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Ratshauserstürmungen in den Gemeinden Namborn, Tholey, Nohfelden und Nonnweiler

Rathauserstürmungen in Namborn, Tholey, Nohfelden und Nonnweiler : Trotz Superkräften den Narren unterlegen

Die Bürgermeister der Gemeinden Namborn, Nohfelden, Nonnweiler und Tholey mussten ihre Rathäuser am Fetten Donnerstag aufgeben.

Bei der Nonnweiler Karnevalsgesellschaft weht ein anderer Wind, seitdem auch Frauen im Elferrat vertreten sind. „Bürgermeister komm raus“, brüllt Isabelle Barth im Hof hinter dem Rathaus. Denn Franz Josef Barth (parteilos) soll endlich den Schlüssel rausrücken. „Was soll ich schwätze, wir brauchen größere Geschütze“, befiehlt die Verhandlungsführerin der Narren. Die Otzenhausener Bollerschützen lassen es ordentlich krachen und reißen Bürgermeister Barth aus dem Tiefschlaf. „Bist du wach“, fragt Barth bei ihrem Namensvetter aus Braunshausen nach, als der arg verpennt im Hof auftaucht.

Zu befürchten hat der Verwaltungschef nichts, gegen ihn wird von den Narren keine Anklage erhoben. Im Gegenteil. Der Bürgermeister darf gar über das politische Weltgeschehen philosophieren. „Der ganzen Welt ist es bekannt, Frau May hat sich verrannt“, nimmt er sich den Brexit auf der britischen Insel vor. Und zu US-Präsident Donald Trump meint Barth: „Die größte Qual, er kam an die Macht durch eine Wahl“. Die massiven Beschwerden der Nonnweiler Bürger sind für ihn mittlerweile zum Kerngeschäft geworden. Doch die Hochwaldgemeinde zu regieren, scheint ein Kinderspiel zu sein.

Ihre Niedlichkeiten, das KG-Kinderprinzenpaar Kiara I. und Felix I. , übernehmen Barths Geschäfte. Der Kuschelkurs geht dann zu Kosten der Gemeindekasse an der Theke bei Dr. Löffler weiter.

Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) hat auf seiner Dienstreise in das südbrasilianische Partnerstädtchen Alto Feliz vorsorglich um Exil gefleht. Da hat er schon geahnt, dass er am Fetten Donnerstag von den versammelten Narren aus dem Tholeyer Rathaus geschmissen wird. Zu viele Böcke hat er in den neun Dörfern rund um den Schaumberg geschossen. Die Hasborner Anklägerin Kerstin Hein listet auf. Und die Übersicht der Peinlichkeiten des als Scheich getarnten Verwaltungschefs will kein Ende nehmen. Bucklige Gehsteige in Bergweiler, tote Telefone und kein W-LAN in Überroth sowie Hochwasser in Scheuern. „Mach auf die Kassen, lass Gelder regnen, damit wir im Bohnental können besser leben“, fordert Hein. In Tholey soll Schmidt nun endlich dafür sorgen, dass das Freizeithaus Mauritius nicht zusammenfällt. „Sobald wir das Gebäude im Besitz haben, wird es renoviert“, versichert er dem Narrenvolk.

Mit dem orientalischen Zauber kann Schmidt wenig punkten. Der liquidierte Scheich wird anschließend zum armen, fliegenden Teppichhändler, weil er die Narrenschar bei der feuchtfröhlichen Sause im Freizeithaus aushalten muss. Bis Aschermittwoch führt die GroKo der Schaumberg-Prinzenpaare die Amtsgeschäfte im bankrotten Emirat Tholey weiter.

Es sah mehr nach einer freundlichen Übernahme als nach einem Rathaussturm aus, was den Eisbach-Kosaken vom KKV Eisen in Nohfelden gelang. Sah der Aufmarsch der Kosaken noch recht militärisch aus, so ließ sich Supermann Andreas Veit (CDU) doch recht kampflos gefangen nehmen und von Kerstin Jenet-Molter entführen. Im Kreise der Kosaken, oder besser der Kosakinnen, fühlte sich Supermann sichtlich wohl und so verwundert es auch nicht, dass die Anklage sehr moderat ausfiel.

„Ich kenn den Herrn von diesem Rathaus, der ist ganz zahm, wie eine kleine Haselmaus“, charakterisierte Oberkosakin Kerstin Jenet-Molter den Bürgermeister. „Zack, zack – de Schlessel raus“, gab sie das Kommando und die Kosaken durchsuchten den Delinquenten nach dem Schlüssel, der auch recht bald gefunden ward. „Denke ihr, nur weil ihr hier e bissje marschiere, würd ich dann auch gleich parriere“, erwiderte Supermann Veit. „Ich bin gewappnet, schaut mich nur an. Ich trainiere en Hoppstädte en der Muckibud mir Muschkele ahn“, verwies er auf sein blaues Sixpack. „Meinen Körper hab ich in Form gebracht, um heut zu gewinnen die große Schlacht. Mit Russland habe ich es ja nicht so sehr. Aber die USA ist mir auch nicht viel mehr wert. Putin und Trump denken, sie wären die größten, wetten? Bei so viel Einbildung kann nur noch Supermann die Welt retten“.

Stilecht mit einem Gläschen Wodka erwarb sich Super-Veit die Gunst der Kosakinnen und Gäste und so wurde zusammen mit dem KKV Eisen, FV Blau Weiß Gonnesweiler, dem Sportverein Sötern, den Fastnachtsfreunden Nohfelden, der Tanzgruppe Piraten aus Wolfersweiler, dem CCW 19 Uhr 71 und deren Prinzenpaar Prinzessin Katja II. und Prinz Oliver I. im Rathaus noch kräftig gefeiert. Die Moderation hatte Helmut Jenet fest in närrischer Hand.

In Namborn sind bis Aschermittwoch die Narren an der Macht. Neu-Bürgermeister Sascha Hilpüsch (SPD) hatte zwar lautstark angekündigt, das Liebenburg-Rathaus mit Mann und Maus zu verteidigen, doch Widerstand war zwecklos. Die gut gerüsteten Bataillone der Karnevalvereine Gehweiler und Furschweiler mit ihren Kommandeuren Henning Fries und Bernd Baßler stürmten am Fetten Donnerstag mit ohrenbetäubendem Kanonendonner und farbenfrohem Konfetti-Regen im Handumdrehen das Rathaus. Sie nahmen den Burgherrn fest und enthoben ihn seines Amtes.

Und so überreichte der Hausherr brav den Schlüssel mit der Bitte: „Kommt rein und macht mir keine Sorgen, vergesst mich nicht bis Mittwochmorgen. Seid nett und nicht so ungestüm zu meinem netten Rathaus-Team“. Der gefesselte Delinquent wurde vor das Amtsgericht in Hofeld-Mauschbach gebracht. Dort hatte er sich wegen seiner Taten zu verantworten. Der Gehweiler Sitzungspräsident Andreas Gerhart kritisierte zu viel Chili in der Currysoße bei seiner Amtseinführung, daher mussten die CDU und FLN Feuer spucken.

Der als Scheich getarnte Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt wird von der Hasborner Anklägerin Kerstin Hein abgeführt . Foto: Timo Groß/Gemeinde Tholey
Auch Supermann Andreas Veit musste die Macht im Rathaus abgeben. Als Diener kredenzte er den Kosakinnen Flüssiges. Foto: Ralf Mohr
Maskiert als echter Cowboy: Bürgermeister Sascha Hülpisch wird dennoch verhaftet. Foto: B & K/Franz Rudolf Klos

Anschließend feierten Angreifer und Verteidiger gemeinsam im Bürgerhaus. Die Rathausstürmung in Hofeld-Mauschbach war nach einer längeren Auszeit ein gelungener Neubeginn, hieß es.