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Solidarisierungsaktion der Pfarrgemeinde St. Wendelin mit Carola Rackete

Flut über das Mittelmeer : „Welch ein Armutszeugnis für Europa“

Humanitäre Hilfe für alle Flüchtlinge auf der Insel Lampedusa und die Freilassung von Kapitänin Carola Rackete hat die Pfarrgemeinde St. Wendelin bei einer Demonstration gefordert.

Mehr als 100 St. Wendler haben am Sonntag auf der Treppe der Wendelinus-Basilika gegen die Festnahme der Sea-Watch-3-Kapitänin Carola Rackete protestiert und humanitäre Hilfe für alle ankommenden Flüchtlinge auf der Insel Lampedusa gefordert.

Die Pfarrgemeinde St. Wendelin hatte gerade die Planungen zur Solidarisierungsaktion abgeschlossen, da wurde sie von einer neuen Nachricht aufgeschreckt. Kapitänin Rackete war in der Nacht zum Samstag festgenommen worden, nachdem sie ihr Schiff mit 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte. Der 31-Jährigen drohen in Italien bis zu zehn Jahre Gefängnis. Laut Sea-Watch-Sprecherin Giorgia Linardi werde Rackete unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen.

„Was für ein Europa!“, sagte der St. Wendeler Pastor Klaus Leist am Sonntagabend. Eine beherzte, mutige Frau, die Menschenleben gerettet und sich für diese Menschen eingesetzt habe, werde in Haft genommen und angeklagt. „Welch ein Armutszeugnis für Europa, welch ein Skandal für Europa, welch ein Bild des christlichen Abendlandes“, sagte Leist. Der italienische Innenminister Matteo Salvini sieht dies anders. „Verbrecherische Kapitänin festgenommen, Piratenschiff beschlagnahmt, Höchststrafe für die ausländische Nichtregierungsorganisation“, twitterte der italienische Politiker.

Seit dem Jahre 2013 pflegt die Pfarrei St. Wendelin eine Partnerschaft mit der Inselpfarrei Lampedusa und deren Kirchenmann Don Carmelo La Marga. „Auf Lampedusa ist die Tragödie jeden Tag gegenwärtig. Das ungeplante Ankommen von Flüchtlingen wird bleiben und auf der Insel herrscht 24 Stunden Alarmbereitschaft“, sagte Anton Stier, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Viele der Migranten würden in kleinen Booten ankommen, auf Lampedusa medizinisch versorgt und viele von ihnen dann wieder zurückgeschickt. Eingehüllt in Rettungsdecken hatten Don Carmelo und seine Pfarrangehörigen zehn Tage auf dem Kirchenvorplatz übernachtet, um mit der Protestaktion weltweit auf die menschenunwürdige Situation aufmerksam zu machen. Mit 63 Rettungsdecken ausgestattet, mehr waren auf die Schnelle nicht zu besorgen, erklärte Stier, symbolisierten die St. Wendeler ihre Solidarität mit Don Carmelo und dem Schicksal der Flüchtlinge.

Ein italienisches Boot der Küstenwache patrouilliert neben dem Rettungsschiff Sea-Watch 3 im Mittelmeer vor der Küste der süditalienischen Insel Lampedusa. Foto: dpa/Matteo Guidelli
Carola Rackete aus Kiel ist die Kapitänin der Sea-Watch 3. Das Foto wurde an Bord des Rettungschiffs aufgenommen. Foto: dpa/Till M. Egen

„Wir wollen ihn und seine Helfer, in deren Arbeit unterstützen, den Flüchtlingen menschlich und christlich zur Seite zu stehen“, erläuterte Leist. Und das auch auf dem finanziellen Weg. Der Spendenbetrag in Höhe von 3000 Euro wird von der Pfarrgemeinde nach Lampedusa überwiesen. „Unsere Solidarität hat in den zurückliegenden sechs Jahren nicht abgenommen, sondern zugenommen“, stellte Leist fest. Neben Gebeten wurde eine Schweigeminute eingelegt, um die Schreie der Menschen nicht zu überhören und deren Elend nicht zu übersehen. „Das Glockengeläut soll in die Herzen der Menschen hineinläuten, und uns alle mahnen, damit wir aufstehen und tatkräftig helfen“, appellierte Leist. Abschließend forderte er alle Anwesenden vor der Basilika auf, sich solidarisch mit den Menschen auf Lampedusa und  Kaptänin Rackete zu verhalten. „Lassen wir unsere Herzen und Stimmen nicht verstummen und treten wir ein für eine heilere und menschlichere Welt“, plädierte Pastor Leist.