Nester des Eichenprozessionsspinners in St. Wendel entdeckt

Eichenprozessionsspinner in St. Wendel : Ehrfurcht vor schneeweißem Raupen-Haar

Das kann bei Kontakt Allergien hervorrufen. Erste Nester des Eichenprozessionsspinners in St. Wendel entdeckt.

Bis zu fünf Zentimeter misst sie. Eine kleine Raupe, die im vergangenen Jahr große Beachtung fand. Im Frühsommer lieferte der Eichenprozessionsspinner so manche Schlagzeile. Jetzt ist es wieder Juni und das Tierchen meldet sich zurück. Wie Dirk Schäfer, Brandinspekteur im Landkreis St. Wendel, berichtet, wurde die Feuerwehr in dieser Woche schon drei Mal wegen Nester des Nachtfalters verständigt. Der hatte sich beispielsweise, wie der Name schon verrät, an Eichen entlang eines Rad- und Spazierwegs in Winterbach niedergelassen. Die Feuerwehr sperrte den Streckenabschnitt und sicherte die betroffenen Bäume nochmals gesondert. Alles weitere übernehmen Profis. Bislang, sagt Schäfer, sei der Eichenprozessionsspinner lediglich in St. Wendel aufgetaucht.

Daher hat das Umweltamt der Stadt auch prompt reagiert und eine Pressemitteilung herausgegeben, die auf die Nester der Nachtfalter aufmerksam macht. Doch weshalb sind die Tierchen so unbeliebt, dass vor ihnen gewarnt wird? Es sind die Härchen der Raupen, die für den Menschen unangenehm werden können. Denn sie beinhalten das Protein Thaumetopoein, das allergische Reaktionen hervorruft. Meist auf der Haut.

„Es ist vergleichbar mit Nesselsucht. Ein Gefühl ähnlich dem nach Kontakt mit Brennnesseln“, erläutert Steffen Caspari. Der Biologe arbeitet beim Zentrum für Biodokumentation des Umweltministeriums, beschäftigt sich seit 40 Jahren mit Schmetterlingen und Nachtfaltern. Pusteln, hervorgerufen von den Brennhaaren, können mitunter etwas hartnäckig sein, drei bis vier Wochen sichtbar bleiben. Auch asthmatische Reaktionen seien denkbar. „Und zwar dann, wenn sich eine große Konzentration der Härchen in der Atemluft befindet“, erklärt Caspari. Der Biologe erinnert sich an einen kuriosen Fall. Vor etwa 30 Jahren hätte der Eichenprozessionsspinner beinahe zur Absage eines Formel-1-Rennens am Nürburgring geführt. Es gab einen starken Befall, zu viele Härchen wirbelten damals in der Luft. Doch dann habe es rechtzeitig geregnet, und die Rennprofis konnten wie geplant auf  Punktejagd gehen.

Dieses Beispiel zeigt auch, dass das Auftauchen des Tierchens kein neues Phänomen ist. „Der Nachtfalter ist hier heimisch“, sagt Caspari. Doch dass er erst in den zurückliegenden Jahren in der Region öfter in Erscheinung tritt, hat einen Grund: „Er ist ein Gewinner des Klimawandels“, urteilt der Biologe. Der trockene und warme Frühling und Sommer im vergangenen Jahr sei geradezu „paradiesisch“ für das Insekt gewesen. Die Nachkommen der Falter seien gut durchgekommen. Die Auswirkungen sind nun spürbar. Aktuell ist die Zeit, in dem sich die Raupen entwickeln. In ein paar Wochen verpuppen sie sich. Dann schlüpfen die Falter. Auch wenn die Raupen verschwunden sind, bleiben noch Larvenhäute samt Brennhaaren in den Nestern zurück. Daher wird der Gefährdungszeitraum in einer entsprechenden Broschüre des Umweltministeriums von Mitte Mai bis Ende Oktober angegeben.

Wie sollte sich der Spaziergänger verhalten, wenn er ein Nest entdeckt? „An einem befallenen Baum vorbei zu gehen, ist kein Problem“, beruhigt Caspari. Nest und Raupe sollten nicht berührt werden, um den Kontakt mit den Gifthärchen zu vermeiden. Das St. Wendeler Umweltamt rät bei dem Verdacht auf Kontakt, die Kleidung auszuziehen und bei 60 Grad zu waschen. Auch der Sprung unter die Dusche wird empfohlen. Sollten Hautreaktionen auftreten, legt das Umweltamt den Besuch beim Hausarzt nahe.

Treten Nester wie jetzt in Winterbach an stark frequentierten Wegen oder Plätzen auf, ist es Sache der jeweiligen Kommune, sich darum zu kümmern. „Der Landkreis St. Wendel ist wiederum in der Pflicht, wenn es um die Gelände der weiterführenden Schulen und des Bostal-
sees geht“, erklärt Michael Keller von der Abteilung zur Entwicklung des ländlichen Raums. Es sei wichtig, die Nester ordnungsgemäß zu entsorgen. Fachfirmen würden in der Regel Spezialsauger mit langen Rüsseln dafür einsetzen.

Das Nest eines Eichenprozessionsspinners an einem Baum am Rad- und Wanderweg in Winterbach. Foto: Dirk Schäfer

Absaugen – das könnte auch eine Möglichkeit für Privatleute sein, die sich vor dem Auftrag an Spezialisten aus finanziellen Gründen scheuten, sagt Caspari. Sowohl der Biologe als auch Keller warnen vor dem Einsatz von Flammenwerfern. „Die wirbeln die Härchen nämlich erstmal“, sagt Keller. Und dann können sie, wie bereits erwähnt, auch die Atemwege reizen. „Ich halte auch nichts von der chemischen Keule“, sagt Caspari. Denn damit würden auch Insekten in der Nachbarschaft getötet, die keinen Schaden anrichten.

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