Rathaus auf historischem Grund

Im vollbesetzten Sitzungssaal des St. Wendeler Rathauses hat Autor Gerd Schmitt sein Buch „Die Burg zu St. Wendel“ vorgestellt. An gleicher Stätte ist im Jahre 1334 eine Burganlage fertiggestellt worden, die 343 Jahre darauf wie drei Tage zuvor die Stadt den Flammen zum Opfer fiel.

Gesagt, getan, geschafft: 20 Jahre ist Gerd Schmitt mit dem Gedanken, ein Buch über die Geschichte der Burganlage in St. Wendel zu verfassen, schwanger gegangen. Der 74-jährige Ex-Lehrer hat Wappen, Zeichnungen, Fakten, einfach alles gesammelt und dokumentiert, was unmittelbar in Verbindung zu einer Burganlage stehen könnte. Am Dienstag hat Schmitt im vollbesetzten St. Wendeler Rathaus sein 136 Seiten dickes Buch "Die Burg zu St. Wendel " der Öffentlichkeit präsentiert.

Darin blickt der Autor auf den Ursprung zurück und stellt das Aussehen und die Veränderungen sowie die Burgmannschaft vor. Bereits zur Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes in der Kreisstadt im Juli hat der Heimatforscher verdeutlicht, auf welch "wahrlich historischem Boden" es stehen würde. Wie Schmitt berichtet, hat 1328 der Trierer Erzbischof Balduin den Besitz der Saarbrücker Feste (später Standort der Häuser Colbus und Schaadt) gekauft, weil ihm die Feste als Amtsburg nicht mehr genügte. "Zum Schutz des neu erworbenen Besitzes ließ er eine neue Burg bauen, die in der Bauzeit vom 20. Februar 1331 bis zum 1. Oktober 1334 fertiggestellt worden ist", präzisiert Schmitt.

Die Burg zu St. Wendel sei eine der kleineren Amtsburgen des Trierer Erzstifts gewesen, die unter Balduin und seinen Nachfolgern ihren Zweck versehen habe, bis sie am 5. Februar 1677, wie schon drei Tage zuvor die Stadt, ein Opfer der Flammen geworden sei. Die Burg war vom Ort St. Wendel durch eine Mauer und einen Graben strikt abgetrennt. Als herausragendes Ereignis in der Burggeschichte stellt der Buchautor den Besuch des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Maximilian I. von Habsburg (1459 bis 1519), am 31. März 1512, heraus.

Von Grafen und Amtmännern

Zehn Jahre später hat Franz von Sickingen die Stadt samt Burg erobert. "Der Niedergang der Burg beginnt eigentlich schon am Ende des 16. Jahrhunderts", erzählt der Alsfassener. In die Zeit des kurtrierischen Amtmannes Johann Dhame fällt 1677 die Zerstörung der Burg.

"Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der möglichst vollständigen Erfassung der in der Burg als Burggrafen, Amtmänner und Burgmannen wirkenden Personen", erklärt Schmitt den Zuhörern. Für den Zeitraum von 343 Jahren sind die Namen von 31 Burggrafen beziehungsweise Amtmännern mittlerweile bekannt. "Von zweien sind die Grabmäler noch vorhanden", hat Schmitts Recherche ergeben. Des Weiteren lernt der Leser eine Reihe von Geschlechtern kennen, die in einer Beziehung zu St. Wendel gestanden haben und dessen Geschichte geprägt haben. "Möge das Buch über die Burg das Interesse meine Mitbürger an der reichhaltigen Vergangenheit der Stadt wecken und vertiefen", wünscht sich Schmitt und hofft, dass bei ihnen die Liebe zu St. Wendel einen neuen Impuls erhält.

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Auf einen BlickDas Buch "Die Burg zu St. Wendel ", 136 Seiten von Autor Gerd Schmitt befasst sich mit Ursprung, Aussehen und Burgmannschaft. Ab sofort ist das Werk zum Preis von 15 Euro im St. Wendeler Stadtmuseum, Mia-Münster-Haus, erhältlich. frf