So war der Internationale Wettbewerb der Straßenzauberer in St. Wendel

Internationaler Wettbewerb der Straßenzauberer in St. Wendel : „Bei den Effekten konnte ich nicht dahinter blicken“

Beim Wettbewerb der Straßenzauberer in St. Wendel beeindruckten die Magier nicht nur die Besucher, sondern begeisterten auch die Jury-Mitglieder.

16 Magier von vier Kontinenten verblüfften Tausende Besucher. Mit ihren Shows sorgten sie beim 19. Internationalen Wettbewerb der Straßenzauberer in St. Wendel dafür, dass sich der ungläubige Gesichtsausdruck des Zuschauers schnell in ein erstauntes Lachen umwandelte. Magie, Mystik, optische Täuschungen und Effekte, damit funktionierte das Schauspiel direkt vor dem Auge des Betrachters. Und ein Neuling auf dem Pflaster in der Kreisstadt verzauberte alle: Txema aus Spanien gewann mit einer durchgestylten, trickreichen Show und seiner grandiosen Mimik ohne ein Wort zu sagen den ersten Preis beim Wettbewerb. „Ich bin super happy“, jubelte der 30-jährige Künstler aus Barcelona dafür hinterher umso mehr.

Während der vom Duo Wallstreet-Theatre mit staubtrockenem englischen Humor moderierten Freiluft-Zaubergala auf dem Schlossplatz packte Txema noch einmal die besten Kniffe aus. Seine Armbanduhr tauchte in einem kleinen Briefkuvert auf. Und völlig irre: Er zerriss mehrfach die Seiten einer Zeitung in Stücke, knetete daraufhin das Papierknäuel in seiner Faust zusammen und zog abschließend wieder die vollständigen und lesbaren Blätter der Zeitung heraus. Mit einer toll durchgestylten pantomimischen Darbietung inklusive super Tricks hatte der Spanier auch die sechs Jury-Mitglieder überzeugt. „Bei den Effekten habe ich nicht dahinter blicken können“, gestand Juror Eberhard Riese, seines Zeichens Präsident des Magischen Zirkels von Deutschland.

Auf drei Aktionsflächen waren die Magier zwei Tage gefordert, um ihr Können zu zeigen. „St. Wendel ist das größte Straßenzauberer-Festival in Deutschland“, legte Riese den Stellenwert der Veranstaltung fest. Die Aufgabe für die markanten Figuren war klar: Effekte präsentieren, wofür es keine rationale Erklärung gibt. „Und dabei müssen sie zusätzlich die Zuschauer unterhalten können“, ergänzte Riese. Stammgast Ted Mc Koy aus Schottland beherrscht mit viel Ruhe seit Jahrzehnten sein Handwerk und kam hinter Txema auf Platz zwei. Rang drei ging an zwei unterschiedlich charismatische Typen. Der lautstarke Saarbrücker Mittelalter-Wegelaberer Kalibo vollzog bei seinem Wettbewerbsdebüt mit jeder Menge Wortwitz gleich „das Wunder zu St. Wendel“. Perfekt und ohne Worte hatte der Chilene Flash Gonzalez seine sogenannte „stumme Nummer“ um eine herrlich, beknackte Angeltour erweitert und fing drei Fische.

Laut Riese hat der Magische Zirkel in den zurückliegenden Jahren eine Trendwende bei der Straßenzauberei festgestellt. „Die stummen Nummern mit Musikbegleitung sind gefragt. Mit Musik und Pantomime wird das Publikum auf einer anderen Ebene erreicht, es ist auch ein Zeichen der Professionalität“, erläuterte er. Ein Comedy-Zauberer, ergänzte er weiter, müsse unterhalten können und sich als authentische wie auffällige Figur zeigen. Diese Kriterien waren in der Kategorie Beste Comedy zu erfüllen, um ganz vorne zu landen. Der Sonderpreis wurde gleich zweimal vergeben. Und mit dem Franzosen Amazing Georges beeindruckte ein weiterer Neuling. Der mit den Augen lachende Straßenclown aus der Nähe von Marseille besitzt neben seinen Tricks noch die Fähigkeit das Publikum mit Rollenspielen ins Programm zu integrieren.

„Ich liebe die Veranstaltung in St. Wendel, die Atmosphäre ist sehr schön“, meinte Amazing Georges (31), der seit fünf als Straßenzauberer unterwegs ist. Als Arbeit empfinde er den Job nicht. „Ich will Spaß haben und ich denke, dass merken die Zuschauer und finden das gut“, sagte der Südfranzose. Den Sonderpreis teilte er sich mit Braidon Morris aus Lancaster in Schottland, dem Entertainer im karierten Anzug. Morris, der weder seiner Muttersprache noch dem Deutsch mächtig ist, zauberte mit denglischen Akzent und vielen Sprachverdrehern.

Der Sonderpreis in der Kategorie Beste Comedy ging unter anderem an Amazing George. Der Straßenclown integrierte das Publikum in seine Nummer. Foto: B&K/Bonenberger/
Der Gewinner des Zauberwettbewerbs heißt in diesem Jahr Txema. Er kommt aus Spanien und war zum ersten Mal in St. Wendel am Start. Foto: B&K/Bonenberger/
Flash Gonzales aus Chile fing bei seiner Show gleich mehrere Fische. Foto: B&K/Bonenberger/

Doch nicht alle Künstler konnten beim diesjährigen Wettbewerb die Erwartungen erfüllen , vermittelten zu wenige Tricks oder präsentierten dem Stammzuschauer ein bereits bekanntes Programm. „Ich habe viele Sachen gesehen, die ich schon kannte“, was selbstredend auch Juror Riese auffiel. Bei der Straßenzauberei geht es neben der Fingerfertigkeit darum, die Menschen zum Stehenbleiben zu bewegen und die Zuschauer so zu faszinieren, dass sie am Ende ihren Obolus in den Hut schmeißen. Denn neben dem „Hutgeld“ bekommen die Künstler nur eine geringe Aufwandsentschädigung, aber keine Gage. Ganz ohne Wettbewerbsdruck waren die Magier dann noch am Sonntag beim Familien-Zauberfest im Einsatz.