1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Ortsvorsteher aus Niederkirchen, Hoof und weitern Orten wollen Schienenverkehr

Kommunenübergreifende Forderung : Ortsvorsteher fordern Reaktivierung

In einer Resolution fordern die Kommunalpolitiker Personenverkehr auf der Ostertalstrecke zwischen Ottweiler und Schwarzerden.

Die Ortsvorsteher im Ostertal fordern, dass die Eisenbahnstrecke zwischen Ottweiler und Schwarzerden für Pendler aus dem Ostertal nach Neunkirchen und Saarbrücken reaktiviert wird. Außerdem sollte geprüft werden, ob der Güterverkehr die Strecke nutzen kann. Das schreiben die Ortsvorsteher in einer gemeinsamen Resolution, die der SZ vorliegt.

Namentlich unterschrieben haben die Resolution die Ortsvorsteher Ernst Später (SPD, Schwarzerden), Roland Becker (SPD, Oberkirchen), Franz-Josef Danneck (SPD, Haupersweiler), Thomas Krampe (SPD, Osterbrücken) Gernot Müller (SPD, Hoof), Thea Edinger (SPD, Niederkirchen), Dagmar Cullmann (Werschweiler), Dieter Bleimehl (SPD, Dörrenbach), Otfried Ratunde (SPD, Fürth) sowie Michael Schmidt (CDU, Ottweiler).

„Als Kommunalpolitiker der Gemeinde Freisen sowie der Städte St. Wendel und Ottweiler begrüßen wir die Erstellung eines Verkehrsentwicklungsplans für den saarländischen Öffentlichen Personennahverkehr ÖPNV durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr und erachten ihn ökologisch als sinnvoll und absolut notwendig“, schreiben die Ortsvorsteher. Um den Straßenverkehr zu entlasten und den CO2-Ausstoß zu reduzieren, dürfe es im öffentlichen Nahverkehr keine Denkverbote geben. „Gerade den Pendlern müssen neue attraktive Angebote gemacht werden, damit die Region Ostertal mit ihren rund 10 000 Menschen nicht abgehängt wird.“

Einen Lösungsansatz sehen die Ortsvorsteher darin, die 21 Kilometer lange Strecke von Schwarzerden bis nach Ottweiler für den Personenverkehr zu reaktivieren. Zudem würde eine täglich genutzte Bahnstrecke in idyllischer Landschaft den Tourismus in der Grenzregion zu Rheinland-Pfalz weiter beleben, sind sich die Ortsvorsteher sicher. Der Verkehrsentwicklungsplan des Wirtschaftsministeriums bilde das jedoch nicht ab. Darin werde zwar auch das Potenzial der Ostertalbahn untersucht. Die Experten kämen in dem Gutachten allerdings zu dem Ergebnis, dass die Strecke ein ähnliches Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweise wie die längst abgebaute Bahnlinie St. Wendel-Tholey. Oder die seit Jahren stillgelegte Strecke Türkismühle-Hermeskeil, die sich aktuell im Rückbau befindet. Dabei seien nicht nur die Schienen für die Ostertalbahn noch komplett vorhanden, es dürften auch alle in Deutschland zugelassenen Eisenbahnverkehrsunternehmen darauf fahren.

Derzeit wird die Linie für touristische Zwecke genutzt und ist daher insgesamt in einem passablen Zustand. Ein Verdienst des Landkreises St. Wendel und des Arbeitskreises Ostertalbahn. Der Landkreis hat die Strecke seit 1. Januar 2000 von der DB Netz AG gepachtet, und der Arbeitskreis organisiert den touristischen Verkehr darauf. Doch der aktuelle Vertrag für die Ostertalbahn läuft nur bis 2025. „Was, wenn der in fünf Jahren nicht mehr verlängert wird?“, fragt Müller.

Dass die Strecke zwischen Schwarzerden und Ottweiler von vielen genutzt würde, da sind sich die Ortsvorsteher einig. Im Verkehrsentwicklungsplan sei festgehalten, dass der meiste Verkehr aus dem Ostertal Richtung St. Wendel gehe. Dem widersprechen die Ostertaler Ortsvorsteher. Ihren Angaben zufolge fahren aus dem Ostertal viele Schüler und Berufspendler in Richtung Ottweiler-Neunkirchen und Saarbrücken. So seien bei einer Verkehrszählung auf der B 420 in Höhe Dörrenbach 6300 Autos pro Tag registriert worden, auf der L 122 Höhe Hoof seien es 3600 gewesen. Demgegenüber seien es zwischen Oberkirchen und St. Wendel am Zählpunkt Leitersweiler nur 1800 Autos am Tag.

Könnten Schüler und Pendler auf den Zug umsteigen, käme das vor allem der Umwelt zugute, betonen die Ortsvorsteher. Auch wenn die Schienen der Ostertalbahn nicht elektrifiziert seien, müssten die Züge nicht mit Dieseltriebwagen fahren. Stattdessen könnten Akku-Hybrid-Loks zum Einsatz kommen. Solche Fahrzeuge könnten Strom sowohl aus einer Oberleitung als auch aus einer Batterie ziehen. So könnten die Züge zwischen Neunkirchen und Ottweiler unter Fahrdraht fahren und zwischen Ottweiler und Schwarzerden auf Akkubetrieb umschalten.

Die Ostertalbahn käme nach Ansicht der Ostertaler Ortsvorsteher auch dem Industriestandort Freisen-Schwarzerden zugute. „An den Bahnhof Schwarzerden grenzt unmittelbar das Werk der Firma DSL Defence Service Logistics GmbH“, heißt es in der Resolution. Die Firma verfüge über einen Gleisanschluss an die Ostertalbahn, über den bis zur Übernahme der Strecke durch den Landkreis schweres Gerät der Bundeswehr auf dem Schienenweg transportiert worden sei. Inzwischen seien die Transporte auf die Straße verlegt worden. Auch gebe es dort weitere freie Industrieflächen.

Die Bundesregierung hat in ihrem Masterplan Schienengüterverkehr zum Ziel gesetzt: „Der Schienengüterverkehr in Deutschland soll nachhaltig gestärkt und dadurch mehr Verkehr auf die Schiene verlagert werden.“ Auch die Vorstandsvorsitzende der DB Cargo und Verantwortliche für die Güterverkehrssparte des DB-Konzerns, Sigrid Nikutta, weist auf die Handlungsnotwendigkeit im Güterverkehr hin. Jede Tonne, die nicht auf der Straße, sondern auf der Schiene befördert werde, spart ihren Worten nach im Vergleich zum Lkw 80 Prozent CO2 ein.

Durch den Güterverkehr könnte die Ostertalstrecke noch rentabler werden, meinen die Ortsvorsteher. Die Strecke sei immerhin für eine entsprechende Belastung gebaut worden und habe lange Zeit als sogenannte „Nato-Strecke“ als längster Gleisanschluss des Saarlandes gegolten. Inzwischen habe die Firma Krauss-Maffei-Wegmann das operative Geschäft in Schwarzerden übernommen. Und das Unternehmen transportiere alles über die Straße. Mit der Ostertalbahn könnte die Straße entlastet werden.

www.ostertalbahn.de