Nach dem Fischsterben weiß niemand so recht, wie es weitergeht

Oberlinxweiler. Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde am Weiher des Oberlinxweiler Angelsportvereins. Schon viele Feste sind hier gefeiert worden. Nach Feiern war es dem Oberlinxweiler Ortsrat, den Vertretern der Umweltbehörden, des Saarländischen Fischereiverbandes und den Angelsportfreunden am Dienstagabend allerdings nicht zumute. Dafür war das Thema zu ernst

 Beim Ortstermin. Foto: SZ

Beim Ortstermin. Foto: SZ

Oberlinxweiler. Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde am Weiher des Oberlinxweiler Angelsportvereins. Schon viele Feste sind hier gefeiert worden. Nach Feiern war es dem Oberlinxweiler Ortsrat, den Vertretern der Umweltbehörden, des Saarländischen Fischereiverbandes und den Angelsportfreunden am Dienstagabend allerdings nicht zumute. Dafür war das Thema zu ernst. Ortsvorsteher Jürgen Zimmer hatte dorthin zu einer Gesprächsrunde eingeladen, damit die Teilnehmer etwas über den Stand der Dinge an den beiden Weihern erfahren. Der Hintergrund: Am 17. Mai 2007 war ein Großbrand im St. Wendeler Industriegebiet der Auslöser für ein großes Fischsterben in den Weihern. Mit dem Löschschaum und dem Löschwasser waren über den Zulauf so genannte perfluorierte Tenside (PFT) in die Weiher gelangt und hatten zu einer hohen Belastung geführt. Das Wort "Problem" tauchte bei den Informationen des Biologen Adam Schmitt vom saarländischen Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz sehr oft auf. "PFT ist zum Problem geworden, weil über seine Wirkung bisher kaum etwas bekannt war", so Schmitts erste Feststellung. Ein anderes Problem: Oberlinxweiler ist der erste Fall dieser Art, der dokumentiert wird. Niemand weiß, wie mit den Ergebnissen daraus umgegangen werden muss. Die beiden Vereine sind quasi die Versuchskaninchen. Ein weiteres Problem: Die Belastung der Weiher liegt zwar unter den vom Bundesumweltamt empfohlenen Werten. Das hat eine Untersuchung klar ergeben. Trotzdem ist die Anreicherung der Fische mit Schadstoff ganz unterschiedlich verlaufen, hat bei einem Teil von ihnen zum Tod geführt, bei anderen zu einem "auffälligen Verhalten". Schmitt: "Diese Messwerte passen einfach nicht zusammen." Unklar ist bis jetzt auch: War PFT der einzige Auslöser für die Katastrophe oder haben womöglich noch andere Schadstoffe mitgewirkt? Wielange dauert der Abbau der Schadstoffe? Spült Regen vielleicht sogar weitere Stoffe heran, die noch im Boden stecken? Experimentieren und wartenDer Bioexperte wollte keine Prognose für die Zukunft der Weiher abgeben. Im Experimentieren sieht er die einzige Möglichkeit, das Problem in den Griff zu bekommen. Dieses Experiment könnte so aussehen, in gewissen Abständen neue Fische in die Weiher zu setzen und sie nach einigen Wochen untersuchen zu lassen. "Ist eine deutliche Anreicherung festzustellen, so dass vom Verzehr der Fische weiterhin abzuraten wäre, würde uns das Problem noch lange begleiten", so Schmitt. Bei stabilen oder absinkenden Werten wäre das Problem womöglich bis zum kommenden Herbst in den Griff zu bekommen. "Wir brauchen viel Zeit - und wissen doch nicht, wie am Ende alles ausgeht." Werner Becker, der Vorsitzende des Saarländischen Fischereiverbandes, glaubt, dass die Weiher der beiden Angelsportvereine auf Jahre hinaus nicht benutzt werden können. Dafür war wenigstens ein Gespräch, das er kürzlich im saarländischen Umweltministerium geführt habe, erfolgreich gewesen. Das Land will den beiden Vereinen mit 20000 Euro unter die Arme greifen, um ihre Existenz zu sichern. Zwischenruf eines Vereinsmitgliedes: "Wir wollen kein Geld, wir wollen Weiher zum Angeln." Becker: "Ich kann nur versuchen, zu helfen." Fazit der Ortsratssitzung im Grünen: Es steht nicht fest, wann in den beiden Weihern wieder Fische geangelt werden können. Im schlimmsten Falle überhaupt nicht mehr. Laut nachgedacht wurde bereits über neue Anlagen. Aber nicht mehr in dieser Gegend. gtr

HintergrundNach der Umweltkatastrophe in den Weihern kämpfen die Oberlinxweiler Angelsportvereine um ihre Existenz. Achim Schmelzer vom Angelsportverein: "Wir haben einen Totalschaden und können praktisch nichts dagegen machen. Mehrere Mitglieder haben den Verein bereits verlassen. Mit viel Anstrengungen können wir noch unsere Jugendgruppe halten. Ich weiß nicht, ob der Verein das Jahr 2008 übersteht." Jörg Egler von den Laubenfischern: "Etliche Mitglieder haben bei uns gekündigt. Die Jugendgruppe existiert praktisch nicht mehr." gtr