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NS-Zeitzeuge mahnt Jugendliche zu Humanismus statt Rassismus

NS-Zeitzeuge mahnt Jugendliche zu Humanismus statt Rassismus

St. Wendel. "Wir dürfen das Geschehene nicht vergessen" - das ist die Botschaft, die der 87-jährige Buddy Elias, Präsident des Anne-Frank-Fonds, den Menschen vermitteln möchte. Er war am Dienstag mit seiner Frau Gerti zu Gast im Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel. Unter anderem waren die Schüler der zehnten Klasse der Gemeinschaftsschule St

St. Wendel. "Wir dürfen das Geschehene nicht vergessen" - das ist die Botschaft, die der 87-jährige Buddy Elias, Präsident des Anne-Frank-Fonds, den Menschen vermitteln möchte. Er war am Dienstag mit seiner Frau Gerti zu Gast im Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel. Unter anderem waren die Schüler der zehnten Klasse der Gemeinschaftsschule St. Wendel aufgrund ihres Projektes "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" da. "Ich freue mich, hier so viele Jugendliche zu sehen", grüßte Gerti Elias. "Ihr seid die Quelle, ihr seid die Zukunft, ihr gestaltet Deutschland", fügte ihr Ehemann hinzu. Als Cousin und letzter lebender Verwandter von Anne Frank erzählte er von ihrer bewegenden Lebensgeschichte und der ihrer Familie."Anne war schon immer eine Schreiberin gewesen", erinnerte sich Elias mit einem Lächeln. Sie sei es gewesen, die regelmäßig Briefe an ihn geschrieben hatte. Buddy Elias zog damals aufgrund einer neuen Arbeitsstelle seines Vaters in die Schweiz. "Das hat mir das Leben gerettet", weiß er. Der Familie Frank stand im Juli 1942 ein Abtransport in ein Arbeitslager bevor. Otto Frank hatte zu dieser Zeit bereits ein Versteck vorbereitet, in dem sich seine Familie aufhielt. Seine Sekretärin Miep Gies half den Franks beim Untertauchen. "Sie schrieben, dass es die Hauptsache ist, dass sie alle gesund und beieinander sind", sagte Elias mit trauriger Stimme. "Das war das letzte Lebenszeichen für über zwei Jahre." Im Jahr 1944 wurde die Familie von den Nationalsozialisten entdeckt und in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Als die Familie schließlich nach Auschwitz kamen, wurde sie getrennt. Anne Franks Mutter Edith starb als erste an Unterernährung. "Sie hat das Brot, das sie zu essen bekam, für ihre Kinder aufgehoben", so Elias. "Sie dachte, sie würde sie wiedersehen". Anne und Margot starben einige Monate später in dem Konzentrationslager Bergen-Belsen. Otto Frank war somit der einzige Überlebende.

Miep Gies hatte für Annes Vater die beschriebenen Seiten seiner Tochter aufbewahrt. Sie übergab sie ihm mit den Worten: "Das ist das Vermächtnis Ihrer Tochter". "Er erinnerte sich daran, dass es Annes größter Wunsch war, dass etwas von ihr veröffentlicht wurde", sagte Elias. Auch nach 60 Jahren ist das "Tagebuch der Anne Frank" in der Weltbestsellerliste. Buddy Elias und seine Frau hatte das neue Buch "Grüße und Küsse an alle", das 2009 erschien, dabei und lasen daraus vor. "Über die Jahre haben wir immer mehr Briefe und Dokumente von der Familie gefunden", erklärte Gerti Elias. "Humanismus ist, was die Welt braucht", legte Buddy Elias seinen jungen Zuhörern ans Herz. Er warnte vor Hass jeglicher Art gegenüber anderen Religionen und anderen Hautfarben. "Ich hasse das Wort Rassismus", sagte er zornig. "Es gibt nur eine Rasse und diese Rasse heißt Mensch." ana/sef