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Reiter nutzen Bus als Vereinslokal

Reiter nutzen Bus als Vereinslokal

Nach Brand 2016: Reithalle in Bliesen ist wieder aufgebaut. Erstes Springturnier am kommenden Wochenende.

Es war ein Alptraum. So beschrieb Christoph Feidt, der Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Bliesen, die Situation unmittelbar nach der Tragödie. In einer Nacht Ende Januar 2016 brannte es auf dem Reiterhof (wir berichteten). Die dort untergebrachten Pferde gerieten in Panik, flüchteten, wurden teils verletzt. Eines starb bei der Kollision mit mehreren Autos. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 600 000 Euro.

Fast eineinhalb Jahre sind seitdem vergangen. Eine arbeitsreiche Zeit für die Mitglieder des Vereins. Es galt, die zerstörte Halle wieder aufzubauen. Zum großen Teil ist das geschehen. Am vergangenen Wochenende stand dort zum ersten Mal wieder ein Turnier auf dem Programm. Dressurreiten. Und am kommenden Wochenende geht es weiter. Dann sind die Springreiter an der Reihe.

Nur wenige schwarze Stellen an den Außenwänden zeugen noch von der Brand-Katastrophe. Zumindest in der Halle. Die Gaststätte, in der das Feuer ausgebrochen war, ist abgerissen worden. Deren Ersatz befindet sich derzeit noch im Rohbau. Die neue Reisterklause soll bis Ende des Jahres fertig sein. Das hat für Feidt aber keine Priorität. "Wichtig war, dass der Pferdebetrieb wieder läuft", sagt er, "damit finanzieren wir uns". Und das ist bereits seit Monaten der Fall - im Oktober zogen die Pferde wieder ein. Allerdings sind es nicht mehr so viele wie vor dem Brand. Damals waren es 22, heute sind es noch zwölf. Das sei kein böser Wille, weiß der Vorsitzende. Das, was er unmittelbar nach dem Brand als "Traum-Hilfsbereitschaft" bezeichnet hatte, ist der Grund dafür, dass heute weniger Boxen belegt sind. Damals, im Januar 2016, galt es, die Pferde unterzubringen. Ohne anrufen und um Hilfe bitten zu müssen, seien Pferdefreunde aus den Landkreisen St. Wendel und Neunkirchen zu nächtlicher Stunde nach Bliesen gekommen, berichtete Feidt damals: "Mit ihren Hängern und mit Rat und Tat standen sie zur Seite, um die Tiere wieder einzufangen." Und sie boten Asyl für die Pferde an. Aus dem Asyl wurde eine Dauerlösung. Feidt: "Viele Pferdebesitzer sind dort geblieben; sie haben sich wohl gefühlt."

Es gibt noch einen Grund, warum Feidt die Gaststätte "Zur Tränke" nicht besonders vermisst. Er selbst hat für originellen Ersatz gesorgt. Eigentlich sollte ein Container her, in dem übergangsmäßig die Kameradschaft gepflegt werden sollte. "Doch die waren wegen der Flüchtlings-Situation sehr teuer", sagt Feidt. Dann habe er einen Bus gesehen - und der Verein kaufte diesen. Hier und da ein paar Handgriffe, und schon wurde aus dem Transportmittel ein Vereinslokal. Das komme so gut an, dass Feidt sagt: "Den Bus geben wir nicht mehr her."

Was wieder komplett aufgebaut ist, das ist die Reithalle. Etwa zwei Monate mussten die Pferdefreunde im vergangenen Jahr erst einmal warten, bis die Versicherung und das Landeskriminalamt den Brandherd freigegeben hatten. Zunächst musste die Ursache geklärt werden. "Es war wohl ein technischer Defekt", so Feidt. Im Frühjahr ging es mit dem Abriss los. "Der Rückbau erfolgte fast ausschließlich in Eigenleistung", sagt Feidt. Nur eine Außenwand konnte stehen bleiben, auch das Dach wurde abgerissen. Ende April ging es an den Wiederaufbau. 30 bis 35 Helfer kümmerten sich darum. Sie bildeten Gruppen, die gezielte Arbeitseinsätze organisierten. Auch Fachfirmen waren am Werk. Mittlerweile läuft der Betrieb wieder ganz normal. Und trotz der Arbeit und des Schadens sieht Clarissa Schwarz, die für die Pressearbeit zuständig ist, auch etwas Positives an der ganzen Sache: "So ein schockierendes Erlebnis schweißt zusammen."

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 Ein Blick in die Reithalle nach dem Brand. Foto: Kornbrust
Ein Blick in die Reithalle nach dem Brand. Foto: Kornbrust Foto: Kornbrust
 So sah die Gaststätte unmittelbar nach dem Brand aus. Foto: B&K/Archiv
So sah die Gaststätte unmittelbar nach dem Brand aus. Foto: B&K/Archiv Foto: B&K/Archiv
 Die SZ berichtete über den Brand Anfang Februar 2016. Foto: Repro SZ
Die SZ berichtete über den Brand Anfang Februar 2016. Foto: Repro SZ Foto: Repro SZ
 Die Reithalle ist wieder in optimalem Zustand. Foto: Schwarz
Die Reithalle ist wieder in optimalem Zustand. Foto: Schwarz Foto: Schwarz

Ein Springturnier bis Klasse M geht am Wochenende, 20. und 21. Mai, über die Bühne. Jeweils um 9 Uhr geht es los. Alle Erlöse kommen dem Wiederaufbau der Reithalle zugute.