1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Robert Tyson kommt mit seiner Johnny-Cash-Show in den Saalbau St. Wendel

Interview Robert Tyson : „Johnny Cash war ein Rebell“

Der Sänger Robert Tyson versucht, sein Vorbild bestmöglich zu imitieren. Mit seiner Show kommt er in den Saalbau.

Der US-Amerikaner Robert Tyson ist mit der Musik von Johnny Cash aufgewachsen. Mit seiner Baritonstimme verkörpert er an diesem Samstag, 29. Februar, sein großes Vorbild im St. Wendeler Saalbau. Am 7. Juli 1969 hat die Johnny Cash Show ihre Premiere beim US-amerikanischen Fernsehsender ABC gefeiert. Gäste waren Bob Dylan und Joni Mitchell. Im gleichen Jahr ist Robert Tyson geboren worden, der als „Man in Black“ mit der Revival-Show „Hello, We’re the Cashbags“ durch die Lande zieht. Im Interview erzählt Tyson von seiner Leidenschaft für die Musik und von seinen Shows.

Mister Tyson, wann sind Sie eigentlich zum ersten Mal mit der Musik von Johnny Cash in Berührung gekommen?

Robert Tyson Da muss ich etwas ausholen. Ich bin in Miami/Florida geboren und in Macon/Georgia aufgewachsen. Mein Vater war ein großer Fan von Johnny Cash. Als Kind habe ich dann seine Musik gehört, quasi auch als Zwangsmusik. Ich habe mich auch damals gefragt, warum mein Vater so auf die Musik von Johnny gestanden hat. In einem großen Schrank aus Massivholz standen fünf Schallplatten: vier von Johnny Cash und eine von Kris Kristofferson. Und die Musik von ihm hat mich dann später inspiriert. Als ich 16 Jahre alt war, haben wir an der Highschool eine Band gegründet, eine Coverband, die wir After Cash nannten. Mein Vater hat damals schon gesagt, dass wir Songs von Johnny Cash spielen sollen.

Wie heißt der erste Song, den Sie von Johnny Cash gehört haben und haben Sie ihn in den USA einmal live auf der Bühne erleben können?

Tyson An das erste Lied, das ich von Johnny Cash gehört habe, erinnere ich mich genau. Es war der Countrysong „A Boy Named Sue“. Später habe ich dann erfahren, dass damals ein Richter den Song für ihn geschrieben habe. Leider habe ich nie, im Gegensatz zu meinen Geschwistern, einen Liveauftritt von Johnny Cash erleben können. Das ist richtig schade.

Johnny Cash gilt als einer der einflussreichsten US-Countrysänger. Sein musikalisches Spektrum reicht von Folk, Blues, Country bis Pop. In welcher Musikrichtung würden Sie ihn einordnen?

Tyson Für ihn ein Genre zu benennen, ist ganz schwierig und zu seiner Zeit gab es diese musikalischen Einteilungen noch nicht. Er war ein Rebell. Zu rockig und rebellisch für die Countryszene in Nashville und zu countrylastig für die Rockmusik.

Er wird auch als Mitbegründer der Rockabilly-Musik bezeichnet.

Tyson Rockabilly-Mitbegründer ist etwas verkehrt. Er hat ein Album namens Rockabilly Blues veröffentlicht und mal mit Carl Perkins gespielt.

Johnny Cash war ein genialer Songschreiber. Welche Texte haben Sie am meisten beeindruckt?

Tyson Johnny Cash war ein Prediger. In den ersten Jahren hat er eine Antwort auf den Krieg in Vietnam gegeben. Trotz seiner regierungskritischen Texte und Meinung ist er auf Einladung von Präsident Richard Nixon im Weißen Haus aufgetreten. Er sollte Lieder gegen Drogenkonsum und Kriegsgegner spielen, lehnte ab und spielte „Man in Black“.

Irgendwann wurde es ruhig um ihn, ehe Johnny Cash in den 1990er-Jahren in den USA einen wahren Boom auslöst hat. Wie haben Sie das erlebt?

Tyson 1994 war das ein riesiger Hype. Johnny Cash hat mit dem Produzenten Rick Rubin, der eigentlich mit Hip Hop und Metal zu tun hatte, ein Album aufgenommen. Er hat Johnny Cash mit seiner Gitarre in einen Raum gesetzt und ihn seine Songs spielen lassen. Ob Eigenkomposition oder Coverversion-mit American Recordings hat für Johnny Cash ein Jahrzehnt unerwarteter Erfolge begonnen. Er war plötzlich ein Superstar – auch für eine ganz andere Generation geworden –, weil er Songs wie Hurt von Nine Inch Nails oder Personal Jesus von Depeche Mode gecovert hat.

Wann sind Sie denn auf die Idee gekommen, die Cashbags zu gründen?

Tyson 2008 saß ich mit dem Schlagzeuger meiner damaligen Band zusammen, wir schauten Musikvideos und tranken Bier. Dann kam „A Boy Named Sue“ von Johnny Cash. Das kannte ich aus meiner Kindheit noch auswendig: endloser Text, musikalisch kein großes Ding, aber es erzählt eine lustige Geschichte. Die war bei mir in dem Moment wieder voll da. Mein Schlagzeuger sagte damals: Lass uns doch eine Johnny-Cash-Studioband machen. Ich dachte, er macht Spaß. Am nächsten Tag ging das Telefon: Wir sind im Probenraum, komm vorbei. Ich fuhr hin, da waren der Drummer, ein Bassist und auch Stephan Ckoehler, der heute noch als Gitarrist dabei ist. Eine Woche später hatten wir unseren ersten Gig.

Was erwartet das Publikum am Samstag bei der Show im St. Wendeler Saalbau?

Tyson Die familiäre Atmosphäre mit vielen musikalischen Gästen war charakteristisch für eine typische Johnny-Cash-Show. Da war June Carter, deren Part bei uns Valeska Kunath übernimmt. Oder der Gitarrist und Sänger Carl Perkins: Das ist auf unseren Konzerten Josh Angus. Dazu haben wir einen akustischen Programmteil, in dem wir uns den American Recordings widmen, dem späten Johnny Cash mit seinen Interpretationen von Klassikern der Rock- und Pop-Geschichte.

Legen wir die Vita von Johnny Cash mal beiseite. Was hat sein Double denn überhaupt nach Deutschland verschlagen?

Tyson Ich war zuerst in Spanien, 1999 war das. Dort habe ich einen Kursus gemacht, um Englischlehrer zu werden. Irgendwie hat es mich immer wieder nach Europa gezogen. Hier habe ich viele Urlaube verbracht bis ich irgendwann entschied: Jetzt ist es so weit, ich bleibe hier. Ich lebe seit 1999 in Dresden.

 Valeska Kunath und Robert Tyson singen gemeinsam.
Valeska Kunath und Robert Tyson singen gemeinsam. Foto: Stephan Ckoehler

Die Johnny-Cash-Show „Hello, We’re the Cashbags“ steigt am kommenden Samstag, 29. Februar, ab 20 Uhr im St. Wendeler Saalbau. Ticket gibt es an allen Vorverkaufsstellen und unter www.paulis.de ab 25 Euro sowie an der Abendkasse.