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Schüler sprechen mit Stephan Gander über Nachhaltigkeit in Skigebieten

Zeitung macht Schule : „Der Tourismus bringt die Arbeitsplätze“

Jedes Jahr unternehmen die siebten Klassen des Cusanus-Gymnasiums in St. Wendel eine besondere Klassenfahrt: den Schulskikurs in den Alpen. Neben all dem Spaß, machten sich die Schüler Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit. Darüber sprachen Emilia Schneider und Ellen Holzhüter mit Stephan Gander, dem Schwiegersohn der Skilegende Gustav Thöni, der in Trafoi in Südtirol lebt.

Wie nachhaltig ist unser Schulskikurs in Trafoi?

Stephan Gander: Insgesamt ist Trafoi fast autofrei und auch Ihr seid mit zwei vollen Bussen hier angekommen, die mit den Klassen vor Euch am gleichen Tag voll besetzt wieder nach Hause gefahren sind. Es entstehen also keine Leerfahrten, welche der Umwelt zusätzlich schaden. Außerdem haben wir hier in Trafoi Wasser, mit dem eine große Turbine betrieben wird, welche uns Strom für Hotels und eben auch für die Skilifte gibt. Das ist viel nachhaltiger, als wenn wir Atomstrom zum Beispiel aus Frankreich importieren würden. Das gleiche gilt auch für das Holz, welches ein wichtiger Rohstofflieferant für uns ist. Es wächst im Gegensatz zu Öl immer wieder nachhaltig nach. Das Holz wird zu Pellets verarbeitet und liefert uns die Wärme.

Was bedeutet Tourismus für Trafoi?

Gander: Der Tourismus spielte schon früher eine wichtige Rolle für Trafoi, da sich kleinere Städte wie Trafoi immer mehr entvölkerten und die Menschen in größere Städte zogen, weil es dort mehr Arbeitsplätze gab und gibt. Deshalb ist es wichtig, dass wir hier Landwirtschaft und Tourismus haben, weil sonst keiner mehr hier leben würde. Durch die Reizüberflutung in den großen Städten suchen die Menschen Ruhepunkte, um auf eine unverbrauchte Natur zu blicken. Die Menschen in den entlegenen Gebieten in Südtirol müssen von etwas leben, wobei unter anderem der Tourismus aber auch die Landwirtschaft und das Handwerk eine wichtige Rolle spielen, da sie sich alle gegenseitig unterstützen. Das sind die sogenannten lokalen Wirtschaftskreisläufe. Doch was sind lokale Kreisläufe? Der Tourismus braucht Essen und Trinken, welches er von der Landwirtschaft bekommt. Das Bäcker-Handwerk  liefert uns auch das Brot für den täglichen Konsum.“

Wovon leben die Menschen also in dieser Region?

Gander: Der Tourismus bringt die Arbeitsplätze. Er erlaubt die Besiedlung von Gebieten, in denen man sonst nur schwer wohnen könnte. Außerdem hilft der Tourismus, wie schon gesagt, der Landwirtschaft und dem Handwerk, wodurch diese ihr Geld verdienen. Also ist der Tourismus hier in Südtirol ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Dank ihm gibt es eine sehr geringe Arbeitslosenrate von zwei bis drei Prozent.

Was machen die Touristen, wenn keine Skisaison ist?

Gander: Die Leute kommen auch im Sommer hierher, um der Hitze in den Städten zu entfliehen. Sie gehen beispielweiese wandern und halten sich am kühlen Flussbett auf. Im Jahr 2017 wurden 31 Millionen Übernachtungen in Südtirol gezählt.