Projekt mit der Silphie im Landkreis St. Wendel erweitert

Landkreis St. Wendel testet die Silphie : Energiepflanze mit reichlich Potenzial

Auf 69 Hektar wird die Silphie im Landkreis St. Wendel angebaut. Es ist ein Versuch, den die Uni Trier wissenschaftlich begleitet.

Strahlend gelbe Blüten trägt sie. Davon lassen sich auch gerne Bienen anlocken. Beim Blick auf das Feld nahe des St. Wendeler Wendelinushofs wird ein regelrechtes Meer aus Blüten sichtbar. Es mutet wie eine Blumenwiese an. Doch ist es viel mehr. Es ist quasi so etwas wie ein Versuchsaufbau, die Heimat eines „Vielkönners“ wie Michael Welter, Klimaschutzmanager im Landkreis St. Wendel, die Pflanze nennt. Es geht um die Durchwachsene Silphie. Der Name klingt erstmal wenig schmeichelhaft. Durchwachsen? Bedeutet das soviel wie durchtrieben? Wildwuchs? Unberechenbar? Nein, all dies trifft nicht auf die Silphie zu. Die Pflanze ist zwar noch in der Testphase, dennoch gibt es bereits einige Erkenntnisse. Positive Erkenntnisse. Doch sie soll in Zukunft noch mehr Zahlen und Werte liefern.

Die Geschichte der Silphie im Landkreis St. Wendel beginnt bereits 2017. „Wir wollten versuchen, eine Alternative zu Mais zu etablieren“, blickt Landrat Udo Recktenwald (CDU) zurück. Auf einer Fläche von 700 Hektar wird im St. Wendeler Land derzeit Mais angebaut. Das Getreide, das ursprünglich aus Mexiko stammt, wurzelt nicht sehr tief. Bodenerosion ist oft die Folge. Bei starken Regenfällen wird die Erde weggeschwemmt. Beliebt ist der Mais als Biomasse. Beliebt ist er aber auch bei Wildschweinen. „Sie lieben die Kolben. Um da ranzukommen, knicken sie die Pflanze um“, erläutert Welter und schon spricht man von Wildschaden.

Was die Biomasse betrifft, sei die Silphie ebenfalls ertragreich, sagt Recktenwald. Hinzu kämen weitere positive Eigenschaften wie das Bilden tiefer Wurzeln, das Aufwerten des Bodens und die schönen Blüten, die wiederum Biene und Co. erfreuen. Gründe genug, um aus den Mitteln des Modellprogramms Landaufschwung ein Silphie-Projekt zu starten. 2017 wurden 96 000 Euro dafür investiert. 50 Prozent der Kosten übernahm der Landkreis, 50 Prozent neun Landwirte, die bereit waren, Silphie auf ihren Flächen zu testen. Vier dieser Landwirte betreiben Biogasanlagen. Zunächst wurden im April 2017 Samen auf 45,2 Hektar Land ausgesät. Inzwischen sind 24 Hektar und drei Landwirte dazugekommen. Die Kosten von 50 000 Euro wurden zu 30 Prozent aus Landaufschwung-Mitteln gestemmt, die restlichen 70 waren Eigenkapital der Bauern.

Michael Welter, der Hobbyimker ist, war die Silphie schon länger ein Begriff. In diversen Fachzeitschriften wurde die aus Nordamerika stammende Pflanze aus der Familie der Korbblütler häufig genannt. Zunächst hatte sie auch den Ruf, kostenintensiv zu sein, da Keimlinge herangezogen und gesetzt werden mussten. „Inzwischen wurde ein neues Anbauverfahren entwickelt“, sagt Welter. Die Samen wurden behandelt, keimen nun besser. Da die Silphie im ersten Jahr ihre Energie ins Wurzelwerk stecke, wachse sie oberhalb des Erdreiches lediglich auf die Größe eines Salatkopfes an. Ist daher auch nicht so widerstandsfähig. „Schnecken finden die Silphie lecker“, merkt Welter an.

Also muss ein Schutz für die Silphie her – und zwar ein natürlicher. So wird der Korbblüter nun zwischen Maisreihen gepflanzt. Das Getreide bildet quasi einen Schirm für die zarte Staudenpflanze. Im ersten Jahr liefert die Silphie keinen Ertrag – danach ist sie aber 15 bis 20 Jahre zu nutzen – ohne großen Pflegeaufwand. Im Landkreis St. Wendel blühte die Silphie 2018 zum ersten Mal, konnte dann im September auch geerntet werden. „Vor dem Mais“, merkt der Klimaschutzmanager an.

Seit 2018 wird das Silphie-Projekt im St. Wendeler Land unter dem Forschungstitel „Bestland“ von der Universität Trier, genauer gesagt von Professor Christoph Emmerling und Team, wissenschaftlich begleitet. Die Studie ist auf drei Jahre angelegt. Dabei soll der Anbau von Mais und Silphie auf stauwasserbeeinflussten Böden verglichen werden. Vier Testflächen wurden dafür im Landkreis ausgewiesen „Dort stehen Boxen mitten im Acker“, beschreibt Welter. Diese messen das Gas, das aus dem Boden aufsteigt. Denn es besteht die Annahme, dass die Silphie zum einen dem Bodenschutz förderlich sein kann und zum anderen die Treibhausgas-Emission mindert.

Die Daten werden unmittelbar vom Feld an die Uni in Trier übertragen. Die Landwirte arbeiten mit der Hochschule zusammen, in dem sie genaue Meldung machen, welche Arbeiten sie auf dem Feld erledigen. Im nächsten Jahr soll es nahe des Wendelinushofs einen Feldtag geben, bei dem ein tiefes Loch gegraben wird, das zur einen Seite an eine Silphie- und zur anderen an eine Maisfläche grenzt. Dies soll beispielsweise Erkenntnisse in Sachen Wurzelverhalten der Pflanze bringen.

Das wurde schon zuvor bei Grabungen analysiert. Marcel Kasper aus dem Landkreis St. Wendel hat für seine Bachelorarbeit Bodenuntersuchungen im Zusammenhang mit der Silphie gestartet. „Die Silphie-Flächen sind im gesamten Landkreis verteilt, es gibt unterschiedliche Bodenverhältnisse“, erläutert Welter. Deren Ist-Zustand wurde zunächst erfasst. Wie ist der Humus-Gehalt, wie der ph-Wert? Die Ergebnisse der Analysen wurden auch den Landwirten zur Verfügung gestellt. Anhand von GPS-Daten sind die exakten Mess-Stellen bekannt. „So wäre es möglich, in regelmäßigen Abständen neue Werte zu sammeln“, sagt der Klimaschutzmanager.

Eine Biene lässt sich auf einer Blüte der Silphie nieder. Die Pflanze ist insgesamt beliebt bei Insekten. Foto: B&K/Bonenberger/

Mit ihren gelben Blüten ist die Silphie nach Einschätzung Welters ein Gewinn fürs Landschaftsbild. „Auch die Insekten haben was davon“, so Welter. Der Klimaschutzmanager weiß aber auch, dass die Akzeptanz der Pflanze mit ihrem Nutzen für die Landwirtschaft steht und fällt. „Wir sind noch in der Versuchsphase. Aber die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend.“ Sowohl als Biomasse als auch als Viehfutter hat die Silphie das Potenzial, den Mais abzulösen. „Meine Pferde jedenfalls fressen die Silphie“, sagt Welter. Nicht so interessant ist sie als Futter für Wildschweine. Somit hält Welter es für möglich, dass sich die Tiere dort, wo viele Silphieflächen sind, eher zurückziehen.