So aktuell wie vor 160 Jahren

Die Kolpingfamilie St. Wendel gibt es seit 160 Jahren. Sie ist die älteste im Saarland. Das Jubiläum feierte die Kolpingfamilie am Sonntag. Die Ideen von Adolf Kolping, der Einsatz für sozial Benachteiligte, seien heute noch so wichtig wie damals, so der Tenor des Festtages.

"Gehen wir in den Spuren Kolpings in den Schuhen unserer Zeit auf den Straßen unserer Welt!" Mit dieser Aufforderung beendete der Bundespräses des Kolpingwerkes, Josef Holtkotte, am Sonntagmorgen seine Predigt in der Wendelinusbasilika. Mit dem Festgottesdienst in der St. Wendeler Kirche begann das Jubiläumsfest zum 160-jährigen Bestehen der Kolpingfamilie St. Wendel .

Ein Dutzend Vertreter der Kolpingfamilien aus der Region trugen zu Beginn der Messe die Fahnen ihrer Vereine in die Kirche, stellten sie vor dem Hochaltar auf. Den Gottesdienst zelebrierte Josef Holtkotte, unterstützt von Pastor Klaus Leist und Pastor Erwin Recktenwald. Musikalisch gestalteten der Chor der Wendelinusbasilika unter der Leitung von Stefan Klemm sowie Martina Haßdenteufel an der Orgel den Gottesdienst.

Adolf Kolping, Schumacher und Priester, habe das Leid und die Not in seiner Zeit gesehen, sagte Holtkotte in seiner Predigt. Er habe eine Gemeinschaft gegründet, in der unterschiedliche Menschen ihren Platz haben. Das Kolpingwerk sei heute in vielen Ländern der Erde vertreten. Kolpings Ideen in der heutigen Zeit umzusetzen, darin sieht der Bundespräses die Aufgabe des Kolpingwerkes.

Dass die Ideen von Adolf Kolping, der von 1813 bis 1865 lebte und Wegbereiter der katholischen Soziallehre ist, heute so aktuell sind wie damals, das zog sich wie ein roter Faden durch die Festreden an diesem Tag. So heißt es im Leitbild des Kolpingwerkes: "Schwerpunkte unseres Handelns sind: Die Arbeit mit und für junge Menschen, unser Engagement in der Arbeitswelt, mit und für die Familie und für die Eine Welt". Und dies alles auf der Grundlage des christlichen Glaubens.

"Was bedeutet es, 2016 in den Schuhen von Adolf Kolping zu stehen?", frage Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) als Festrednerin bei der anschließenden Feier im voll besetzten Cusanushaus. Kolping habe die Arbeits- und Lebensumstände der Menschen nicht als gegeben hingenommen. Kramp-Karrenbauer erinnerte daran, dass auch heute Chancengleichheit längst nicht überall gilt, dass es Familien gibt, die in der zweiten und dritten Generation Sozialhilfe beziehen. Kolping habe auch erkannt, dass Verbesserungen nur in einer Gemeinschaft gelingen können. Die Ministerpräsidentin: "Wir brauchen eine solidarische Gemeinschaft. Das macht Kolping so aktuell wie selten zuvor." Sie spannte in ihrer Rede den Bogen von der im Grundgesetz festgeschriebenen Würde des Menschen, die nicht mehr von allen akzeptiert werde, über die Bedeutung der Familie bis zur Aufnahme von Flüchtlingen. Hier müsse man klar Stellung beziehen. Die Ministerpräsidentin: "Die Zeiten sind im Moment alles andere als einfach." Und weiter: "Nur die besseren Menschen machen die Zeiten besser. Es lohnt sich, das Vermächtnis Kolpings weiterzutragen."

Landrat Udo Recktenwald (CDU ) ging auf die Sozialpartnerschaft mit Vereinen wie der Kolpingfamilie ein. Dies sei eine enorme Entlastung für den Kreis. Der St. Wendeler Bürgermeister, Peter Klär (CDU ), unterstrich die christliche Tradition in der Stadt. So ist die Kolpingfamilie der drittälteste Verein in der Stadt. Übrigens ist sie die älteste Kolpingfamilie im Saarland, die Viertälteste im Bistum Trier , wie Kramp-Karrenbauer erwähnte.

Das Jubiläum nutzte die Kolpingfamilie, um den Verein "Kleine Hände" für dessen ehrenamtliches Engagement mit der Kolpingplakette auszuzeichnen. Die SZ-Redaktion St.Wendel erhielt die Kolping-Kachel für die Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit der Kolpingfamilie. Die Feier im Cusanushaus lockerte musikalisch die Cantica Wendelina unter Leitung von Stefan Klemm auf.

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 Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer bei der Festrede.
Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer bei der Festrede.

Hintergrund Adolf Kolping gilt als ein Sozialreformer der ersten Stunde. Er war Seelsorger, Publizist und Wegbereiter der katholischen Sozialbewegung. Er sorgte sich um heimatlose Handwerker in Not und gründete 1849 den ersten Gesellenverein. Mit 13 Jahren fristete er sein Dasein als Schuhmacher. Mit 22 Jahren beschloss er, Priester zu werden. Er machte in Köln sein Abitur, studierte Theologie und wurde Priester. Er engagierte sich mit großem Engagement gegen die zunehmende Verelendung von Arbeitern und Handwerkern. 1849 gründete er den Katholischen Gesellenverein, die Keimzelle des Kolpingwerkes. Kolping baute Zentren für Wohnen, Geselligkeit und Weiterbildung auf. Das Ziel war, den jungen Menschen eine Heimat zu geben. Der Seelsorger holte Tausende von jungen Menschen von der Straße. Er eröffnete ihnen durch Bildungsangebote die Möglichkeit, ihr Leben neu zu gestalten. Als er 1865 starb, waren in Europa und Nordamerika mehr als 220 Vereine mit 60 000 Mitgliedern aktiv. Papst Johannes Paul II. sprach den Sozialreformer 1991 selig (Quelle: Festschrift 150 Jahre Kolpingfamilie St. Wendel ). Die Kolpingfamilie St. Wendel , die seit Jahren von Hans-Werner Luther geführt wird, bietet im Bereich Erwachsenenbildung Vorträge, Info-Abende und Bildungsfahrten an. Sie engagiert sich auch in der Eine-Welt-Arbeit, besonders mit Hilfstransporten nach Litauen. vf