Ziegler. Es gab kein Metall, keine Metallverarbeitung. Mit Knochen, Schiefer und Holz wurden Werkzeuge gebaut. Etwa 700 Gruppen, die jeweils ihre eigene Sprache hatten, lebten auf der Insel. Noch heute gilt Papua-Neuguinea im Osten der Insel als jener Staat mit der größten Vielfalt an Sprachen in der Welt.

Ein paar Schritte weiter ragt hinter Glas ein Holzgebilde mit regelmäßigen Aussparungen und einer Figur an der Spitze in den Raum darüber. „Das ist eine Treppe“, erläutert der Steyler Missionar. Die Häuser waren oft auf sumpfigem Untergrund und daher auf Stelzen gebaut.

Diese Alarmglocke hängt an der Decke. Damit haben die Menschen in Neuguinea auf ankommenden Besuch oder Fremde aufmerksam gemacht. Foto: Evelyn Schneider

Die Menschen in Neuguinea seien sehr gläubig gewesen, betrieben Ahnenkult und verehrten so genannte Totems. Diese konnten nicht nur die Gestalt von Menschen, sondern auch von Tieren, Pflanzen oder Bergen haben. In den Vitrinen finden sich unzählige Masken – aus Holz geschnitzt und mit natürlichen Farbstoffen schwarz, weiß und braun bemalt. Allesamt sind die Gesichter mit offenen Mündern dargestellt. „Um sich gegen die bösen Geister zu wehren“, erklärt Pater Ziegler.

Vasen, die wegen fehlender Drehscheibe nicht ganz eben gearbeitet sind, Gefäße für den Haushalt aber auch Waffen sind in weiteren Vitrinen zu sehen. Darunter ein Dolch, der aus dem Oberschenkelknochen eines straußähnlichen Vogels gefertigt wurde, oder Pfeilspitzen aus Schiefer. Pater Ziegler deutet auf ein mit Erdfarben auf Baumrinde gearbeitetes und gemaltes Bild. „Es erzählt die Schöpfungsgeschichte, ausgehend von einem Krokodil, dem größten Tier Neuguineas“, erklärt er. Ebenso aufwendig verziert worden sind Schilde, die zur Verteidigung und zum Tanz eingesetzt wurden. Nicht auf den ersten Blick geben kleine wie Bänkchen anmutende Holzarbeiten ihren Nutzen preis. Doch der Steyler Missionar weiß das Rätsel zu lösen. „Darauf schliefen die Menschen.“ Durch die Nackenstützen blieben die Frisuren in Form, kam nichts vom lehmigen Boden in die Haare.

Verzierte Schilde für Tanz und zur Verteidigung aus Neuguinea. Foto: Evelyn Schneider

Der Pater schlendert an dem nächsten, kleineren Schaukasten vorbei. Hier sind Taschen, kunstvoll mit Muscheln verziert, ausgestellt. Das erinnert ihn an seine Zeit in Rom. „Wenn wir bei Stadtführungen an Schuh- oder Taschengeschäften vorbeigekommen sind, waren die Frauen weg und ich stand allein da.“ Er schmunzelt und betritt die Geschichte des nächsten Landes: Indonesien. Spinnrad und Webstuhl, eine Rattenfalle oder die Figur einer Muttergottes, wie sie sich die Menschen dort vorstellen, haben die Missionare vom weltgrößten Inselstaat mitgebracht. Auch Erinnerungsstücke von den Philippinen zeugen von Stationen der Steyler Missionare. „Es ist das einzige christliche Land Asiens“, sagt Pater Ziegler.

Es geht in den zweiten Stock und auf einen neuen Kontinent: Afrika. Heute sind die Steyler Missionare in mehr als zehn Ländern vertreten. Begonnen hat ihr Einsatz 1892 in Togo. Später ging es nach Ghana, Kenia und in den Kongo. Figuren, Masken, Häuptlingsschmuck, Ketten, Musikinstrumente oder die Utensilien eines Zauberers erzählen von der Kultur der Stämme.

Auch eine Buddha-Figur thront im Ausstellungsraum im zweiten Stock. Foto: Evelyn Schneider

Fast magisch angezogen werden die meisten Kinder von einem benga-
lischen Königstiger, der sich gerade auf einen Hirschen stürzt. Ein kleiner Junge habe mal gesagt: „Der hat sich gerade noch bewegt.“ Woraufhin Pater Ziegler ihn mit dem Hinweis beruhigte, dass der Tiger bereits gut gefüttert worden und daher ungefährlich sei. Die vielen Tierpräparate, die sich auf die beiden Stockwerke verteilen, sind der Renner bei den jungen Besuchern. „Dann höre ich immer wieder die gleiche Frage: Sind die echt?“ Ob Ameisenbär, Krokodil, Vogelspinne oder Kobra – die ausgestopften Tiere erweitern die Sammlung, in dem sie neben der Kultur auch einen Eindruck von der Fauna der einzelnen Länder vermitteln.

In der nächsten Ecke grüßt eine Buddha-Figur von ihrem Podest aus den Besucher. Um China und Japan geht es in diesem Teil des langgezogenen Raumes. Einen Großteil seines Lebens verbrachte Pater Josef Freinademetz in China. Sein Porträt hängt im Eingangsbereich neben dem des Gründers Arnold Janssen. Er sei einer der ersten treuen Mitstreiter Janssens gewesen, erinnert Ziegler. Inzwischen wurde auch Freinademetz heiliggesprochen. Gewänder oder ein eingerichtetes Zimmer sind hier zu sehen. Ehe es auf den nächsten Kontinent geht: Südamerika. Hier zeugen unter anderem Krippen von der Handwerkskunst der Menschen.

Nachgebaut: Besucher können einen Blick in ein nachgestelltes japanisches Zimmer werfen. Foto: Evelyn Schneider

Früher, so gesteht Pater Ziegler, sei in den beiden Etagen mehr los gewesen. „Wir könnten mehr Besucher gebrauchen“, sagt er. Es gebe die treuen Gäste, die jedes Jahr kommen. Andere, so vermutet der Steyler Missionar, würden wohl lieber direkt in die fernen Länder reisen statt sich deren Kulturschätze in St. Wendel anzuschauen. Doch hier sind eben Neuguinea, die Philippinen und Ghana nur ein paar Schritte voneinander entfernt.

Alle Teile der Serie „Museen im Saarland“, die bisher erschienen sind, finden sich im Internet unter www.saarbruecker-zeitung.de/museen-im-saarland.

Mehr von Saarbrücker Zeitung