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So arbeiten die Mitarbeiter in den Rathäusern in Freisen und Tholey

Kostenpflichtiger Inhalt: Rathäuser in Zeiten von Corona : Als letzte Bastion für die Bürger im Einsatz

In Zeiten von Corona hat sich auch das Arbeiten in den Rathäusern des Landkreises verändert. Exemplarisch hat die Saarbrücker Zeitung in den Verwaltungen in Tholey und Freisen vorbeigeschaut.

Die Sonne strahlt an diesem Vormittag auf den Rathausvorplatz in Freisen. Eine Dame mit weißem Haar schlendert in Richtung Eingang. Dann bemerkt sie den Aufsteller vor der Tür und hält inne. Aufmerksam liest sie die Instruktionen und drückt schließlich auf den Klingelknopf. Sekunden später öffnet sich nicht wie erwartet die Tür, sondern ein Fenster im ersten Stock. Verwaltungsmitarbeiter Sascha Wolter fragt lächelnd, was ihr Anliegen sei. Antwort: „Wie lange dauert es, einen Reisepass zu bekommen?“ „Aufgrund der aktuellen Situation länger“, merkt Sascha Wolter an. „Aber wohin wollen sie denn jetzt reisen?“ Die beiden einigen sich schließlich darauf: Das Anliegen hat noch Zeit.

Die meisten Rathäuser im Landkreis St. Wendel haben derzeit ihre Pforten geschlossen. Sind aber per Mail und Telefon zu erreichen, um sich den Anfragen der Bürger anzunehmen. So ist es auch in der Freisener Verwaltung. „Wer vorbeikommt, wird auch mal vom Bürgermeister direkt am Fenster bedient“, sagt Karl Josef Scheer (SPD) und lächelt. Der Verwaltungschef hat seinen Arbeitsplatz von seinem Büro in die Kommandozentrale verlegt. So nennt er jenes Besprechungszimmer im ersten Stock, in dem alle Fäden zusammenlaufen. Zu fünft sitzt – mit gehörigem Abstand – hier der Krisenstab an einem langen Tisch zusammen. Telefone, Laptops und Nervennahrung in Form von süßen Gummitieren stehen darauf bereit. An der Wand hängt ein Fernseher, auf dem – ohne Ton – die aktuellsten Nachrichten zur Corona-Pandemie flimmern. Neben dem Bürgermeister sind aktuell Sascha Wolter, Michael von Ehr und Christian Alles in der Zentrale. Bereits seit der vergangenen Woche gibt es den Krisenstab. Alle Entscheidungen, die hier gefällt werden oder Probleme, die auftauchen, werden als schriftliche Notiz in eine Art Drehbuch aufgenommen, erläutert Scheer. So ließe sich später nochmal alles nachvollziehen.

Dicke Stapel mit den neusten Verordnungen der Landesregierung, beispielsweise zu den Schließungen der Geschäfte liegen griffbereit. Es vergehen kaum ein paar Minuten, in denen das Telefon nicht klingelt. Es gibt Unsicherheiten bei Ladenbesitzern, was nun in Sachen Hygiene alles zu beachten sei. Ruhig gibt Sascha Wolter Auskunft.

Ein besondere Bedeutung misst Bürgermeister Scheer in diesen Tagen der modernen Kommunikation zu – sowohl im privaten Bereich als auch in der Verwaltung. „Regelmäßig informieren wir die Bürger über neue Entwicklungen auf unserer Homepage“, erläutert Scheer. Dort sind auch Formulare für die Notbetreuung in den Kitas eingestellt. Von der Kommandozentrale aus werden zusätzlich die sozialen Netzwerke bedient.

Es gibt derzeit viele Sorgen und Nöte von Bürgern, Geschäftsleuten und Arbeitnehmern, die auch beim Krisenstab auflaufen. Teils kann dieser Lösungen finden. So beispielswiese für das Reinigungsteam, das normalerweise im Weiselbergbad eingesetzt ist. Das ist derzeit geschlossen, es gibt lediglich eine Notbesetzung. Die Reinigungsdamen hätten die Möglichkeit, jetzt Überstunden abzufeiern. Da sie aber arbeiten wollen, wurden sie nun mit der Grundreinigung gemeindeeigener Dorfgemeinschaftshäuser beauftragt. „Wir wissen, wie schwierig die Situation für die Menschen ist.“

Umso schöner ist da die Nachricht, dass es in Sachen Solidarität gut läuft. 50 ehrenamtliche Helfer wollen sich in der Nachbarschaftshilfe in allen Ortsteilen der Kommune engagieren. In diesem Zusammenhang dankt Scheer allen Ortsvorstehern. „Sie sind wichtig, denn sie sind nah dran an den Menschen und wissen, wer Hilfe braucht.“

Es gehe jetzt darum, Ruhe zu bewahren und sich zu informieren. „Die Gesellschaft muss jetzt denen etwas zurückgeben, die uns zu diesem Wohlstand verholfen haben“, sagt Scheer und meint damit die ältere Bevölkerung. Das Rathaus sieht er als eine Art letzte Bastion, die für die Bürger da ist. Die 20 Mitarbeiter sitzen je allein im Büro. In der Hälfte der Schicht wird noch einmal alles desinfiziert. „Wir sind derzeit 70 Stunden in der Woche hier“, sagt Scheer. Das Telefon klingelt, die nächste Konferenz steht an.

Ortswechsel. Die Tür zum Bürger-Service-Center im Tholeyer Rathaus öffnet sich ganz automatisch. Der Besucher kann eintreten. Eigentlich wie immer. Doch in dem Vorraum vor der nächsten Glastür ist Schluss. Ein Schild verweist auf ein Telefon, das sonst nicht hier steht. Einmal die 25 wählen und schon sagt eine freundliche Stimme: „Was kann ich für sie tun?“ An dieser Stelle entscheidet sich dann auch, ob das Anliegen tatsächlich den persönlichen Kontakt mit einem Mitarbeiter erfordert. Verschiedene Schilder weisen auf Corona-Hygiene und Begrüßungsriten hin.

Einen kurzen Augenblick später öffnet sich die Tür. Matthias Wöllner hat für einen Augenblick sein neues Büro verlassen. Corona hat ihn zum Umzug in den Keller gezwungen – zur Sicherheit. Wöllner ist für die zentrale Steuerung der Verwaltung zuständig und zugleich Ansprechpartner für die Mitarbeiter. „In den ersten Minuten in dem neuen Büro war es schon komisch, so ruhig“, berichtet Wöllner. Aber dann habe er richtig gut arbeiten können. Inzwischen sei es mit der Stille schon wieder vorbei, gesteht er und lächelt. „Dauernd klingelt das Telefon. Was früher persönlich geklärt wurde, passiert jetzt übers Telefon.“

Bürgermeister Herrmann Josef Schmidt (CDU) hat seine Verwaltung ordentlich durcheinandergewirbelt, um seine Mitarbeiter zu schützen. „Wir haben den Zugang zum Rathaus für die Bürger deutlich eingeschränkt“, sagt Schmidt. Er wünscht sich, dass sich die Menschen mit ihren Anliegen per Mail und Telefon ans Rathaus wenden.

In den Büros sitzt jeweils nur ein Mitarbeiter. Außerdem sind die vier Bereiche der Verwaltung unabhängig voneinander untergebracht. Zusätzlich zu den Räumen im Rathaus nutzt der Bürgermeister auch das Feuerwehrgerätehaus in Bergweiler. Dort sind drei Mitarbeiter untergebracht sowie der EDV-Experte der Gemeinde. „Er ist von allen abgekoppelt“, sagt Schmidt.

Vor und während der Schicht lässt der Bürgermeister Türgriffe und Ähnliches desinfizieren. „Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Funktionsfähigkeit der Verwaltung aufrecht zu erhalten und das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu bringen.“ Es ist dem Verwaltungschef wichtig, dass er und sein Team für die Bürger ansprechbar bleiben. Außerdem würden Homepage und Facebook-Auftritt der Gemeinde stets mit neuen Informationen bestückt.

„Es läuft alles entspannt“, beschreibt Schmidt. Untereinander kommunizieren die Verwaltungsmitarbeiter per Telefonkonferenz oder Video-Chat. Was ebenfalls funktioniert, ist die Nachbarschaftshilfe in der Gemeinde. Einen Einkaufsservice für ältere Menschen oder Corona-Risikogruppen gibt es in jedem Ortsteil (wir berichteten).

Covid-19 hat nicht nur den Alltag der Menschen komplett auf den Kopf gestellt, sondern ihn in gewisser Weise auch nochmal beschleunigt. Ständig neue Fallzahlen, neue Verordnungen. Das spürt auch die Verwaltung. „Kaum haben wir einen Schritt umgesetzt, ist der nächste schon in Planung. Alles ist im Fluss“, beschreibt Mathias Wöllner. Und so steht für das Team von Hermann Josef Schmidt am Montag die nächste Neuerung an.

Die Tür zum Bürger-Service-Zentrum des Rathauses Tholey ist noch geöffnet. Foto: Evelyn Schneider
Per Telefon können Besucher Kontakt zu den Rathaus-Mitarbeitern in Tholey aufnehmen. Foto: Evelyn Schneider

Ab dann gibt es für die Mitarbeiter einen zweigeteilten Schichtdienst: Sie sind entweder von 8 bis 12 Uhr oder von 13 bis 17 Uhr im Rathaus. Der Wechsel laufe ohne persönlichen Kontakt ab. Davor oder danach arbeiten sie von zuhause aus. Wieder eine andere Arbeitswelt, ein neuer Alltag.