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Spiel des TV Bliesen wurde abgebrochen: Der Hallenboden war schuld

Volleyball : Kurioser Spielabbruch beim TV Bliesen

Auch das noch! Die Partie der ohnehin arg gebeutelten Zweitliga-Volleyballer des TV Bliesen gegen Freiburg musste am Samstag abgebrochen werden. Eine Abdeckung auf dem Spielfeld hatte sich gelöst und konnte nicht repariert werden.

 Samstagabend, 20.21 Uhr, Sportzentrum St. Wendel: Steven Tarquinio vom Volleyball-Zweitligisten TV Bliesen springt am Netz hoch. Der Amerikaner will einen Angriff der Gäste von der FT Freiburg blocken. Als die Beine des 25-Jährigen den Boden berühren, merkt Tarquino sofort, dass etwas nicht stimmt. „Ich habe zuerst gedacht, mein Bein hätte nachgegeben. Dann habe ich auf den Boden geschaut und gedacht: Oh mein Gott.“

Auf dem Boden des Spielfelds war in Höhe des Netzes eine Tellerabdeckung nach unten abgesackt. Die Abdeckung war nun zwei, drei Zentimeter tiefer als der Rest des Feldes. Als die Abdeckung entfernt wurde, war zu sehen, dass darunter kleine Holzstückchen vom Hallenboden abgebröckelt waren und zudem der Haltungsring defekt war.

Danny Haben vom Organisationsteam des TV Bliesen, der sportliche Leiter, Gerd Rauch, und Spieler Arndt Bennoit versuchten, den Defekt zu beheben. Doch schnell war klar, dass dieses Unternehmen zum Scheitern verurteilt war.

Schiedsrichter Iliya Matev telefonierte mit der Ligaleitung, um herauszufinden, was zu tun sei. Rauch schnappte sich derweil ein Metermaß, um zu klären, ob man das Spielfeld quer aufbauen könnte – um doch noch weiterzuspielen.

Doch dies war, zumindest auf die Schnelle, nicht möglich – und so kam der Unparteiische nach etwas mehr als einer Viertelstunde noch einmal aufs Feld zurück, pfiff und signalisierte den Akteuren mit zwei überkreuzten Armen, dass die Begegnung vorzeitig beendet ist.

Zum Zeitpunkt des Abbruchs stand es 13:13 im dritten Satz. Der erste Durchgang war mit 25:18 an die Gäste gegangen. Den zweiten hatte sich Bliesen nach hartem Kampf mit 28:26 gesichert. „Etwas Ähnliches ist mir lediglich mal bei einem Länderspiel mit Luxemburg in Schottland passiert, als Teile der Deckenbeleuchtung, kurz bevor das Spiel anfing, auf den Boden gefallen sind“, erklärte Bliesens Trainer Burkhard Disch kopfschüttelnd. „Dass uns jetzt auch noch der Hallenboden stoppt, passt in diese Saison. Ich bin nur heilfroh, dass Steven nichts passiert ist. Das wäre noch der Super-Gau gewesen.“

Tarquinio wiederum war enttäuscht, dass nicht zu Ende gespielt werden konnte: „Das ist wirklich ärgerlich. Ich hatte heute zum ersten Mal seit langem wieder das Gefühl, dass wir stark genug sind, um zu gewinnen“, fand der Amerikaner. Vor der Partie gegen Freiburg hatte Bliesen neun Mal in Folge verloren – diese Serie sollte im Nachholspiel gegen die Breisgauer endlich reisen.

Die Begegnung gegen Freiburg hätte ursprünglich schon am 10. Oktober stattfinden sollen. Doch damals mussten am Spieltag drei Bliesener Spieler nach einem Kontakt zu einer positiv auf Covid-19 getesteten Person in Quarantäne. Zudem wurde der Landkreis St. Wendel damals Corona-Risiko-Gebiet. Das Spiel wurde daher wenige Stunden vor dem Beginn abgesagt.

Nun scheiterte auch der zweite Versuch. „Der Abbruch ist die richtige Entscheidung. Weiterzuspielen, wäre viel zu gefährlich gewesen“, fand Disch. „Die Beschädigung ist genau an der Stelle, wo die Mittelblocker regelmäßig hochspringen.“ Ähnlich sah es auch Rauch: „Die Gefahr für die Spieler ist viel zu hoch. Wir haben zwar auf die Schnelle versucht, noch was zu reparieren. Aber wir bekommen das nicht so stabil, wie es bei der Belastung für den Boden notwendig wäre.“ Der TV Bliesen und Freiburg gehen davon aus, dass die Partie neu angesetzt wird – und vielleicht sind ja wirklich aller guten Dinge drei.

Vor der Unterbrechung war Bliesen zunächst nicht gut in die Partie gekommen. Im ersten Satz (25:18) dominierte Freiburg. Kurz vor Ende des Durchgangs reagierte Disch: Für den mit einer Knieblessur angeschlagenen Luxemburger Steve Weber kam der 16-jährige Fynn Krämer ins Spiel, der in der Folge bis zum letzten Ballwechsel auf dem Feld blieb. „Diese Umstellung hat super funktioniert. Fynn hat sich das über die Trainingsleistung verdient.“

Der „Jungspund“ zeigte eine starke Leistung. „Mit ihm hat der TV Bliesen einen Spieler, der vieles erreichen kann“, lobte auch Disch den Nachwuchs-Akteur. Im zweiten Satz sah es so aus, als sollte dieser klar an Bliesen gehen. Beim Stand von 24:20 hatten die Gastgeber vier Satzbälle, die jedoch alle vergeben wurden. Schließlich sicherten sich die Nordsaarländer den Durchgang aber doch noch mit 28:26.

„Das war sehr wichtig für die Mannschaft“, pustete Disch durch. Denn in der jüngeren Vergangenheit war es dem Aufsteiger schon öfter passiert, dass er Sätze trotz Führung nicht gewinnen konnte. Im dritten Satz ging es dann ausgeglichen zur Sache – bis zum Abbruch.

Für den TV stehen nun zwei weitere Heimspiele an – gegen zwei Gegner vom Bodensee, gegen die die Ausgangslage unterschiedlicher nicht sein könnte: Am Samstag um 17 Uhr geht Bliesen als Favorit gegen das sieglose Schlusslicht Volley YoungStars Friedrichshafen in die Partie. Einen Tag später um 16 Uhr ist das Team gegen den Tabellenvierten TSV Mimmenhausen, mit Ex-Nationalspieler Christian Pampel als Spielertrainer, Außenseiter.

Bliesens Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz vergrößerte sich am Samstag auf sieben Punkte, da Konkurrent Mainz-Gonsenheim mit 3:2 in Friedrichshafen siegte. Die Rheinhessen haben allerdings zwei Partien mehr absolviert als der TV.