Pauken, Posaunen und Poetik

Mit Posaunen, Pauken und Trompeten hat sich das alte Jahr in St. Wendel dem Ende entgegen geneigt. Beim Silvesterkonzert in der evangelischen Stadtkirche erklang zudem die Orgel und Pfarrerin Christine Unrath trug vergnügliche Schmunzelgeschichten und nachdenkliche Verse vor.

Das Jahr 2016 zählt nur noch fünf Stunden, die Bänke in der evangelischen Stadtkirche St. Wendel sind durchgängig besetzt: Mit dem zweiteiligen Marsch des Barockkomponisten Johann Caspar Ferdinand Fischer eröffnet der von Heinz Seger dirigierte Posaunenchor das Silvesterkonzert.

Es ist auch die Zeit, die zurück liegenden Wochen und Monate Revue passieren zu lassen und Kraft für das kommende Jahr zu sammeln. Pfarrerin Christine Unrath regt zum Nachdenken an. "Jeder wünscht zum neuen Jahr, aber würde alles wahr, dann erst wär's um die Welt, glaubt es, jämmerlich bestellt", zitiert die Pfarrerin aus dem Gedicht "Neujahrswünsche" von Heinrich Zschokke. Sie verspricht aber sofort "vertrauen Sie meinen Worten, es wird ein wunderbares Konzert, dieser Wunsch wird wahr".

Stimmt. Langsam und elegant präsentiert der Posaunenchor eine höfische Tanzform aus der Barockzeit, die Sarabande in drei Teilen von Georg Friedrich Händel . Mit den Tasten der Kirchenorgel malt Organist Harald Bleimehl eine romantische Hirtenszene mit Donnergrollen ("Scene pastorale et Orage" von Louis James Alfred Lefébury-Wely) in das Kopfkino der Zuhörer.

Unrath lockert danach mit ein paar Versen die Stimmung auf. Albert Einstein hat einen anspruchsvollen Vortrag über das Verhältnis von Raum und Zeit gehalten, berichtet sie. Ein Zuhörer legt jedoch Widerspruch ein. "Was sie hier ausgeführt haben, ist mir viel zu spekulativ. Wir sind doch nicht in der Kirche", schildert Unrath den Dialog. Nach gesundem Menschenverstand, habe der verblüffte Zuhörer ergänzt, könne es nur das Geben, was man sehen und überprüfen kann. Daraufhin soll ein lächelnder Einstein ihm geantwortet haben: "Dann kommen sie doch bitte nach vorne und legen sie ihren gesunden Menschenverstand hier auf den Tisch".

In der Stadtkirche kommen dagegen der Tubist Tobias Reis und Harald Bleimehl, der hinter dem Flügel Platz nimmt, zu einem Duett nach vorne. Reis nimmt der Tuba, dem tiefsten aller gängigen Blechblasinstrumente, ihre Schwerfälligkeit, und mit Bleimehls filigranem Tastenspiel erzeugt das Duo beim Werk "It'll be allright" (Oystein Baadsvik) ein fast hypnotisches Klangmuster. "Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen aber nicht sofort", meint Pfarrerin Unrath anschließend. Händels "Feuerwerksmusik" intoniert der Posaunenchor vier Stunden vor der obligatorischen Silvesterknallerei. "Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden", überträgt Unrath aus dem Neujahrsgebet des Pfarrers von St. Lamberti zu Münster aus dem Jahre 1883. Und nun alle. Blechbläser, Orgel und die Konzertbesucher verabschieden das Jahr 2016 gemeinsam mit dem Adventslied "Tochter Zion, freue dich".

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Am Rande Auszeichnung für Werner Haaß (78): Der Musiker aus St. Wendel ist vom Posaunenwerk der evangelischen Kirche für seine 65-jährige Mitgliedschaft im St. Wendeler Posaunenchor geehrt worden. Das Posaunenwerk betreut etwa 230 Posaunenchöre mit mehr als 2500 Bläsern. Sein Gebiet erstreckt sich vom Niederrhein bis zum Saarland, von der Eifel bis zum Westerwald. Der St. Wendeler Posaunenchor sucht Verstärkung. Kontakt: Heinz Seger, Tel. (0 68 51) 38 81, Gemeindeamt, Tel. (0 68 51) 25 00. frf