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Stein-Schlange mit Happy Stones in Oberkirchen

Kostenpflichtiger Inhalt: Happy-Stones-Aktion in Oberkirchen : Das Glück schlängelt sich durch die Natur

Happy Stones sind gerade sehr beliebt. Janine Petry hat für die Region eine Steine-Gruppe gegründet. In Oberkirchen startete sie eine tierische Aktion.

Wer gerade mit wachen Augen in der Natur unterwegs ist, der kann nicht nur Vögel beim Nestbau oder prächtig blühende Blumen entdecken, sondern auch Steine. Besondere Steine. Solche, die die Gestalt eines Marienkäfers angenommen haben, Herzen, Schmetterlinge oder auch Comic-Helden zieren. Dem Entdecker wollen sie Freude schenken, daher werden sie Happy Stones (übersetzt: glückliche Steine) genannt. Der Trend kam aus den USA nach Deutschland. Inzwischen gibt es viele regionale Gruppen beim sozialen Netzwerk Facebook. Auch die „Happy Stones WND“.

Janine Petry hat die Seite vor gut sieben Monaten gegründet. Die Mutter zweier Söhne, Leonel (sechs Jahre) und Laneo (vier Jahre), ist „immer auf der Suche nach etwas, das ich mit den Kindern basteln kann“. Im Netz ist sie auf die Gruppe „Küstensteine“ gestoßen, betrachtete dort interessiert die zahlreichen Fotos von bemalten Steinen. „Da wir viel draußen in der Natur unterwegs sind, passte das perfekt“, blickt die 32-Jährige zurück. Spontan habe sie dann die St. Wendeler Steingruppe gegründet. Und die kommt an. „Die Resonanz ist toll“, sagt die gebürtige Primstalerin, die inzwischen in Oberkirchen lebt.

Egal, wo die Glückssteine auch liegen, sie verfolgen einen Zweck: Freude schenken. „Die Steine sollen wandern“, erläutert Petry. „Sie werden ausgelegt und gefunden.“ Teilweise behalten die Finder die Steine, was auch in Ordnung sei. Schön wäre es dann, wenn der neue Besitzer selbst einen Stein bemalt und auswildert. „Viele schießen Fotos von den Steinen und posten sie dann auf unserer Seite“, sagt Petry, die als Krankenschwester arbeitet. Auf der Rückseite der Steine sei oft ein Hinweis auf Facebook zu finden, eine Postleitzahl oder auch ein Kürzel des Künstlers. So könnten die Erschaffer ihre Steine wiedererkennen. Meist toben sich Kinder kreativ auf der grauen, harten Oberfläche aus. „Die Motive sollen positiv sein, schöne Botschaften verbreiten“, sagt Petry. Das komme gerade jetzt während der Corona-Krise gut an.

Am besten lassen sich die Steine mit Acrylfarbe und Acrylstiften verzieren. Es sollte nichts aufgeklebt werden, da das sonst in der Natur lande. Damit die Farben nicht vom Regen abgewaschen werden, müssen beide Seiten des Steins versiegelt werden. „Es gibt Lacke auf Wasserbasis, die für Kinder ab sechs Jahren geeignet sind“, empfiehlt Petry. Etwa 30 Minuten dauere es, bis der Lack getrocknet ist.

Nicht nur Corona, sondern auch eine besondere Aktion hat aktuell einen Schub in die Gruppe gebracht. Denn Janine Petry hat mit ihren Kindern auf der Bahntrasse an der Talbrücke in Oberkirchen eine Schlange ausgesetzt. Vor der muss sich niemand fürchten und sie schlängelt sich auch nicht über den Spazierweg davon. Sie bleibt, wo ist, aber sie wächst. Rasant. „Aktuell sind es 700 Steine“, verkündet Petry stolz. Den Schwanz der Schlange hat sie zehn Meter vom Kopf entfernt platziert, als eine Art Motivation. Meterweise soll die Steine-Schlange wachsen. „Ich beobachte, dass viele Leute stehen bleiben und sich ein Schmunzeln auf ihren Lippen bildet“, verrät die Wahl-Oberkirchenerin. Mission also erfüllt.

Auch im Nachbarort Freisen hat Janine Petry eine Schlange ausgesetzt, auf dem Fritz-Wunderlich-Pfad nahe der Eisernen Brücke. Diese ist auf inzwischen 60 Steine angewachsen. Beide Ortsvorsteher unterstützen die Aktion. Die auch ein Stück weit zur Kommunikation beiträgt. Gerade in einer Zeit, in der die persönlichen Kontakte eingeschränkt sind. „Ein Kind legt einen bemalten Stein aus und die Verwandten, die vorbeischlendern, freuen sich über den Gruß und geben per Telefon Feedback“, weiß die 32-Jährige zu berichten.

Zwei schöne Steine-Geschichten haben ihr aktuell selbst ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. So hat sie sich über den Happy Stone gefreut, der an der Polizeiinspektion Nordsaarland ausgelegt wurde (wir berichteten). Da die Beamten dort in einer Pressemitteilung von dem Fund berichteten, hat der Glücksstein mit den Motiven von Rettungs- und Hilfsorganisationen und den Schriftzügen „Danke“ und „Unsere Helden“ eine gewisse Berühmtheit erlangt. Die zweite Geschichte ist eine persönliche. Am Supermarkt in Oberkirchen habe sie gerade einen Glücksstein ausgelegt, als sie kurze Zeit später ihrer Schwiegermutter begegnet. Die hielt ihr freudestrahlend eben jenen Stein entgegen. „Weil er ihr so gut gefallen hat, habe ich gesagt, sie soll ihn behalten. Jetzt hat er einen Ehrenplatz auf der Fensterbank“, berichtet Petry.

Die Zweifach-Mama lässt sich bei der Gestaltung der eigenen Steine auch gerne mal von Weltgedenktagen inspirieren. So hat sie beispielsweise Anfang Februar den Weltkrebstag aufgegriffen. Mit einer Bekannten zusammen tüftelt sie gerade an der nächsten steinigen Idee. „Ich würde gerne an Sitzgruppen Spiele positionieren“, verrät die 32-Jährige. Diese sollen selbstredend aus und mit Steinen gestaltet werden. „So könnten die Leute beim Spaziergang eine Pause einlegen und gemeinsam spielen“, sagt Janine Petry. Das ist noch Zukunftsmusik. Jetzt freut sie sich erst einmal darauf, die beiden Stein-Schlangen in Freisen und Oberkirchen weiter wachsen zu sehen.

Die Gruppe Happy Stones WND gibt es beim sozialen Netzwerk Facebook.

www.facebook.com/groups/501728427041191