Stefan Kuntz war zu Gast in St. Wendel

Turnierpate lost In St. Wendel den Euro-Youth-Cup aus : Torschützenkönig als Losfee in St. Wendel

U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz übernimmt die Patenschaft des Euro-Youth-Cups. Bei seinem Besuch nahm er sich auch für die Fans Zeit.

Jungs und Mädels stehen am Eingang des Rathauses Spalier. Cheerleader recken ihre Pom-Poms in die Höhe. Spannung liegt in der Luft. Moderator David Noack späht von der kleinen, am Spinnrad aufgebauten Bühne aus in Richtung Verwaltungsgebäude. Auf ein Zeichen hin verkündet er: „Jetzt kommt er – Stefan Kuntz.“ Und tatsächlich öffnet sich just in diesem Moment die Tür des Rathauses. Der U21-Nationaltrainer tritt an der Seite des Bürgermeisters Peter Klär (CDU) unter dem Jubel der Umstehenden aus dem Gebäude. Und dann... Heißt es für die vor der Bühne wartenden Menschen erst einmal Geduld haben. Denn Stefan Kuntz nimmt sich Zeit für die kleinen und großen Fans. Unterschreibt hier auf einem Ball und dort auf einem Trikot. Ein kurzer Plausch, ein nettes Wort. So ist er eben.

Sein Besuch in St. Wendel kommt nicht von ungefähr. Der Neunkircher hat die Patenschaft für den Euro-Youth-Cup St. Wendel, der am Wochenende vom 27. und 28. Juli in der Kreisstadt ausgetragen wird, übernommen (wir berichteten). An diesem Abend soll er den Spielplan des Turniers auslosen. „Danke für den unglaublichen Empfang“, ruft Stefan Kuntz den Leuten von der Bühne aus zu. „Damit habe ich so nicht gerechnet.“ Auch Peter Klär schaut sich zufrieden um. Zumal dieses Fan-Fest innerhalb weniger Tage organisiert wurde.

Eingefädelt hat den Besuch des Bundestrainers übrigens Michael Schultheis vom STV Urweiler. „Er ist der einzige, der mich im Urlaub stören durfte“, scherzt Kuntz. Dann richtet er seinen Blick auf die Leinwand neben der Bühne. Ein Film mit den Stationen seiner Fußballer- und Trainerkarriere ist dort zu sehen. Zu den Klängen von „Don’t give up“ gibt es reichlich Torszenen, den Blick in die Westkurve am Betzenberg oder Bilder des Abschieds. Damals, 1995, als er den FC Kaiserslautern als Spieler verließ. Wie Klär später verrät, hat er in diesem Moment eine gewisse Rührung bei dem Ex-Fußballer wahrgenommen.

Um das Erinnern an einst ist es auch schon etwas früher am Tag gegangenen. Im Rathaus hat Kuntz alte Teamkollegen getroffen. Der Bürgermeister hat in Vorbereitung auf den hohen Besuch das Stadtarchiv nach alten Artikeln der Saarbrücker Zeitung, die von Spielen in den 1980er-Jahren berichten, durchforsten lassen. In der Saison 1982/83 lief Kuntz mit Borussia Neunkirchen in der  Fußball-Oberliga Südwest beim FC St. Wendel auf. Ein gutes Jahr für den heute 56-Jährigen, denn mit 36 Treffern wurde er Torschützenkönig. Dafür hat er jetzt von Peter Klär eine Torjäger-Kanone bekommen. „Die haben wir extra machen lassen.“ Die Geste kommt an, Stefan Kuntz lächelt. Kurz darauf trägt er sich in St. Wendels Goldenes Buch ein. „Ich fühle mich dahemm“, schreibt er.

Und in der Tat ist es wie ein Heimspiel für ihn beim Fan-Fest am Dom. Die St. Wendeler genießen die Anwesenheit des Sportlers. Da ist es auch nicht weiter aufgefallen, dass es bei der Auslosung des Turniers ein Missverständnis gegeben hat. Die teilnehmenden U17-Mannschaften von FC Saarbrücken, SV Elversberg, Hertha BSC Berlin, Eintracht Frankfurt, RB Leipzig, FC Valencia, FC Porto und Galatasaray Istanbul sind mit Kugeln in den Lostöpfen vertreten. Hinzu kommt eine Regionalauswahl St. Wendel. Auch der Nachwuchs vom FC Bayern München ist beim Turnier dabei – allerdings bereits fürs Halbfinale gesetzt. Moderator Noack lässt Losfee Kuntz in den ersten Topf greifen. „Regionalauswahl St. Wendel“, liest Kuntz vor. Dann verkündet er als Gegner den FC Valencia. Das ist auch die erste Partie am Samstag, 27. Juli, 10 Uhr. Der FC Saarbrücken spielt gegen den FC Porto, SV Elversberg gegen Galatasaray Istanbul. Soweit, so richtig. Dann taucht plötzlich die Kugel von Bayern München auf. Dabei mischt die Nachwuchself doch nicht von Anfang an mit. Aber egal. Organisator Sebastian Britz vom Veranstalter mySportlights hat alle Mannschaften auf dem Schirm und inzwischen den kompletten Spielplan des Turniers ins Netz gestellt.

Stefan Kuntz wünscht den Jugendlichen während des Turniers eine Stimmung wie an diesem Abend. Er selbst erinnert sich noch, wie er auf dem Bolzplatz mit dem Kicken angefangen hat. „Von meinem Vater hatte ich den besten Ball. Deshalb durfte ich bei den älteren Kindern überhaupt mitspielen. Anfangs nur im Tor“, erzählt Kuntz und lächelt. Es sei eine gute Schule gewesen, einen Schiedsrichter habe es nicht gegeben, die jungen Fußballer mussten untereinander klar kommen.

Bei dem Jugend-Turnier tritt überwiegend der Nachwuchs namhafter Clubs an. Kann heute nur noch der Spieler den Sprung in die Bundesliga schaffen, der früh bei den ganz großen Vereinen unter Vertrag steht? Der U21-Trainer verweist auf das „Projekt  Zukunft“, das bei der Deutschen Fußball-Liga angesiedelt ist. Nicht nur in den Nachwuchs-Leistungszentren sondern auch in den Vereinen gebe es ein Umdenken. Trotz des Tabellendrucks sollen die retardierten Spieler in den Blick gerückt werden. „Das heißt, dass nicht nur der 1,80 Meter große Spieler mit Flaum auf der Oberlippe eine Chance kriegt, sondern auch der 1,60 Meter große Junge mit dem Milchbubi-Gesicht“, verdeutlicht Kuntz. Denn nur wenn auch letzterer Beachtung findet, bleibt ihm der Spaß am Fußball. Dass Spätstarter durchaus erfolgreich sein können, habe aktuell das Beispiel von Marco Richter vom FC Augsburg bewiesen. Der ist lange kein Thema für die Junioren-Nationalmannschaften gewesen. Bei der zurückliegenden Europameisterschaft der U21 hat er dann überzeugt.

Die Kicker, die in St. Wendel beim Youth-Cup antreten, sind deutlich jünger als jene Spieler, die Stefan Kuntz trainiert. Aber auch bei den Heranwachsenden der U21 gibt es trotz Liga-Erfahrung Unterschiede zu erwachsenen Profis. „Es ist wichtig, einen Zugang zu den jungen Spielern zu bekommen und auf sie einzugehen“, weiß der Neunkircher.  Meist hätten die Jungs wenig Erfahrung damit, wie man Konflikte durchsteht. Ihr Leben in den Leistungszentren sei komplett durchgetaktet: Schule, Essen, Training – alles sei organisiert. Da komme das richtige Leben oft zu kurz. „Wir reden sehr viel, ich teile auch eigene Erfahrungen mit den jungen Leuten“, sagt Kuntz. Es sei ihm wichtig, dass sich die Spieler ausprobieren können. „Es soll auch mal was schief gehen, damit sie auf einem neuen Weg zum Ziel finden. Die Spieler müssen lernen, mit Werten wie Anstand und Respekt einen Teamspirit aufzubauen.“

Teamgeist herrscht an diesem Abend auf jeden Fall schon mal in St. Wendel. Stefan Kuntz gesellt sich hier und da noch zum Plausch an einen der Stehtische. König Fußball macht auf der Bühne Platz für den Auftritt der Gruppe White Strings in der Reihe „Live & Free“ – aber bei so manchem Gespräch ist er sicher noch Thema.

Glücksfee darf auch noch St. Wendels Bürgermeister Peter Klär spielen: Er zieht den Gewinner eines Trikot-Satzes – den  SV Hoof.

Eine Torjägerkanone für 36 Treffer in der Fußball-Oberliga Südwest in der Saison 1982/83 bekommt Stefan Kuntz von Bürgermeister Peter Klär. Foto: B&K/Bonenberger/
Auslosung der Mannschaften auf der Bühne am Spinnrad: U-21-Nationaltrainer Kuntz spielt als Pate des Euro-Youth-Cups Losfee. Foto: B&K/Bonenberger/

www.euro-youth-cup.de

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