Syrische Namen stehen für deutsch-amerikanische Freundschaft

Syrische Namen stehen für deutsch-amerikanische Freundschaft

Alle drei bis fünf Jahren bereisen die Studenten der Ohio Wesleyan University die Region. Fußball steht im Vordergrund, übernachtet wird bei Gastfamilien. Dabei gibt es Kurioses zu erzählen, wie auch vom Schaf der Familie Reis in Niederkirchen.

Ein Schaf in Niederkirchen wird Familie Reis immer an ihren Studenten der Ohio Wesleyan University erinnern. Denn am ersten Abend in jenem August 2013, als die Fußballer aus Amerika bei ihren Gastfamilien ankamen, wurde dieses Schaf geboren. Prompt gab ihm Familie Reis den Namen des US-Torwarts: Kiyan. Kiyan wird nicht dabei sein, wenn die Fußballmannschaft aus Delaware vom 4. bis 17. August erneut die Region besucht. Aber 20 andere Studenten werden kommen. Und sie suchen Gastfamilien.

Die Deutschland-Reisen des zweifachen nationalen College-Meisters haben mittlerweile ihr silbernes Jubiläum gefeiert. Es ist mehr als 25 Jahre her, dass Trainer Jay Martin zum ersten Mal mit einer Truppe nach Baumholder kam. Seit 1990 organisiert Bernd Mai diese Reisen. Aus diesen ist mittlerweile auch eine offizielle Städtepartnerschaft zwischen Baumholder und Delaware entstanden.

Zum Pflichtprogramm, das Martin vorgibt, gehören fixe Punkte wie Neuschwanstein, das Hofbräuhaus, Dachau und die Marke mit den drei Streifen in Herzogenaurach, aber auch Städte wie Trier oder Heidelberg. In den vergangenen Jahren war auch immer ein Trip nach Gelsenkirchen vorgesehen. Dort waren sie begeistert von der Fan-Kultur der Ultras.

Spielplan ist entscheidend

Kiyan und Familie Reis beim Abschlussfest 2013.
Jay Martin mit Bernd Rohrbacher, damaliger Trainer der U-19 FCS.

Das Programm steht noch nicht genau fest, das richtet sich auch nach dem Spielplan der Profis. Da die Bundesliga-Saison in diesem Jahr später als sonst beginnt, wird es schwierig sein für Mai, den jungen Studenten Profi-Fußball zu bieten. "Dann setzen wir auf die Zweite Liga oder den Supercup", sagt der Tour-Organisator. Aber die jungen Amerikaner wollen sich nicht nur Profi-Fußball anschauen; sie wollen auch selbst gegen den Ball treten. Und das machen sie erstaunlich gut. Bei jedem Besuch überraschen sie die skeptischen Fußballfans, die von Amerikanern nicht unbedingt großen Fußball erwarten, mit ihren technischen Fähigkeiten, ihrer Laufbereitschaft und mit ihrer Fitness. Unmittelbar nach dem jüngsten Besuch vor drei Jahren hat beispielsweise der SV Oberkirchen signalisiert, wieder ein Spiel im Weiselbergstadion zu organisieren.

Untergebracht werden die Besucher aus Ohio bei Gastfamilien. Das ist nicht nur eine Kostenfrage, sondern ausdrücklicher Wunsch des Trainers: "Damit sie die Mentalität des Landes kennenlernen", sagt Jay Martin. Viele Gastfamilien stellen schon von Anfang an ihr Bett, ihr Haus und ihre Gastfreundschaft zur Verfügung. Also nun seit einem Vierteljahrhundert. Und sie haben Mai signalisiert, dieses Jahr wieder dabei zu sein. Auch aus dem Landkreis St. Wendel sind immer öfter Gastfamilien mit von der Partie - beim jüngsten Besuch 2013 unter anderem aus Freisen, aus Dörrenbach oder eben aus Niederkirchen .

Viele Freundschaften über den großen Teich sind dadurch entstanden, und so mancher Deutscher hat "seinen" Studenten auch schon in Amerika besucht. Um sich besser kennenzulernen, sind bei jedem Besuch auch zwei Familientage eingeplant. Das war bei den vergangenen Reisen ausdrücklicher Wunsch der Gastfamilien und der Studenten . Vielleicht entsteht dann auch eine ähnliche Freundschaft wie die von Kiyan und Familie Reis . Das Schaf erfreut sich übrigens bester Gesundheit, wie Reinhard Reis mitteilt. Er erwartet, dass es in den nächsten Tagen Mutter wird. "Kiyan hat mir per Mail Namensvorschläge für die Lämmer zukommen lassen: Tamim, wenn es ein Junge wird und Abir, wenn es ein Mädchen wird", erzählt Reis . Das seien syrische Namen - die Familie des Fußballers stammen aus Syrien.

Wer Lust hat, einen oder mehrere Studenten aufzunehmen, der kann sich mit Bernd Mai, Telefon (0 67 83) 9 99 92 90, in Verbindung setzen.