So gehts Hund Cody aus dem Tierheim Linxbachhof in Niederlinxweiler

Mysteriöse Entführung : Was geschah mit Hund Cody?

Nach der Entführung des Rüden aus dem Tierheim Linxbachhof sind weiterhin viele Fragen ungeklärt. Ein Dieb hatte das Tier Ende November gestohlen. Vor wenigen Tagen tauchte plötzlich der angebliche Finder auf und brachte Cody zurück.

Cody versteht die Welt nicht mehr. „Seit seiner Rückkehr ist der Rüde ganz schön durch den Wind“, sagt Dirk Walter. Der Leiter des Tierheims Linxbachhof geht davon aus, dass die Entführung für den Hund wie eine fehlgeschlagene Vermittlung war. „So wie es aussieht, ging es ihm in den vergangenen Wochen richtig gut“, erzählt Walter weiter. Demnach habe Cody in einer Familie gelebt. Er genoss die Schmuseeinheiten, tobte mit seiner Hundefreundin auf der Wiese und durfte sogar auf der Couch schlafen. Seit Sonntag sitzt der reinrassige Dogo Argentino wieder im Zwinger. Für ihn ist das Abenteuer beendet. Doch bei der Polizei laufen die Ermittlungen.

Was war passiert? In der Nacht auf den 30. November ist eine bislang unbekannte Person in das Niederlinxweiler Tierheim eingebrochen. Wie die Polizei damals mitteilte, hatte der Täter das Vorhängeschloss des Eingangstors geknackt. Anschließend befreite er Cody aus dem Zwinger und flüchtete mit ihm. Laut Walter ereignete sich die Tat gegen 3.05 Uhr. Aufzeichnungen der Überwachungskamera ließen vermuten, dass es sich bei dem Ganoven um einen Mann handele. „Er hat eine Jacke mit Reflexionsstreifen getragen und sich eine Zigarette angezündet“, beschreibt Walter. Mehr sei auf dem Video allerdings nicht erkennbar.

Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren ein und bat die Bevölkerung um Hinweise. Medien berichteten über das Verschwinden des fünfjährigen Hundes. Und das Tierheim versuchte, über Facebook den entführten Vierbeiner zu finden. Erfolglos. Von dem Rüden fehlte jede Spur. Bis sich am vergangenen Wochenende plötzlich der angebliche Finder meldete. „Der Mann erzählte, dass er Cody schon vor Längerem bei sich aufgenommen habe. Von der Suchaktion hätte er nichts gewusst“, berichtet Walter. Anschließend habe er versprochen, den Hund zurückbringen. Die Tierheim-Mitarbeiter alarmierten daraufhin die Polizei.

„Es liegt die Vermutung vor, dass der angebliche Finder auch der Dieb sein könnte“, sagt Marco Ames, Sprecher der St. Wendeler Polizei. Am Sonntagnachmittag seien seine Kollegen daher zur Übergabe nach Niederlinxweiler gefahren. Dort hätten sie einen 30-jährigen Mann aus Ottweiler angetroffen, der Cody an der Leine hatte. „Er gab an, dass ihm der Rüde Mitte Dezember auf einem Feldweg zugelaufen sei“, sagt Ames. Der Dogo Argentino habe sich auf Anhieb super gut mit seiner eigenen Hündin verstanden. Und weil der Mann angeblich nicht wusste, wem Cody gehört, habe er ihn mitgenommen.

„Irgendetwas ist an dieser Geschichte nicht rund“, findet Ames. Selbst wenn die Aussagen des Mannes aus Ottweiler stimmen würden, hätte er die Polizei von seinem Fund in Kenntnis setzen müssen. „Es liegt hier definitiv eine Straftat vor“, betont Ames. Er erklärt, dass ein Lebewesen aus ethischen Gründen zwar einen höheren Stellenwert habe. Dass die Entwendung Codys aus polizeilicher Sicht jedoch wie ein Diebstahl-Delikt behandelt würde. „Auch wenn der Hund wieder zurück ist, wird die Sache ausermittelt“, erläutert der Polizei-Sprecher.

Die Mitarbeiter des Tierheims Linxbachhof rätseln derweil ebenfalls weiter, was es mit der Entführung auf sich hatte. „Es gab in der vergangenen Zeit keine Interessenten für Cody, bei denen wir die Vermittlung abgelehnt haben“, sagt Walter. Der Vorsitzende des Neunkircher Tierschutzvereins, der Träger des Heims ist, kann sich daher nicht erklären, warum jemand den Rüden gestohlen hat. Auch den angeblichen Finder habe zuvor niemand im Tierheim gekannt.

Um Ganoven in Zukunft abzuschrecken, plant Walter, die Anlage aufzurüsten. Es sollen zwei weitere Kameras und mehrere Lampen mit Bewegungsmelder installiert werden. „Das kostet uns wieder ein kleines Vermögen“, stöhnt der Tierheimleiter. Doch er will in jedem Fall verhindern, dass nochmal ein Tier gestohlen wird. Denn obwohl Cody glimpflich davon gekommen ist, sei die Aktion doch stressig für ihn gewesen. „Er versteht das ganze Hin und Her ja nicht“, sagt Walter. Er hofft daher, dass der Rüde bald ein Zuhause finden wird, in dem er sich von den Strapazen erholen und zur Ruhe kommen kann.

Wer weitere Hinweise zu Codys Entführung hat, kann sich an die Polizeiinspektion (PI) St. Wendel wenden, Tel. (0 68 51) 89 80.

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