St. Wendeler Renngeschichte im Saalbau

Ausstellung in St. Wendel : Raritäten der Renngeschichte

Motorsport-Historiker hatten am Wochenende zu einer Ausstellung in den St. Wendeler Saalbau geladen.

1950 bis 1964 und dann noch einmal 1982 bis 1992 – das waren die großen St. Wendeler Rennsportjahre. Mehere zehntausend Zuschauer pilgerten in diesen Motorsport-Hochphasen Jahr für Jahr in die nordsaarländische Kreisstadt, um die besten Zweirradpiloten der Welt auf ihren Maschinen über den St. Wendeler Asphalt jagen zu sehen. Die Rennen auf dem Stadtkurs waren am Wochenende wieder Thema. Im Saalbau wurde zum zweiten Mal die Ausstellung „St. Wendeler Renngeschichte“ inklusive historischer Filmstreifen präsentiert. Dabei kochten die alten Geschichten wieder hoch.

Da standen mittendrin die Norton 500 und die Bianchi 350, das schnellste Motorrad in den Jahren 1962 bis 1965 – Rennmaschinen, die der einstige St. Wendel-Sieger Heiner Butz gesteuert hat. Lange lag dem früheren Konzertveranstalter Günter Staub der Sound von Rockbands in den Ohren. Als Rentner genießt der Winterbacher nun das Motorengeräusch seines BMW R 69 Renngespanns, Baujahr 1955. Seine neue Bühne ist die Rennserie zur Deutschen Historik Motorradmeisterschaft. „Die Startnummer 40 soll an Karl Recktenwald erinnern. Diese Startnummer hatte er bei seinem letzten Lauf“, sagte Staub. Recktenwald war der Liebling der saarländischen Motorsportfans und der einzige St. Wendeler, der bei internationalen Rennen vordere Plätze erreichte. Am 19. Juli 1964 verunglückte der Winterbacher beim Weltmeisterschaftslauf um den Großen Preis von Deutschland auf der Solitude bei Stuttgart tödlich.

Die großen Erfolge des Topfahrers Recktenwald, so Staub, hätten früher die Jugendlichen in Winterbach regelrecht infiziert. Nicht anders ist es den Mitgliedern der Motorsport-Historiker aus der Kreisstadt, die die Ausstellung geplant und konzipiert haben, ergangen.

„Wir haben uns optisch gesteigert und deutlich mehr hochwertige Maschinen als noch vor zwei Jahren“, freute sich deren Vorsitzender Werner Klär. Der deutsche MV Agusta-Club stellte vier glänzende Rennmaschinen aus. „Das sind Raritäten“, meinte Klär. Die Motorräder des italienischen Flugzeugherstellers, besonders die 500-Kubikzentimeter-Maschine, kamen zu Weltruhm. Giacomo Agostini und später Phil Read errangen mit der MV die Fahrerweltmeisterschaft.

Aber alle vertretenen Marken wurden im Saalbau übersichtlich präsentiert. Auf der Bühne befand sich ein Fahrerlager mit allerlei Werkzeug, die ein Schrauber benötigt. Vereinsmitglieder wie Gespannpilot Staub zeigten ihre Maschinen. Und vor jeder der von den zahlreichen Besuchern genau beäugten Motorräder wurde diskutiert und gefachsimpelt. Gleich mehrere sehenswerte Prototypen auf BMW-Basis brachte beispielsweise der Tüftler und Konstrukteur Rudi Rupp aus Schwalbach mit. Ein wahrer historischer Zweiradschatz blinkte indes in der Abteilung Straßenmaschinen. Mehr als ein Jahrhundert ist das Motorrädchen der französischen Marke Alcyon, Typ Legere 2 HP. Baujahr 1910, alt. Es hat keine Kupplung und kein Getriebe, aber einen vergoldeten Tank. In einer TV-Trödel-Show konnte der damalige Eigentümer das nostalgische Gefährt nicht loswerden, weil der Schätzwert klar über dem Höchstgebot der Händler lag. Der Tholeyer Werner Klees setzte sich daraufhin mit dem Besitzer in Verbindung und erweiterte seinen Oldie-Fuhrpark mit der Alcyon.

Die Alcyon wollten die Händler in der TV-Trödel-Show „Bares für Rares“ nicht haben. Foto: Frank Faber
Der Winterbacher Günter Staub mit der BMW-Renngespann R 69 im St. Wendeler Saalbau. Foto: Frank Faber

Im Saalbau bildeten die nostalgischen Motorräder zwar eine beeindruckende, aber doch bewegungslose Kulisse. Im August des kommenden Jahres werden sie dann mit dröhnenden Motoren im Einsatz sein und bei der siebten Internationalen Motorsport-Klassikveranstaltung mit den Piloten ihre Runden im Wendelinuspark drehen.

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