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Aktion: Starke Frauen, ernste Themen und leise Töne

Aktion : Starke Frauen, ernste Themen und leise Töne

Bis zum 29. September soll das vermeintlich schwache Geschlecht voll auf seine Kosten kommen. Die 28. Auflage der Frauenkulturtage läuft.

Mal ins Kino oder mit den Freundinnen tanzen gehen. Einen Showabend genießen, sich aber auch mit dem Schicksal von Frauen in anderen Ländern beschäftigen. Dieses Komplettpaket bieten die Frauenkulturtage, die bis zum 29. September dauern. Es ist bereits die 28. Auflage. „Mein Anliegen ist es, ein Angebot zu kreieren, das besonders Frauen anspricht“, sagt die die Frauenbeauftragte des Landkreises St. Wendel, Ursula Weiland, im SZ-Gespräch. Dabei dürfen neben Unterhaltung auch ernste Themen anklingen.

Gemeinsam mit der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Diözesanverband Trier möchte die Frauenbeauftragte auf ein Projekt in Nordsyrien aufmerksam machen. Unter dem Titel „Hoffnung auf Zukunft in Rojava“ wird am Montag, 5. September, 18 Uhr, im Landratsamt in St. Wendel eine Ausstellung eröffnet. Rojava ist der syrische Teil von Kurdistan. Dort ist die „Stiftung der Freien Frau in Rojava“ aktiv, bildet beispielsweise Gesundheitsarbeiterinnen aus. Die Region sei die Kornkammer Syriens, erläutert Weiland. Daher sei sie bereits vor dem Krieg ausgebeutet worden. „Es geht dort um die Erschaffung eines Staatsgebildes mit demokratischen Werten und der Gleichstellung der Frau.“ Bei der Vernissage wird passend zum Thema syrisches Essen, zubereitet von Flüchtlingen, angeboten.

Kulinarik und Kultur vereint auch das traditionelle Frühstück für Frauen am Mittwoch, 13. September, 9 Uhr, in der Heldenrechthalle in Sotzweiler. Christina Schönecker hat dann einen Auftritt mit eigenem Programm. „Die ist so gut. Die gehört eigentlich ins Fernsehen“, schwärmt Weiland.

„Schwestern bleiben wir immer“ ist der Titel des Buches, das Barbara Kunrath bei einer Lesung in der Stadt- und Kreisbibliothek St. Wendel vorstellt. „Es ist ein Buch für Frauen, geschrieben von einer Frau“, sagt die Frauenbeauftragte. Termin ist am Donnerstag, 14. September, 19.30 Uhr.

„Frauen tanzen gerne“, weiß Weiland. Daher hat sie einen Salsa-Abend ins Programm aufgenommen. Die Party mit Kevin Alamba steigt am Samstag, 16. September, 20 Uhr, in Erwins Landhotel in Oberthal. Zunächst gebe es eine Einführung, bei der rasch die Schrittfolgen geübt werden. Ab 21 Uhr startet die Disco.

Musik und Tanz — das ist auch bei einem zweiten Termin angesagt. Am Samstag, 23. September, 21 Uhr, ist eine Ladies-Dance-Night im Max Club in Angel’s Hotel geplant. Dort legt Djane Joana auf. Weiland erwartet viele Frauen und betont daher lächelnd: „Auch Männer sind willkommen.“ Was auch für die übrigen Veranstaltungen gilt.

Eine Mischung aus Musik und Lyrik bieten Ulrike Donié, Helga Lippert und Tanja Endres-Klemm am Donnerstag, 21. September, 19.30 Uhr, in der Stadt- und Kreisbibliothek in St. Wendel. Unterstützt werden sie bei ihrem Programm unter dem Motto „Tiere sind auch nur Menschen“ von Judith Schneider und ihrer Live-Malerei.

Abschluss der Frauenkulturtage wird am Freitag, 29. September, 19.30 Uhr, gefeiert. Dann heißt es „Bühne frei!“ in der Oberthaler Bliestalhalle. Gerne engagiert Weiland hierfür weibliche Akteure. Doch das sei nicht immer so leicht. 14 Beiträge sind geplant. Showtänze, Hip Hop, Sketche und Gesang gehören zum Programm. Einen Höhepunkt der Show aber bestreitet ein Mann: TJ Wheels. Zwei Mal tritt er laut Weiland auf und bietet eine Akrobatik-Show auf Rollschuhen. Damit ist er auch schon bei der Fernsehsendung „RTL — Das Supertalent“ aufgetreten.

Das ganze Jahr über gibt es im Neuen Theater in St. Wendel in Kooperation mit der Frauenbeauftragten den „Tag des besonderen Films“. Dieses Format ist auch Teil des Programms der Frauenkulturtage. Drei Filme hat Weiland ausgewählt. In „Jackie“ verkörpert Schauspielerin Natalie Portman die ehemalige First Lady der USA. Die Geschichte beginne nach den Schüssen auf ihren Mann, Präsident John F. Kennedy. Allen Filmen gemein ist die Tatsache, dass der Titel zugleich ein Frauenname ist. So geht es in „Paula“, wie Weiland berichtet, um das Leben einer Künstlerin. „Rosemari“ erzähle von einer jungen Frau, die bei Adoptiveltern aufwächst und sich dann auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter macht. „Es sind Filme mit leisen Tönen und wichtigen Themen“, sagt Weiland. So oft es ihr möglich sei, gehe sie zu den Vorstellungen. „Dort ergeben sich Netzwerke und Gespräch mit Frauen, die sich sonst vielleicht nicht an mich gewandt hätten.“

Statt am Seil zu knabbern, schwingt sich TJ Wheels für „Bühne frei“ innerhalb der Frauenkulturtage auf seine Rollschuhe. Foto: TJ Wheels

Auch im Jahr 2017 hält es die Frauenbeauftragte für wichtig, die Bedürfnisse ihrer Geschlechtskolleginnen in den Fokus zu rücken. Denn nach wie vor würden sich Frauen in den privaten Bereich zurückziehen, blieben Themen wie Kindererziehung und die Pflege Angehöriger automatisch an ihnen hängen. Karriere und Jobs in Führungspositionen überließen sie den Männern. Ihr deutlicher Appell: „Frauen müssen aufhören zu glauben, dass jemand anderer als sie selbst dafür verantwortlich ist, dass sie ernährt werden oder Rente kriegen.“