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Rathausstürme in Freisen und Marpingen

Rathausstürme in Freisen und Marpingen : In Fesseln gelegt und aus ihren Ämtern vertrieben

Die Bürgermeister in Freisen und Marpingen konnten den Narren nicht entkommen und die Macht erstmal abgeben.

Mutig trat Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD) mit seinen Gefolgsleuten den Hexen, die sich anschickten, das Rathaus zu erobern, schon vor den Toren entgegen. Das Gefecht war indes doch recht kurz und so ergab er sich seinem Schicksal und Oberhexe Elena, in diesem Jahr übrigens zum ersten Mal im Amt. Flugs war der Verwaltunsgchef in Fesseln und wurde zur Verhandlung in den Ratssaal geführt, wo die Hexen kurzen Prozess mit ihm machten.

„Dat do Johr ware mir mol ganz schlau, on hann dat Rathaus mol e bissje frieher iwwerholl“, spielte Oberhexe Elena darauf an, dass man eine Stunde eher hier zu Gange war. Was zur Folge hatte, dass nicht ganz so viele den Rathaussturm begleitet hatten, als gewohnt. Sei‘s drum. „Die Schandtate on Missstände en userer Gemähn, die misse mir offdecke on dodemet mal die ganze Löcher do flicke“, holte die Oberhexe zu ihrer Anklage aus. Angeblich verliere sich das ganze Geld in Oberkirchen.

„Dafür wurde jedoch die wenigschde Geldscheine gezückt“, erwiderte der Bürgermeister. „Die meischde Eurone machte die Reise, net no Owwerkeije, sondern quer durch Freise.“ Das half jedoch alles nix, denn flugs wurde er eingekerkert und der Gemeindeschlüssel übernommen. Anschließend wurde der Sieg im Spiegelsaal gefeiert.

Raus mit dem Marpinger Bürgermeister Volker Weber (SPD), grölen die Garden des Alsweiler Theater- und Karnevalsvereins. Der Verwaltungschef hat Besen und Schrubber an sein Personal verteilt, um das Verwaltungsgebäude vor dem Ansturm der Narren zu verteidigen. Es hilft nicht, das Rathaus fällt und Weber geht es richtig an den Kragen.

Totale Misswirtschaft, wirft der Alsweiler Sitzungspräsident Thomas Bauerfeld dem Staatsdiener vor. „Er hat den Haushaltsplan in chinesischer Sprache vorgetragen und der Ortsrat hat das nicht verstanden“, prangert Bauerfeld an. Dementsprechend fordern die Narren vehement eine Gemeindebrauerei auf Alsweiler Boden. „Das Bier kostet dann 50 Cent“, lautet ein weiterer Auftrag an Weber. Etwas Gnade lassen die Fastnachter walten, denn die hübschen Gardemädels schleppen den Junggesellen durch den Ort. Vom Rathaus wird er ins Pfarrheim verfrachtet – für Weber ein Gang nach Canossa. Beim tobenden Narrenvolk im Saal wimmert er um Milde. „Ich bin doch unschuldig“, beteuert Weber und beantragt Kirchenasyl.

Oberhexe Elena legte Freisens Bürgermeister Karl-Josef Scheer (SPD) die Fesseln an. Der Rathauschef konnte die närrische Eroberung seiner Verwaltung nicht verhindern. Foto: Ralf Mohr

Aber auch bei Pastor Volker Teklik beißt sein Gejammere auf Granit. Der Kirchenmann schickt ihn zu den Benediktiner-Mönchen in die Abtei Tholey. „Jawoll, jawoll“ jubeln lautstark die Narren, dass der unfähige Verwaltungsmann nun im „Name der Rose“ das Beten lernt. Damit nicht genug. Im Anschluss an den Klosteraufenthalt muss Weber als spätberufener Messdiener in Marpingen die Messe dienen. „Nun ist er erst einmal für vier, fünf Wochen hinter Mauern weg“, stellt Bauerfeld freudig fest. Webers Amtssitz ist bis Mittwoch in Hand der Alsweiler Narren.