1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. St. Wendel

Nachruf auf Gerhard Leibrock aus St. Wendel

Nachruf : Zeitlebens mit der Kunst verbunden

Der im April verstorbene Gerhard Leibrock war Vorsitzender des Symposiumvereins und Mitglied im Beirat des St. Wendeler Museums.

„Wir hoffen, dass die Straße des Friedens nicht vergeblich ist, dass die Werke auch in Zukunft erhalten bleiben und zur Versöhnung und Freundschaft zwischen den Völkern beitragen“: Das sagte Gerhard Leibrock 2007 anlässlich der Einweihung der Skulptur von Bertrand Ney auf dem Wendelinushof in St. Wendel. Keine Frage, die Kunst und die Verständigung zwischen Nationen lagen dem Justizrat zeitlebens am Herzen. Im Alter von 91 Jahren ist er am 27. April gestorben.

Bis Ende 2019 gehörte er zum Beirat des St. Wendeler Museums. „Dann hat er angerufen und gesagt, dass ihm die Sitzungen der Stiftung Dr. Walter Bruch zu viel werden“, erinnert sich Cornelieke Lagerwaard, Leiterin des St. Wendeler Musems. Sie habe ihm versprochen, ihn auf dem Laufenden zu halten. Leibrock war es auch, der ab 1986 mit Walter Bruch und der Stadt St. Wendel die juristische Grundlage für diese Stiftung erarbeitet hatte.

Der 1928 in Limbach bei Homburg geborene Jurist übernahm Anfang der 1970er-Jahre das Amt des Vorsitzenden des Vereins Internationales Steinbildhauersymposium. „Vor mehr als 40 Jahren war es schon ein Wagnis, die Bevölkerung mit der Bildenden Kunst im öffentlichen Raum vertraut zu machen“, blickte im Jahr 2017 der damals 89-Jährige in einem Gespräch mit der SZ zurück. Das sieht Kunsthistorikerin Lagerwaard ähnlich und macht auf die Bedeutung dieses Bildhauersymposiums, das eines der ersten in Deutschland war, für die Kunstentwicklung aufmerksam. Während Bildhauer Leo Kornbrust der künstlerische Vater des Symposiums und der späteren Skulpturenstraße war, kümmerte sich Leibrock um das Drumherum, wie die finanzielle Ausstattung der Künstler oder auch um die Verhandlungen und Vertragsabschlüsse mit Grundstückseigentümern, damit die Steine auch langfristig bleiben konnten.

Immer an der Seite des ab 1964 in St. Wendel arbeitenden Notars war seine Ehefrau Ellen. Lagerwaard beschreibt die später promovierte Apothekerin als „seine Muse“. Sie starb bereits vor einigen Jahren. Während sich ihr Mann um das Organisatorische in Sachen Symposium kümmerte, versorgte sie die Bildhauer mit Kuchen. Die Bekanntschaften mit den Künstlern wurden teilweise auch privat gepflegt. „Ich erinnere mich an Besuche verschiedener Künstler wie Gabi Béju oder Hiromi Akyama in unserem Haus in der Riottestraße“, schreibt Tochter Larissa Leibrock-Plehn. Den israelischen Künstler Shelomo Selinger haben sie und ihre Eltern noch vor etwa 15 Jahren in seinem Atelier in Paris besucht.

Eine Skulptur Selingers steht bei der Lebenshilfe in St. Wendel. Das Ehepaar Leibrock hat zusammen mit Margot Bruch 2010 den Ankauf der Skulptur ermöglicht. So haben die Leibrocks auch, nachdem der Symposiumsverein vor etwa zehn Jahren aufgelöst wurde, das Projekt „Straße des Friedens“ unterstützt. Den gleichnamigen, 2004 gegründeten Verein bedachte Gerhard Leibrock auch in seinem Testament. So ist es eine Verbindung über den Tod hinaus.

Unter anderem für sein kulturelles Engagement erhielt Leibrock im April 2009 aus den Händen des damaligen Chefs der Staatskanzlei, Karl Rauber, das Bundesverdienstkreuz am Bande. In diesem Zusammenhang wurden auch Gerhard Leibrocks Kontakte zu Angehörigen der französischen Garnison und deren Familien gewürdigt. Viele Freundschaften blieben  nach der Schließung der Garnison bestehen.

Minister Karl Rauber (rechts) verlieh an Justizrat Gerhard Leibrock (Mitte) das Bundesverdienstkreuz, links Ellen Leibrock. Foto: dia-saar.de/FR.Klos

„Er war ein wichtiger Mann für die Stadt St. Wendel“, sagt Cornelieke Lagerwaard, die Leibrock  im Jahr 1988 kennenlernte, als sie die Leitung des St. Wendeler Museums übernahm. In dessen Beirat habe Leibrock sein diplomatisches Geschick bewiesen.