St. Wendeler Kirmes startet Samstag

Kirmes in St. Wendel : Zwischen Chaos und Rennfahrer-Gefühl

Am Samstag startet die St. Wendeler Kirmes mit einem neuen Fahrgeschäft und einigen Stammgästen. Die SZ war beim Aufbau dabei.

Die Freiheitsstatue liegt auf der Seite, ihre Fackel fest umklammert. Gut gelaunt verlegen junge Männer Metallplatten. Es ertönt eine Hupe. So kündigt ein Lastwagenfahrer sein Eintreffen an. Schausteller-Fahrzeug ist auf dem Brummi zu lesen. An diesem Vormittag ist schon mächtig was los auf dem Festplatz Bosenbach. Es geht in die heiße Aufbauphase, denn am Samstag, 20. Oktober, beginnt die St. Wendeler Kirmes.

Insgesamt 52 Stände finden auf dem Areal Platz. Darunter sind 16 Karussells. Eines, das Jahr ein und aus einen festen Platz inne hat, ist der Safari-Express. Hier ist schon alles aufgebaut. Es scheint so, als bräuchte nur noch der erste Gast Platz zu nehmen – und schon könnte die rasante Fahrt beginnen.

Ganz so weit ist Neuling Maxi Fackler mit seiner Attraktion noch nicht. Erstmals präsentiert er seine drei-stöckige Go-Kartbahn. „So etwas war noch nicht hier“, weiß der 53-Jährige. „Abwechslung ist gut.“ Über Prag und Stuttgart nach St. Wendel: So lasse sich die aktuelle Route des Schaustellers zusammenfassen. In ganz Europa sei er schon unterwegs gewesen – und darüber hinaus: Fünf Monate in Dubai. Es sei die erste Liga an Festen, die er bereise. Und wie kam er auf St. Wendel? Maxi Fackler lächelt: „Mundpropaganda.“ Er habe sich zuvor schon mal in der Kreisstadt beworben. Dieses Mal habe es geklappt.

Seine Go-Kartbahn wurde 1959 für die Weltausstellung in Brüssel gebaut. Auf drei Ebenen können Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren oder einer Körpergröße von 1, 40 Metern aufs Gaspedal treten. Die Strecke ist 150 Meter lang, und die Flitzer haben 6,5 PS. „Und sind umweltfreundlich“, sagt Fackler und lacht. In das Leben als Schausteller ist er quasi hineingeboren worden. „Man braucht Herzblut dafür“, sagt er. Seit 29 Jahren ist er im Geschäft. Das Schöne daran sei, dass es nie Langeweile gebe, er sei viel unterwegs. Auch jetzt ist der Chef wieder gefragt, muss Details für den Aufbau klären. Seine Kartbahn steht gegenüber vom Festzelt.

Auf dem Gelände unterhalb herrscht gute Laune beim Fahrgeschäft Spin-Ball. Hier wird alles vorbereitet, damit die Freiheitsstatue am Samstag die Besucher schon von weitem grüßen kann. Auf einer drehbaren Scheibe sind Gondeln angebracht, die sich wiederum um sich selbst drehen. So in etwa lässt sich das Karussell von Stefan Spangenberger beschreiben. Er ist quasi Stammgast auf dem Fest. „St. Wendel ist eine schöne Stadt, und ich bin gerne hier“, sagt er. Es sei eine gute Veranstaltung kurz vor Saisonende.

Weithin sichtbar zeugt das Riesenrad von der bevorstehenden Kirmes. Auch dieses Karussell ist schon fast komplett. Der Lack der Gondeln funkelt im Sonnenlicht. Von einem schattigen Plätzchen aus blickt Frank Spangenberger auf den Laster, der sein Fahrgeschäft geladen hat. Im Zusammenhang mit Schaustellern wird ja gerne mal von einer „großen Familie“ gesprochen. Bei Stefan und Frank Spangenberger passt das auf jeden Fall, denn die beiden sind miteinander verwandt: Sie sind Cousins. Bereits ihr Uropa war Schausteller.

„Ich bin der Mann, der Chaos verbreitet“, scherzt Frank Spangenberger und deutet auf sein Fahrgeschäft. Das trägt nämlich den Namen „Chaos“ und ist seit drei/vier Jahren regelmäßig bei der St. Wendeler Kirmes am Start. Diese zählt der „Schausteller mit Leib und Seele“, wie er selbst von sich sagt, zu den Top fünf im Saarland.

„Chaos“ ist eine Riesengondel, die 24 Fahrgäste etwa 24 Meter in die Luft schwingen lässt. Hinzu kommen noch kleine Drehbewegungen. Nach Angaben des Betreibers dürfen Kinder ab acht Jahren oder einer Größe von 1,40 Metern mitfahren.

Sowohl Frank Spangenberger als auch Maxi Fackler sprechen davon, dass sich ihre Branche verändert hat. Die klassische Dorfkirmes gebe es nicht mehr. Nur noch die größeren Feste sind geblieben. „Da die Leute nach wie vor Lust auf Kirmes haben, kommen sie zu den größeren Veranstaltungen“, sieht Frank Spangenberger einen positiven Aspekt.

Problematisch hingegen ist die Situation, wenn es um gute und zuverlässige Arbeiter geht. Der Chaos-Betreiber bezeichnet den Schausteller gerne als Handwerksberuf. „Und wie in dieser Branche typisch, haben auch wir Nachwuchssorgen.“ Es fehle die Bereitschaft, monatelang durchs Land zu ziehen. Maxi Fackler ergänzt: „Es scheuen sich auch viele vor der körperlichen Arbeit.“ Es braucht Einiges, um die vielschichtigen Fahrgeschäfte aufzubauen. Jeder Handgriff muss sitzen. Es gelten hohe Sicherheitsstandards.

Gut gelaunt arbeiten die Männer am Spin-Ball. Foto: Evelyn Schneider
Blick aufs Kirmesgelände in Richtung Riesenrad. Foto: Evelyn Schneider
Maxi Facklers Go-Kartbahn ist erstmals bei der St. Wendeler Kirmes am Start. Foto: Wardeski/WARDESKI

Der nächste Lastwagen rollt an. Was er geladen hat, gibt er nicht preis. Alles ist hinter einer Plane versteckt. Noch.