Seit 575 Jahren Hilfe für Menschen in Not

Seit 575 Jahren Hilfe für Menschen in Not

Die St. Wendeler St. Sebastianus-Bruderschaft ist laut Bruderschreiber Gerd Schmitt landesweit die älteste Personenvereinigung. Mit einem Pontifikalamt in der Basilika und Festakt im Stadtmuseum hat die Nothilfegemeinschaft ihr 575-jähriges Bestehen und soziales Wirken gefeiert.

Am Sonntag hat die St. Wendeler St. Sebastianus-Bruderschaft ihren 575. Geburtstag gefeiert (wir berichteten). "Es ist eine große Ehre für mich, das Pontifikalamt in der Wendelinusbasilika zelebrieren zu dürfen", freute sich der Tholeyer Abt Mauritius Choriol. Denn aus der historischen Mitgliederliste der Bruderschaft geht hervor, dass sich drei seiner Vorgänger in der Nothilfegemeinschaft für bedürftige Menschen engagierten. Die erste Eintragung eines Abtes erfolgte im Jahre 1652. Abt Maurus Groffinger spendete jährlich zwei Fass Korn, je eins für Brüder und Arme. Beim zweiten Abt soll es sich um Groffingers Nachfolger Mauritius Gralinger handeln, der bis 1712 Abt in Tholey war. Später folgte mit Abt Theobertus d'Hame, ein St. Wendeler. Voller Hochachtung blickte Pastor Klaus Leist auf das soziale Wirken der Bruderschaft. "Sie hat ununterbrochen den Menschen in unserer Stadt aus Solidarität geholfen", betonte Leist. Dies tue man, so führte Brudermeister Anton Stier an, mit offenen Augen und Ohren. "Armut geht uns alle an", appellierte Stier beim Festakt im Mia-Münster-Haus. 575 Jahre nach der Gründung stand während der Feierlichkeiten die Rückbesinnung zu den Ursprüngen der Bruderschaft im Mittelpunkt. "Die Lasten der Schwächeren und Armen zu tragen, gehört seit 575 Jahren zu den Kernaufgaben der Bruderschaft", meinte Stier. Und das geschieht diskret und anonym.

"Wir werden so gut wie nie von den Betroffenen selbst angesprochen", berichtete der 103. Bruderschreiber in der Geschichte der Nothilfegemeinschaft. Bruderschreiber Gerd Schmitt drehte in seinem Festvortrag die Zeit in der Kreisstadt bis ins Gründungsjahr 1441 zurück. "Für die damalige Zeit war es nicht außergewöhnlich, dass der Glaube den Tagesablauf bestimmt hat. Große Kirchenfeste waren deftige Volksfeste, die Leute lebten unter der Glocke der Kirche", berichtete Schmitt.

Nun habe die Sebastianus-Bruderschaft für einen kurzen Moment die Gelegenheit ihr Wirken im Verborgenen in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. "Wir wollen und müssen unseren Kreis an Mitgliedern erweitern. Zwei Drittel der 300 Brüder sind über 60 Jahre alt", teilte Schmitt mit. Alle halten nach wie vor an einem Anspruch fest, um selbstbewusst sagen zu können: Sein persönliches Werk im Sinne der Nächstenliebe getan zu haben.