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Pfarrer aus St. Wendel berichten, wie Corona auf kirchliches Leben wirkt

Corona-Krise : Wenn die Hochzeit warten muss...

Zwei Pfarrer aus St. Wendel berichten stellvertretend, welche Auswirkungen Corona auf das kirchliche Leben hat.

Seit Monaten wird geplant. Der Termin muss festgelegt, ein Raum zum Feiern gebucht werden. Das weiße, märchenhafte Kleid hängt bereit, gut versteckt vorm Bräutigam. Alles ist fokussiert auf den vielleicht schönsten Tag des Lebens. Und dann kommt Corona. Und alle Planungen sind dahin. „Wir mussten mindestens zehn Hochzeiten absagen“, sagt Klaus Leist, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Wendel. Bis Ende April. Bis dahin sind alle öffentlichen Gottesdienste untersagt; es gibt weder Trauungen noch Sterbeämter. So mussten auch drei Taufen, die für Ostern geplant waren, erst einmal verschoben werden. „Die Menschen zeigen sich sehr verständnisvoll; ich habe noch niemanden erlebt, der dagegen gewettert hat“, berichtet Leist. Das bestätigt auch Christine Unrath, Pfarrerin der evangelischen Gesamtkirchengemeinde St. Wendel. Allerdings sei die Anzahl der Absagen auf evangelischer Seite nicht ganz so dramatisch. Eine Hochzeit in Niederlinxweiler und eine in St. Wendel hätten abgesagt werden müssen und nur wenige Taufen. „Erfahrungsgemäß gibt es nicht viele Trauungen in dieser Zeit“, sagt Unrath. Diese würden meist in den Mai oder in die Sommermonate gelegt.

Dennoch: „Diese Absagen tun unendlich weh“, weiß Unrath. Damit spricht sie auch die Konfirmationen an. Diese waren in Niederlinxweiler für Pfingstsonntag, in St. Wendel für den 17.  und 24. Mai vorgesehen. Auch sie wurden verschoben. „Damit die Familien Planungssicherheit haben.“ Mit Vorsicht zu genießen seien die neuen Termine, die derzeit im Raum stehen: Die Kinder in Niederlinxweiler sollen am 27. September, die in St. Wendel am 25. Oktober konfirmiert werden. Auch die Jubiläums-Konfirmationen sind erst einmal verschoben – vom Juni in den August und September.

Neue feste Termine bei den Feierlichkeiten gibt es bei den Katholiken in St. Wendel noch nicht. „Wir warten erst einmal ab“, sagt Leist im Hinblick auf die unsichere Corona-Situation. Fest stehe aber, dass die Kommunionen und Firmungen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Dass der Weiße Sonntag ausfalle, „schmerzt uns alle sehr“, sagt Leist. Die Kinder seien vorbereitet und freuten sich auf ihren großen Tag. Unmittelbar vor oder direkt nach den Sommerferien sollen sie diesen nun feiern können. Zwar waren die Firmungen erst für 20. September vorgesehen, aber auch diese liegen erst einmal auf Eis. „Die Zeit wäre zu kurz, um die Kinder  vorzubereiten“, erklärt Leist. 60 Firmlinge sind in den sechs Pfarrgemeinden angemeldet; diese müssen sich bis kommendes Jahr gedulden.

Ein ganz anderes Thema sind die Beerdigungen. Die lassen sich meist nicht verschieben. Bei Urnen-Bestattungen sei das aber noch am ehesten möglich, sagt Unrath. Da komme die Kirchengemeinde den Angehörigen auch entgegen. Bei Erdbestattungen müssen allerdings Fristen eingehalten werden. Es sei aber nicht nur eine „Frist-Geschichte“, betont die Pfarrerin. Vielmehr sei ein Schwebezustand auch schwierig im Trauerprozess. „Dann fehlt der Abschied.“ Daher versuchen Unrath und ihr Team, würdevolle Bestattungen zu ermöglichen. Maximal fünf bis zehn Personen sollten anwesend sein und den Abstand einhalten. Nicht ganz so einfach, wenn gerade in schwierigen Zeiten Umarmungen doch so gut tun. Die ganze Zeremonie finde direkt am Grab statt, so Unrath, Trauerhallen werden nicht genutzt. So verhält es sich laut Leist auch bei den Katholiken. Beim derzeitigen sonnigen Wetter sei es kein Problem, sich vor der Halle aufzuhalten. In einer Prozession gehe es dann zum Grab. Wird es regnerisch, sei eine Zeremonie in der Trauerhalle möglich. Derzeit werden die Stühle so gerückt, dass der nötige Abstand eingehalten werden kann. Auch hier gilt: Bestattungen nur im engsten Familienkreis.

Noch etwas fällt zwangsläufig weg: die Gottesdienste. Die evangelischen Kirchengemeinden bieten zentrale Streaming-Gottesdienste an, jeweils abwechselnd im Kirchenkreis Saar-West und Saar-Ost. Alle Kirchen bleiben geschlossen. Sonntags um 10 Uhr läuten aber die Glocken, die „zu Gebet und Fürbitten einladen“, erläutert Unrath. Gerade für einsame Menschen sei ein gemeinsames Erleben, und sei es nur das Läuten der Glocken, wichtig.

Das sieht Leist genauso. Die Glocken der Basilika läuten abends um 19.30 Uhr. Die Sonntagsmesse werde außerdem über die Homepage übertragen. Über dieses Medium bietet Leist auch das „Wort zum Tag“ an. Das sind Clips. In denen ist Leist an verschiedenen Orten im St. Wendeler Land zu sehen; mal in der leeren Basilika, mal auf der Treppe zum Pfarrhaus, gerade erst hat er Aufnahmen am Marienkrankenhaus und auf dem Schlossplatz gemacht. Damit will er die Seelsorge wachhalten, den Menschen ein geistliches Wort zusprechen, wie er sagt. Er will ihnen das geben, „was sie sich sonst im Gottesdienst holen“. Außerdem ruft er jeden Tag drei Leute an – alte und kranke, die alleinstehend sind. Das komme gut an: „Sie freuen sich richtig.“ Und reden über ihre Sorgen und Nöte. Derzeit in erster Linie über Corona. „Das Thema treibt die Menschen um.“ Dabei komme auch immer wieder die Frage zur Sprache, ob Gott den Menschen Corona geschickt habe, um sie wachzurütteln. Leist: „Es gab immer schon Zeichen, die die Menschen zum Umdenken bewogen haben; vielleicht ist das auch eines.“

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In Taiwan tragen Verkäufer Gesichtsmasken zum Schutz vor der Verbreitung des Coronavirus. Hochzeitskleider dürften derzeit auch hier weniger gefragt sein, denn Trauungen im St. Wendeler Land wurden verschoben. Foto: dpa/Chiang Ying-Ying

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