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So ist der Corona-Alltag in Wohngruppen der Stiftung Hospital St. Wendel

Corona-Alltag in Jugend-Wohngruppen : Kreativ durch die Corona-Krise

Die aktuelle Pandemie hat den Alltag der Kinder und Jugendlichen, die in Wohngruppen leben, verändert. Die Jugendhilfe-Leiterin der Stiftung Hospital lobt deren Geduld, aber auch die Leistung ihres Teams.

Die Sonne strahlt vom Himmel, lockt regelrecht nach draußen. Jetzt ließe sich doch eigentlich prima mit Freunden treffen und zusammen kicken. Wenn da nicht Corona wäre. Die Freizeit überwiegend drinnen verbringen zu müssen, fällt Kindern und Jugendlichen in diesen Tagen schwer. Das gilt für jene, die mit Mama und Papa unter einem Dach aufwachsen, ebenso wie für jene, die zusammen mit Erziehern in Wohngruppen leben.

„Sie sind tapfer und halten durch“, lobt Astrid Schmitt-Jochum, Leiterin des Jugendhilfe der Stiftung Hospital St. Wendel. Wobei der Lagerkoller auch hier und da mal spürbar sei. „In den Wohngruppen leben junge Menschen mit balastenden Kinderheitserlebnissen“, erläutert Schmitt-Jochum. Dazu zählt beispielsweise Vernachlässigung. „Es sind keine Kinder, die sich hinsetzen und weinen, wenn es ihnen schlecht geht. Sie reagieren mit Wut und Weglaufen“, weiß die Leiterin. In der Kinderwohngruppe der Stiftung leben Mädchen und Jungen ab acht Jahren, für Zwölf- bis 18-Jährige gibt es zwei Mädchen- und vier Jungenwohngruppen.

Corona hat den Alltag der betreuten Jugendlichen komplett durcheinander gewirbelt. Das gilt auch für die Fünf-Tage-Wohngruppe. Wie der Name bereits verrät, sind es die jungen Menschen gewöhnt, am Wochenende nach Hause zu fahren. Das fällt jetzt weg. Auch sie leben nun die ganze Woche zusammen wie in den anderen Wohngruppen auch. Die Gefühlslage der Betreuten beschreibt Schmitt-Jochum als ein Gemisch aus Wut, Heimweh und Unzufriedenheit. „Auf der anderen Seite gibt es aber auch noch mehr Gemeinsamkeit. Die Kinder helfen sich gegenseitig bei den Schulaufgaben oder spornen sich an.“ Einmal pro Tag gibt es ein Corona-Update. Dann sitzen alle zusammen vor dem Fernseher und schauen Nachrichten oder ein Betreuer liest in der Runde aus Zeitungsberichten vor. Die jungen Menschen sollen verstehen, was das Coronavirus bedeutet. Und warum die „strengen Hygienemaßnahmen in den Gruppen“ gelten.

„Die Kinder und Jugendliche lassen sich auf die neue Situation gut ein“, lobt Schmitt-Jochum. Was allerdings stetig wachse, ist der Wunsch nach Aktivitäten im Freien. Und den können die Betreuer nun auch der ganzen Wohngemeinschaft erfüllen. Wie die Jugendhilfe-Leiterin berichtet, gab es gute Nachrichten aus dem St. Wendeler Rathaus. „Unsere Gruppen werden als Haushaltsgemeinschaft anerkannt und mit entsprechenden Bescheinigungen dürfen mehrere Jugendliche mit den Betreuern raus“, sagt Schmitt-Jochum erleichtert. In der Regel wohnen acht oder neun Jugendliche zusammen in einem Wohnprojekt der Stiftung Hospital. Laut Allgemeinverfügung war es ihnen bis zuletzt nicht gestattet, gemeinsam unterwegs zu sein. Schmitt-Jochum konnte verstehen, dass es anderen ein falsches Signal senden könnte, wenn Erzieher mit einer Gruppen Jugendlicher durch den Wald spazierten. Trotzdem hoffte sie auf eine Ausnahme-Regelung. Die ist nun da und die Freude darüber groß.

Freuen dürfte die Kids auch, dass in Zeiten von Corona die Regeln zur Handynutzung etwas gelockert sind. „Sie dürfen telefonieren und skypen“, sagt Schmitt-Jochum. Das ist der einzige Kontakt zu den Eltern momentan. Die Kinder hätten auch Ängste oder sorgten sich um Angehörige wie Oma und Opa.

Bei der Freizeitbeschäftigung drinnen ist teilweise Kreativität gefragt. Die Betreuer lassen sich einiges einfallen. „In einer Gruppe sind zwei Mitarbeiter komplett eingezogen und renovieren die Zimmer der Jugendlichen“, berichtet die Jugendhilfe-Leiterin. Es werden auch Fahrräder repariert und eine Gruppe legt ein Hochbeet im Garten an. Zwischendurch darf es auch mal das klassische Gesellschaftsspiel sein, wobei eine Mitarbeiterin die Vermutung geäußert habe, dass die Kinder bei den Brettspielen mitgemacht haben, damit sie nicht so traurig ist.

So gestalten die Jugendlichen in den Wohngruppen den neuen Corona-Alltag. Foto: Grundhöfer-Degel Foto: Grundhöfer-Degel
Hausaufgaben erledigen, obwohl unterrichtsfrei ist, gemeinsam Räume umgestalten oder mit dem Fahrrad raus in die Natur: So gestalten die Jugendlichen in den Wohngruppen der Stiftung Hospital St. Wendel den neuen Corona-Alltag. Foto: Grundhöfer-Degel

Es ist ihr anzuhören: Astrid Schmitt-Jochum ist stolz. Stolz, wie die betreuten Kinder den neuen Alltag bisher meistern. Und vor allem stolz auf ihr Team. „Meine Mitarbeiter machen einen tollen Job, sind zum Glück alle gesund. Nichts ist ihnen zu viel“, sagt die Jugendhilfe-Leitern. Rund um die Uhr seien sie für andere Kinder im Einsatz und müssen die Betreuung für die eigenen irgendwie regeln. Klagen über die Belastung, Fehlanzeige. Rückendeckung für die stationären Wohngruppen gibt es von Mitarbeitern aus den Tagesgruppen oder den Familienberatungszentren. Sie helfen aus, übernehmen mal eine Nachtschicht, um die Kollegen zu entlasten. Integrationshelfer unterstützen die Mädchen und Jungen bei den Schulaufgaben. „Das ist wirklich toll“, sagt Schmitt-Jochum. Sie spüre den Zusammenhalt, außerdem lernten die Mitarbeiter so nochmal andere Arbeitsbereiche kennen.