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Premiere in Zeiten von Cororna: Freiluft-Klavierkonzert in St. Wendel

Klavierkonzert unter freiem Himmel : Grüne Wiese in St. Wendel statt Hyde Park in London

Die Pianisten Ya-Wen Yang und Harald Bleimehl gaben am Wochenende zwei Klavierkonzerte. Das Programm führte einmal um die Welt.

Entspannte Atmosphäre und Tastenklänge unter freiem Himmel. Die Pianisten Ya-Wen Yang und Harald Bleimehl verwandelten am Wochenende mit zwei Klavierkonzerten die grüne Wiese zwischen Kreismusikschule und Cusanus-Gymnasium zu einem außergewöhnlichen Veranstaltungsort. Noch steht das kulturelle Leben in der Kreisstadt St. Wendel weitgehend still. Aber Harald Bleimehl, Musiklehrer am Cusanus-Gymnasium, hat an die ausgewählte Spielstätte ein individuelles Vor-Ort-Konzept angepasst. „Es soll eine ähnliche Atmosphäre wie im Londoner Hyde Park entstehen“, so Bleimehls Vorstellung. Und mehr als 50 Besucher haben bei der Premiere das Freiluft-Ambiente auf der Wiese unter den geltenden Vorschriften genossen. Bleimehl schränkt eingangs noch ein: „Eigentlich wollten wir mit vier Händen an einem Klavier spielen, was aber der Mindestabstand leider nicht zulässt. Deshalb haben wir corona-konform umgestellt“.

Macht nichts, denn die Konzertidee „Mit vier Händen auf zwei Klavieren einmal rund um die Welt“ kommt bestens beim Publikum an. Angepasst an den Standort und die Lokalität startet das Tastenduo klassisch mit Beethovens „Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande“. Mal solo, mal synchron hauen Bleimehl und Yang in die Tasten und präsentieren einen Bogen mit Melodien von Paris über Rio de Janeiro bis nach Wien und beenden das Werk mit Rumms. Zum Klassiker von Sergei Rachmaninoff wechseln sie das Klavier und vermitteln melancholische Klänge, die begleitet vom Vogelgezwitscher auf einem Baum im zweiten Teil nahezu bedächtig fließen, ehe sie ganz leise verschwinden. Auszüge aus dem Promenadenkonzert „Last Night of the Proms“ verbinden die Fröhlichkeit und die Feierlichkeit eines klassischen Konzerts. Percy Graingers melodische Vertonung „Molly on the Shore“ ist bekannt für die Untermalung aus etlichen Berichten über das englische Königshaus und den TV-Kriminalfällen der Hobby-Detektivin Miss Marple.

Den Schlusspunkt setzen Yang und Bleimehl mit Johann Sebastian Bachs Klavierfassung „Jesus bleibt meine Freude“, welche es in seiner Schlichtheit und Vollkommenheit neben „Air“ längst zu einem Ohrwurm geschafft hat. Doch damit will das virtuose Pianistenduo seine Zuhörer noch nicht in den luftigen Sommerabend entlassen. Als Zugabe präsentiert es mit der „Tarantella“ von Dmitri Schostakowitch russische Musik der Moderne.

Entspannt genossen die Zuhörer die Musik auf der Wiese vor der Kreismusikschule. Foto: Frank Faber

Viel Applaus für Yang und Bleimehl, die mit dem Open-Air-Konzert der Kultur in St. Wendel wieder den nötigen Freiraum verschafft haben. „Ich bin froh, dass es draußen so geklappt. Ansonsten wären wir in die Aula des Gymnasiums gegangen“, sagt Bleimehl. Und bei allen Vorgaben rund um das Konzert hat er zusätzlich den guten Zweck im Blick behalten. Nach dem kostenlosen Konzert bittet Bleimehl das Publikum um eine Spende, dessen Betrag der Schul-AG Misheni Mojo am Cusanus-Gymasium zugutekommt. Die Schüler unterstützen damit den Verein Wegwaisen beim Aufbau des Waisenhauses Mountain Kids in Buea, Kamerun.