Narren stehen im Regen

In Marpingen, Bosen, Freisen, Nonnweiler und Gehweiler feiern die Fastnachter in Hallen, lassen den Straßenkarneval wegen Sturm und Dauerregen ausfallen. Nur ein Umzug startet wie geplant: der in Überroth.

Bunt, laut und fröhlich geht es normalerweise in der fünften Jahreszeit zu. Doch ausgerechnet der Rosenmontag zeigte sich trist und grau. Dauerregen fiel vom Himmel, und der Wind pfiff übers St. Wendeler Land hinweg. Da konnte sogar dem hartgesottensten Narr die Lust auf Straßenkarneval vergehen. Doch nicht nur die Frage, ob bei diesem Wetter überhaupt Zuschauer zu den Umzügen kommen würden, trieb die Verantwortlichen um. Sie machten sich auch Sorgen um die Sicherheit und Gesundheit der Leute. So gab es dann auch in Marpingen, Freisen, Bosen und Gehweiler Krisentreffen am Montagvormittag. Das Ergebnis war überall das Gleiche: die Rosenmontagsumzüge wurden abgesagt. Allein die Narren in Überroth-Niederhofen stemmten sich gegen die Elemente. Getreu dem Motto "Obwohl Regen fällt und der Wind weht, unser Zug, der geht" setzten sie ihren Lindwurm in Bewegung.

"Seit Ende September liefen die Vorbereitungen", sagt Marco Pignatelli vom Orga-Team Rosenmontag der Gemeinde Marpingen. Seiner Stimme ist anzuhören, dass dem Team die Absage nicht leicht gefallen ist. "Aber bei dem Wetter hat es keinen Sinn." In die Enttäuschung über die Absage mischten sich Gedankenspiele in Richtung eines möglichen Nachholtermins. "Das halte ich für unwahrscheinlich. Das wäre zu viel Arbeit", so Pignatelli.

Das Prinzenpaar des Jahres im Saarland kommt in dieser Session aus Nonnweiler. Viele Termine hat das närrisch-hoheitliche Paar schon wahrgenommen, doch ausgerechnet der eigene Umzug fällt aus. "Um 10 Uhr haben wir in Absprache mit der Polizei den Rosenmontagsumzug abgesagt", verkündet Jürgen Schneider , Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft 1954 Nonnweiler, mit Bedauern. Es sei einmalig in Nonnweilers Historie, dass der Umzug nicht startet. Aber die Polizei habe große Bedenken wegen der Sicherheit geäußert. Windgeschwindigkeiten von 100 Kilometern pro Stunde seien möglich. "Wir hatten Angst, dass etwas passieren könnte", so Schneider. Möglicherweise gibt es im Sommer einen Nachholtermin. Darüber wird der Verein noch beraten.

In engem Kontakt zur Polizei stand auch Freisens Ortsvorsteher Gerd Bonenberger. Die Beamten haben ein Sicherheitsrisiko gesehen. "Ich will nicht die Verantwortung übernehmen, wenn etwas passiert", sagt Bonenberger und zieht aus Vernunft die Notbremse. Ein Mini-Umzug wurde kurzerhand in die Bruchwaldhalle verlegt. Außerdem hat der Ortsvorsteher schon eine konkrete Idee in Sachen Nachholtermin: Im Juni beim Dorffest soll es im Vorfeld des bayerischen Gaudi-Abends einen Umzug geben. Dann kämen auch die bereits in Massen gekauften Wurfutensilien unter die Leute.

Bereits mit einer konkreten Idee vor Augen haben sich auch die Verantwortlichen in Bosen etwas über die Absage des Zuges hinweggetröstet. "Wir haben in Erwägung gezogen, einen Kirmesumzug im August zu machen", sagt Heiko Kiefer, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Bosen. "Und fügt hinzu: "Die Gruppen wollen doch ihre Kostüme zeigen." Dann hoffentlich bei Sonnenschein. Durchnässte Fußgruppen, kaum Zuschauer entlang des Zuges - das wollte Kiefer nicht riskieren. "Die Gesundheit geht vor." Gefeiert wurde daher trocken im evangelischen Gemeindehaus.

Groß war das Bedauern über die Absage des Umzuges auch in Gehweiler. Vor allem, weil dieses Mal 14 Gruppen ihre Teilnahme zugesagt hatten. "So viele, wie schon seit Jahren nicht mehr", sagt Sabrina Greif, Vorsitzende des Karnevalvereins Gehweiler. Die Skepsis unter den Akteuren selbst ob des Dauerregens und die Absagen in umliegenden Dörfern haben Sabrina Greif zu der Entscheidung geführt. "Vielleicht können wir es nachholen", sagt sie. Aber spruchreif ist noch nichts. Oberthal plant schon seit längerem einen Sommerkarneval mit Umzug. Der könnte jetzt Konkurrenz bekommen. < weitere Berichte