Resolution damit das Wort Heimat nicht missbraucht wird

St. Wendels Landrat steht für Begriff ein : Heimat ist mehr als nur ein Wort

St. Wendels Landrat Udo Recktenwald unterstützt eine Resolution der Heimatvereine Deutschlands.

73,7 Millionen Einträge beschäftigen sich laut einer Internet-Suchmaschine mit dem Begriff Heimat. Viele werfen die Frage auf: Was ist Heimat überhaupt? „Der Begriff verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum“, ist bei Wikipedia zu lesen. Also reine Gefühlssache? Geht das nicht genauer? Das Nachschlagewerk Duden, das doch immer klar und eindeutig zu helfen weiß, wenn es um die richtige Schreibweise eines Wortes geht, verweist ebenfalls auf das Gefühl, wenn es heißt: Heimat bedeutet „Land, Landesteil oder Ort, in dem man (geboren und) aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt“. Das klingt doch alles sehr schön. Dennoch machen sich ausgerechnet jene Vereine in Deutschland, für die der Begriff Heimat nicht nur namens- sondern auch inhaltsgebend ist, Sorgen. Dies haben sie nun in einer Resolution zum Ausdruck gebracht.

Diese entstand bei einer Tagung des Bundes Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU), bei der auch das Institut für Landeskunde im Saarland dabei war. In der Resolution machen Heimat- und Bürgervereine darauf aufmerksam, dass wieder versucht werde, „den Heimatbegriff für politische Zwecke zu missbrauchen und so Personen und Gruppen auszugrenzen“. Die Nationalsozialisten hatten den Begriff für ihre Ideologie genutzt.

St. Wendels Landrat Udo Recktenwald (CDU) unterstützt diese Resolution. Für ihn ist „Heimatbewusstsein die Grundvoraussetzung für Offenheit und Verständnis anderen gegenüber“. Als Beispiel verweist er auf die Flüchtlingswelle, die auch den Landkreis St. Wendel getroffen hat. „Wer selbst einen Bezug zur Heimat hat, kann erst verstehen, was es wirklich bedeutet, diese zu verlieren.“

Wenn es um die Diskussion um das Verständnis von Heimat geht, müssen zwei Begriffe scharf voneinander getrennt werden. „Es gibt den Patriotismus, das Bekenntnis zu sich selbst und der Heimat, auf die man stolz ist“, erklärt der Landrat. Dieses Gefühl sei jedem zu gönnen. Und es habe nichts mit Nationalsozialismus zu tun, der sich gegen andere wendet. Aus der Historie heraus hätten viele ein schlechtes Gewissen und Angst, über Heimat zu sprechen. Einzig im Sport tauen die Deutschen seit einigen Jahren auf. Bei Fußball-Welt- und Europa-Meisterschaften wird regelmäßig mit deutschen Flaggen dekoriert. Die dann aber mit Ablauf des Turniers rasch wieder in den Schränken verschwinden. „Es ist in Ordnung, wenn ein Land seine Flagge hisst und die Nationalhymne spielt“, sagt Recktenwald. Nicht übertrieben und mit Blick darauf, dass es nicht missverstanden wird.

Die Vergangenheit soll ruhen, aber nicht verdrängt werden. „Mit unserer Erinnerungskultur im Landkreis St. Wendel weisen wir auf die Verbrechen der NS-Zeit hin. Das wollen wir nie mehr. Dennoch sind wir stolz auf unser Land und offen anderen gegenüber“, betont Recktenwald. In einer Zeit der Globalisierung sei es für viele Menschen umso wichtiger, Halt zu finden und sich zuhause zu fühlen. Und wenn man seine Heimat gefunden hat, führe das dazu, dass man sich einsetzt. Recktenwald denkt dabei an das Ehrenamt oder das Engagement in Vereinen.

Er möchte den Landkreis St. Wendel nicht nur als Verwaltungseinheit und somit als künstliches Gebilde verstanden wissen, sondern dass die Menschen das St. Wendeler Land als Emotion, als Heimat begreifen. In verschiedenen Projekten macht sich der Landkreis dafür stark, dass die Region samt ihres Potenzials wahrgenommen und zu schätzen gewusst wird.

Im Gegensatz zu früher komme Heimatkunde heutzutage im Unterricht zu kurz. Hier setzt das Bildungsnetzwerk an, das auf außerschulische Lernorte aufmerksam macht, bei denen Kindergartenkinder und Schüler bestimmte Themen hautnah erleben können (wir berichteten). Da die Identität von heute auch immer etwas mit der Vergangenheit zu tun hat, gibt es beispielsweise die Lokale Erzählungen 5 x 100. Die Flyer, die  für jede Gemeinde erarbeitet wurden, bilden vereinfacht die Historie in dieser Zeit ab. „Sie machen deutlich, Geschichte hat auch etwas mit uns hier zu tun“, sagt Recktenwald. Als einziger Landkreis im Saarland gibt der St. Wendeler seit 1948 ununterbrochen und in regelmäßigem Abstand Heimatbücher heraus.

Dem Landrat ist bewusst, dass ausgerechnet jene Vereine, die sich mit Heimat beschäftigen, stark unter mangelndem Nachwuchs leiden. „Wir versuchen, sie zu unterstützen, in dem wir ihnen unter anderem Plattformen bieten.“ So wie den Tag des St. Wendeler Landes.

Landrat Udo Recktenwald. Foto: B&K/Bonenberger & Klos

Den Heimatbegriff positiv besetzen, sich für die eigene Heimat stark machen, das sind Anliegen des Landrats. „Wir leben in einem tollen Landkreis“, findet er. Daher würde er sich wünschen, dass die Menschen hier auch das Schöne sehen, stolz sind und „als positive Botschafter der Region auftreten“.

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