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Nach dem Krankenhaushalt: Paten helfen Patienten im Alltag

Nach dem Krankenhaushalt: Paten helfen Patienten im Alltag

Erholen sich ältere Patienten nach einem Klinikaufenthalt schneller, wenn man ihnen einen Paten zur Seite stellt? Um dies herauszufinden, beteiligte sich das Marienkrankenhaus an einem Projekt der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken.

"Wir haben zusammen Putenschnitzel gekocht, mit Chicoréesalat und Kartoffeln", erinnert sich Maria Meschenbier noch genau an den Tag, als Marie-Theres Touppen das erste Mal zu ihr nach Hause kam. Das war im Frühsommer des vergangenen Jahres. Maria Meschenbier lag zuvor mit einer gebrochenen Hand zehn Tage im Marienkrankenhaus. Die 81-Jährige wohnt allein, ihr Mann ist verstorben, ihre Kinder leben weit entfernt. Unterstützung bekam sie nach ihrem Krankenhausaufenthalt von Marie-Theres Touppen, einer ehrenamtlichen Patienten-Patin im Projekt +P im Marienkrankenhaus. Sie hat die Seniorin drei Monate jede Woche zu Hause besucht. Nicht allein, um ihr beim Kochen behilflich zu sein, denn Patienten-Paten sind keine Haushaltshilfen. Sie sind vielmehr ein erster Ansprechpartner und Begleiter für alleinstehende, ältere Patienten in der schwierigen Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt. So haben die beiden Frauen nicht nur zusammen gekocht, sie sind auch regelmäßig spazieren gegangen, haben Ausflüge mit dem Auto gemacht, das Grab des verstorbenen Ehemannes gepflegt und sich dabei über Gott und die Welt unterhalten.

"+P ist ein Projekt der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken , und wir waren froh, dass wir uns daran beteiligen konnten", berichtet Krankenhausoberin Hildegard Marx. Ziel des Projekts war es, herauszufinden, ob sich alleinstehende, ältere Patienten nach einem Klinikaufenthalt schneller erholen, wenn sie zu Hause eine Zeit lang weiter begleitet werden. Dass dem so ist, davon ist Maria Meschenbier überzeugt. Ihr hat die Zeit mit ihrer Patin gut getan.

Insgesamt vier Frauen und ein Mann sind im Marienkrankenhaus als Paten tätig, und sie bekommen ähnliche Rückmeldungen. "Ich weiß nicht, was ich ohne sie gemacht hätte", war beispielsweise eine 84-jährige Seniorin dankbar für die Unterstützung. Sie litt unter zahlreichen Wirbelbrüchen und hat es Dank des Zuspruchs ihrer Patin Christine Rohr geschafft, nach der Zeit im Krankenhaus wieder weitestgehend selbstständig zurechtzukommen.

Mit dem Paten-Angebot trägt das Krankenhaus vor allem den geänderten gesellschaftlichen Strukturen im ländlichen Raum Rechnung. Anders als noch vor wenigen Jahrzehnten haben ältere Patienten hier immer öfter keine Angehörigen mehr, die nach einem Krankenhausaufenthalt für sie da sein können. Auch die nachbarschaftlichen Beziehungen sind lockerer und flüchtiger als früher. Hier geben die Paten den Patienten im Alltag wieder Halt, bis sie sich von ihrer Erkrankung oder Verletzung ganz erholt haben. Während dieser Zeit schaffen sie auch Anknüpfungspunkte zum Beispiel in der Kirchengemeinde bei oder anderen sozialen Angeboten. "In Zukunft bedarf es eines dichten Netzwerks und viel Fantasie, um Begegnungen zwischen den Menschen möglich zu machen", ist sich Hildegard Marx bewusst. Und darum führen die Paten am Marienkrankenhaus ihre Begleitungen künftig weiter fort, auch wenn das Projekt der Hochschule Ende des Jahres ausgelaufen ist.

Nicht zuletzt profitieren auch die Paten davon, die meist selbst schon im Rentenalter sind. Marie-Theres Touppen lebt zum Beispiel erst seit wenigen Monaten im Saarland. Die 63-Jährige stammt gebürtig vom Niederrhein und hatte zunächst Schwierigkeiten mit dem saarländischen Dialekt. Dank der vielen Gespräche mit Maria Meschenbier (einer "waschechten" Saarländerin) "habe ich mich gut in den Zungenschlag eingehört", freut sie sich. Über ihr ehrenamtliches Engagement konnte sie zudem viele neue Kontakte knüpfen, zum Beispiel bei den regelmäßigen Paten-Stammtischen.

Um die Arbeit der Paten zu würdigen und die Idee bekannter zu machen, bewirbt sich die Klinik mit diesem Projekt nun auch um den Sozialpreis des Katholischen Krankenhausverband Deutschlands (KKVD), der 2015 zum zweiten Mal ausgeschrieben wird.